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09. Oktober 2008, 13:15
Eine kirchliche Gemeinschaft ist zuerst ein Werk Gottes














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  WEITERE ARTIKEL ZUM
  THEMA 'SJM'

Interview mit P. Anton Bentlage, dem neuen Generalobere der Servi Jesu et Mariae über SJM, Servi Jesu et Mariae, Summorum Pontificum, Weltjugendtag,
Charismatische Erneuerung und Medjugorje

Linz (www.kath.net)
Im Folgenden das Interview im Wortlaut:

KATH.NET: Hochwürden Pater Anton Bentlage. Sie sind seit wenigen Wochen neuer Generaloberer der Kongregation der Servi Jesu et Mariae (SJM). Waren Sie von der Wahl überrascht?

Pater Bentlage: Ich hatte damit gerechnet, dass die Bürde des Amtes einen aus der ersten Generation treffen würde. Meine Wahl lag für mich demnach lediglich im Bereich des Möglichen.

KATH.NET: Wie viele Priester gibt es derzeit in der SJM? Und wie viele Priesterweihen gab es in den letzten Jahren?

P. Bentlage: Unsere Gemeinschaft besteht zur Zeit aus 31 Priestern, insgesamt sind wir 47 Personen, wobei das diesjährige Noviziat noch nicht eingerechnet ist. 2007 hatten wir zwei Priesterweihen und dieses Jahr werden es vier sein.

KATH.NET: Könnten Sie Außenstehenden erklären, wie der Zusammenhang zwischen den SJM und den Katholischen Pfadfinder Europas (KPE) ist?

P. Bentlage: Obwohl die Kongregation der Diener Jesu und Mariens (SJM) als auch die Katholische Pfadfinderschaft Europas (KPE) für sich eigenständig sind, lässt sich der von Ihnen erwähnte Zusammenhang anhand von drei Faktoren leicht erklären.
Das wichtigste Bindeglied zwischen KPE und SJM lag in der Person von Pater Andreas Hönisch. Er war sowohl Mitbegründer und Bundeskurat der KPE, als auch Gründer und Generaloberer der SJM. Zudem sind viele Mitglieder der SJM vorher Pfadfinder gewesen. Als letzter Punkt sei erwähnt, dass eine Reihe von Priestern der SJM Kuratendienste in der KPE verrichten.

KATH.NET: Die Kongregation feiert die Liturgie der Kirche sowohl im Ritus der ordentlichen als auch im außerordentlichen Form. Warum eigentlich? Und wovon hängt es eigentlich ab, in welcher Form wann gefeiert wird?

P. Bentlage: In unseren Konstitutionen heißt es, dass wir aus pastoralen und liturgischen Gründen die Heilige Messe sowohl nach dem Messbuch von 1962, als auch nach dem Missale von Papst Paul VI feiern. Die Begegnung mit der außerordentlichen Form half uns, das Mysterium des Messopfers tiefer zuerfahren, die ordentliche Form von diesem Hintergrund aus besser zu verstehen und die Fülle und Schönheit der Liturgie mehr kennen zu lernen.

Das gelingt allerdings nur, wenn man sich unvoreingenommen darauf einlässt. Die so erlangte Wertschätzung bewegte uns, den Reichtum der außerordentlichen Form auch anderen zugänglich zu machen. Zugleich waren wir aber alle in der ordentlichen Form aufgewachsen und hatten auch diese in unserer Jugend und auf zahlreichen Fahrten und Lagern lieben gelernt.

Voraussetzung dafür war unsere Erfahrung, dass man auch diese Form würdig und erhaben feiern kann und dies um so mehr, je mehr man sich am Kontext der außerordentlichen Form orientiert. In dieser Beziehung gilt für uns das Schriftwort Mt 13,52 „Jeder Schriftgelehrte also, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt.“

Im Blick hatte P. Hönisch immer eine einheitliche Form, die er sich durch eine zukünftige Reform des Ordo’s von Paul VI erhoffte, in Kontinuität mit der tridentinischen Form. In welcher Form die Heilige Messe gefeiert wird, hängt hauptsächlich vom jeweiligen apostolischen Einsatz ab und je nach dem, wie man erhofft, leichter den Zugang zum Herzen zu finden, immer das größere Heil der Seelen vor Augen.

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KATH.NET: Waren Sie über über das Motu Proprio „Summorum Pontificum“, das vor über einem Jahr veröffentlicht wurde, erfreut? Hat sich für die SJM dadurch etwas geändert?

P. Bentlage: Wir waren sogar sehr erfreut. Nicht nur darüber, dass nun jeder Priester grundsätzlich einmal für sich das Recht hat die außerordentliche Form zu feiern, sondern weil wir uns für den von uns eingeschlagenen Weg, in beiden Formen die Heilige Messe feiern, voll bestätigt fühlten. Denn der Heilige Vater brachte auch zum Ausdruck, dass man zwar durchaus die außerordentliche Form bevorzugen, aber dennoch die ordentliche Form nicht ablehnen dürfte; dies um die Einheit mit der Kirche zu wahren.

Ebenso zeigte er die Möglichkeit auf, dass sich die beiden Formen auch gegenseitig befruchten könnten, ganz im Sinne der von Ihm in der Öffentlichkeit geprägten Formel der „Reform der Reform“, was schon immer auch im Sinne von P. Hönisch war. Geändert hat sich dabei verständlicherweise für uns nichts, außer dass die Anfragen, die außerordentliche Form zu feiern, immer mehr zunehmen.

KATH.NET: Vor knapp zwei Jahren gab es im Bistum Fulda Aufregung um den „Rauswurf“ von drei SJM-Priestern aus der Seelsorge im Bistum. In nicht wenigen deutschsprachigen Bistümern und Diözesen ist die Arbeit der SJM offensichtlich nicht besonders erwünscht. Worin sehen Sie da die Ursachen? Wo lagen Ihrer Meinung nach die Fehler?

P. Bentlage: Die Aufregung war damals deshalb so groß, weil das einfache Volk die Entscheidung der Diözese nicht verstand, die Priester waren beliebt. Seine Exzellenz Bischof Heinz-Josef Algermissen attestierte den drei Priestern Unbescholtenheit. Grundsätzlich steht es jedem Bischof frei, Seelsorgeverträge zu unterzeichnen oder auch zu kündigen.

Der Zukunft schaue ich aber gelassen entgegen. Alles braucht seine Zeit. So sind auch 20 Jahre für einen päpstlichen Orden noch eine reichlich kurze Zeitspanne. Zudem zeigt die Geschichte, dass die meisten, wenn nicht alle Gemeinschaften, sich durch Schwierigkeiten hindurch bewähren mussten. Es gibt Bischöfe die uns ein großes Wohlwollen entgegenbringen, und wenn unsere Patres einmal irgendwo eingesetzt sind, zerstreuen sich dort die Vorurteile. Zudem können wir uns zur Zeit, auf Grund der zahlreichen Anfragen und Werke, über Arbeitsmangel nicht beklagen.

KATH.NET: Mitte Juli fand in Sydney in Australien der Weltjugendtag statt. War die SJM dort auch vertreten? Was sagen Sie zur Idee des Weltjugendtags?

P. Bentlage: In Köln war es uns möglich mit einer größeren Anzahl von Priestern und Scholastikern anwesend zu sein. Dieses Jahr planten wir zwei Priester nach Sydney zu schicken, welche die Jugendlichen aus der Katholischen Pfadfinderschaft Europas betreuen sollten. Allerdings konnten wir dieses Vorhaben durch den Tod von P. Hönisch und das damit notwendig gewordenen Generalkapitel nicht umsetzen.

Die Jugend bedarf und verdient unsere ganze Aufmerksamkeit. Unsere Kongregation hatte sich 1988 gerade deshalb gegründet, weil es uns vor allem um die geistliche Begleitung der Jugendlichen und dabei besonders der Pfadfinderbewegung ging. In unserer säkularisierten Welt tut es der gläubigen Jugend gut, ihren Glauben gemeinsam auch nach außen hin zeigen zu können.

Viele Jugendlichen sind in ihren Pfarreien auf sich selber gestellt, da bedarf es auch immer wieder einer Stärkung im Glauben, die auf den Weltjugendtagen sowohl für den Glauben als auch für das Gemüt des Einzelnen möglich sind. Sie sind aber auch ein Zeugnis für die weltumfassende Kirche. Zudem ist es immer ergreifend, wie sich die Jugend um unseren Heiligen Vater sammelt und dies trotz oder auch gerade wegen seines Alters.

KATH.NET: Ein heißes Eisen bei Freunden der SJM war in den letzten Jahren die ablehnende Stellungnahme von P. Andreas Hönisch zur Charismatische Erneuerung (CE) und auch zum Wallfahrtsort Medjugorje. In Medjugorje ging vor wenigen Tagen ein großes katholisches Jugendtreffen mit 40.000 bis 50.000 Jugendlichen zu Ende, Kardinal Vinko Puljic hat am 1. Juli bestätigt, dass der Vatikan derzeit eine Kommission bildet, die die Vorgänge dort untersuchen werden. Wie stehen Sie zu den zahlreichen neuen Bewegungen in der katholischen Kirche, die zumeist ein Naheverhältnis zur CE haben? Was ist Ihre Meinung zu Medjugorje?

P. Bentlage: Wir selbst sind eine junge Gemeinschaft und haben keine Berührungsängste mit den sogenannten „Charismatischen Gemeinschaften“. Und wie allen jungen Gemeinschaften geht es uns darum, den Menschen den Glauben zu bringen und dort wo er erstarrt ist ihn wieder mit Leben zu erfüllen, damit der Glaube stark genug sei, um Frieden und Vertrauen in Gott zu finden. Der Weg den uns P. Hönisch aufzeigte, ist der Weg den die Kirche über Jahrhunderte gegangen ist und so die Menschen zu Gott führte.

Dieser Weg ist vielleicht unpopulär, weil er versucht ohne Sensationen und Außerordentlichkeiten auszukommen. P. Hönisch nannte ihn immer den normalen Weg einer normalen katholischen Familie. Die Kritik von P. Hönisch richtete sich nicht gegen Gemeinschaften, sondern gegen gewisse Elemente, die vereinzelt zu finden sind. So lehnte er es zum Beispiel ab, einen Glauben zu verkündigen, der vor allem auf gefühlsbetonte geistliche Erfahrung erpicht ist, da dieser in Gefahr steht, bei Bedrängnis nicht standzuhalten, oder wenn die Geisttaufe als eine Qualität verstanden wird, die nicht schon durch die Taufe oder die Firmung hätte vermittelt werden können.

Der von P. Hönisch bevorzugte Weg der Kirche ist der Weg der Pflichterfüllung im Kleinen, die man auch Treue nennen könnte, die aber letztendlich Liebe ist. Und nach dem heiligen Paulus ist es ja die Liebe, die alleine zählt.

KATH.NET: Was sind Ihre Pläne für die Kongregation für die Zukunft?

P. Bentlage: Zunächst sei gesagt, dass es bei der Führung einer Gemeinschaft nicht in erster Linie um Management geht. Der heilige Ignatius war überzeugt, dass eine kirchliche Gemeinschaft zuerst ein Werk Gottes ist. Daher wird es vor allem darum gehen, im Gebet und in der Stille den Willen Gottes zu ergründen, um diesen dann auch mit seiner Gnade in die Tat umzusetzen.

Wenn Sie aber wissen wollen, um was es mir zunächst geht, so meine ich erkannt zu haben, dass wir als wachsende Gemeinschaft zwar auf der einen Seite unsere Wurzeln stärken müssen, wir aber gleichzeitig alle verfügbare Kraft für die geistliche Begleitung, Führung und Erziehung der Jugend verwenden müssen.

KATH.NET: Herzlichen Dank P. Bentlage für das Interview.

Foto: © SJM

   

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