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03. November 2007, 12:38
Die Wortpolizisten und Tribunalisten in den Medien gehen gezielt vor














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  WEITERE ARTIKEL ZUM
  THEMA 'Eva Herman'

Wer die deutsche Presse in den vergangenen Wochen verfolgt, kann es wahrlich mit der Angst bekommen - Von Bernhard Müller / Pur-Magazin.

Fulda (www.kath.net)
Zunächst eine Selbstanklage: Jawohl, ich bin einer dieser „Retro-Katholiken“, die Anfang des Monats beim Kongress des „Forums deutscher Katholiken“ in Fulda Eva Herman „zugejubelt“ haben, wie Alan Posener in der „Welt“ online bedauernd feststellt. Ich bin einer der „Unverbesserlichen“, die meinen in einem freien Land dürfe Eva Herman auch weiterhin über Werte, Kinder und Frauen das sagen, was sie selber nicht gelebt, aber von dem sie erkannt hat, dass es der bessere Weg gewesen wäre. Wenn sie sagt, sie hätte mit drei verschiedenen Ehemännern ein Kind, und umgekehrt wäre es ihr heute lieber, hat das sicher nichts mit Heuchelei zu tun. Es ist schon eher eine bittere Selbsterkenntnis.

Die Kampagne gegen Eva Herman begann im September – vor allem angeführt durch die Springer-Presse. Sie argumentiere wie die Nationalsozialisten, stand all überall zu lesen. Und aus Eva Herman wurde „Eva Braun“, Hitlers Geliebte. Was hatte die frühere Tagesschau-Moderatorin getan? Sie hatte sich auf einer Pressekonferenz zur Vorstellung ihres neuen Buches spontan über die nationalsozialistische Zeit geäußert: „Es war ‚ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind die Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft.“

Isoliert betrachtet eine durchaus missverständliche Äußerung, die sie aber klargestellt hat; und jeder der den Kontext kennt, weiß, was sie sagen wollte: Die Werte der Familie gab es längst vor dem Nationalsozialismus und sie haben in unserer Gesellschaft durch alle Zeiten Gültigkeit behalten bis die 68-er Generation sie offen in Frage stellte und mit ihrer Demontage begann. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen sah darauf hin keine Möglichkeit mehr die beliebteste Nachrichtensprecherin Deutschlands weiter zu beschäftigen: Innerhalb weniger Stunden wurde die Frau, die fast 20 Jahre lang das Flaggschiff der ARD, die Tagesschau gesprochen hatte, gefeuert.

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Begründung: Frau Herman stehe es frei ihren „Mütterkreuzzug“ fortzusetzen, aber mit der Rolle einer NDR-Fernsehmoderatorin sei dies nicht länger vereinbar. Berufsverbot. Dass Frau Herman sich seit Jahren aktiv im Kampf gegen Rechtsradikalismus engagiert, spielt da keine Rolle mehr. Ihr eigentliches Vergehen liegt auf der Hand: Sie ist eben eine Frau, die vom Feminismus zum traditionellen Familienbild und zum christlichen Glauben konvertierte. Offenbar ist es in diesem Lande nicht mehr möglich, für ein christliches Familienbild einzutreten, ohne gleich mit dem Dritten Reich in Verbindung gebracht zu werden.

Die Wortpolizisten und Tribunalisten in den Medien gehen dabei gezielt vor. Die Katholische Nachrichtenagentur verbreitete bundesweit, der Zentralrat der Juden in Deutschland habe Kardinal Lehmann zum Einschreiten gegen die Veranwortlichen des Kongresses „Freude am Glauben“, des „Forums deutscher Katholiken“ auffordert, weil dort Eva Herman in einem Referat für den Wert der Familie eintrat. Die Verantwortlichen wurden in die Nähe zur „Nazi-Ideologie“ gestellt. Kongressleiter Alois Konstantin Prinz zu Löwenstein könne die Grundwerte der Familie nicht von Nazi-Ideologie unterscheiden, erklärte der Vizepräsident des Zentralrats, Dieter Graumann. Freilich ohne auch nur einen einzigen Halbsatz zitieren zu können, der so einen schweren Vorwurf belegen könnte. Am 9. Oktober inszenierte der ZDF-Moderator Kerner in seiner Talksendung vor einem Millionenpublikum ein regelrechtes Tribunal gegen Eva Herman, um sie anschließend demonstrativ aus der Sendung zu werfen. Redeverbot für Werte-Verteidiger.

Wer die deutsche Presse in den vergangenen Wochen verfolgt, kann es wahrlich mit der Angst bekommen. Da wird der Kölner Kardinal Meisner als „katholischer Hetz-Prediger“ und als „Pfarrer Braun“ tituliert. Man hat den Eindruck eine Renaissance nationalsozialistischen Denkens stehe bevor, diesmal angeführt von der katholischen Kirche. Beschuldigt werden katholische Bischöfe, wie der Eichstätter Oberhirte Gregor Maria Hanke, der während eines Besuchs der deutschen Bischöfe im März dieses Jahres angesichts des Elends der Plästinenser vom „Ghetto in Ramallah“ sprach. Kardinal Meisner, wird wegen seiner Äußerung, „Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet“, vorgeworfen, er habe eine Nazi-Sprache. Der Leiter der evangelischen Nachrichtenagentur idea, Helmut Matthies bringt die Situation auf den Punkt: „Die Meinungsfreiheit in Deutschland ist offensiv bedroht. So offensiv, dass die Angegriffenen nicht mal mehr die Möglichkeit haben, sich in großer Öffentlichkeit zu verteidigen.“

Pur-Magazin

DIE WELT: Alan Posener - Kommentar zu Eva Herman

   

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