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27. Februar 2009, 10:41
Williamson bereut, aber wird nicht konkret














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  THEMA 'Traditionalisten'

Ob Williamsons Schritt nun genügt, um die Krise vollständig zu entschärfen, kann noch nicht gesagt werden - Von Paul Badde / Die Welt

Vatikan (kath.net/DieWelt)
„Hab Mitleid, Herr, mit deinem Volk“, sang die Schola auf Lateinisch, als Papst Benedikt XVI. am Aschermittwoch das Aschenkreuz auf die Stirn gezeichnet wurde „Zum Schimpf sind wir geworden / in den Augen der Nachbarn" hieß es weiter, „zu Spott und Hohn bei allen, die rings um uns wohnen. Wie lange noch, Herr? Willst du auf ewig zürnen? Mit deinem Erbarmen komm uns eilends entgegen! / Denn wir sind sehr erniedrigt.“

Es war der Beginn der 40tägigen Fastenzeit, die für den Vatikan mit diesen Psalmen in der römischen Basilika Santa Sabina auf dem Aventinhügel begann.

Da musste der Papst die Nachricht schon gekannt haben, dass Bischof Williamson, dessen Leugnung des Holocausts die bisher schwerste Krise seiner Amtszeit ausgelöst hatte, sich in aller Form bei ihm und bei allen „Überlebenden und Verwandten der Opfer der Ungerechtigkeit unter dem Dritten Reich“ für seine skandalösen Äußerungen entschuldigte.

Alle, die sich aufgrund seiner Worte „aufrichtig entrüstet haben“, bat der störrische Bischof „vor Gott um Vergebung.“ Einen Tag später verbreitete die Nachrichtenagentur ZENIT die Erklärung im englischen Original als Veröffentlichung der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei (Kirche Gottes).

Dieser Kommission war in den letzten Wochen auch angelastet worden, die Aufhebung der Exkommunikation Williamsons nach der Ausstrahlung seines bösen Interviews nicht verhindert zu haben.





In den Faschingstagen war der 68jährige Williamson nach langem Schweigen fast täglich in den Nachrichten bei seinen Versuchen zu sehen gewesen, wie er unerkannt Reportern zu entkommen versuchte, die auf den Flughäfen von Buenos Aires und London seine Ausweisung aus Argentinien und die Ankunft in England filmen und ihn im Laufschritt erneut interviewen wollten.

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Letzte unbestätigte Meldungen hatten davon gesprochen, Williamson wolle sich in England, wo die Leugnung des Holocausts nicht als Delikt gilt, mit dem verurteilten Holocaust-Leugner David Irving treffen. Umso überraschender kam nun der Widerruf über die Kanäle von Ecclesia Dei.

Das ist im Vatikan jene Kommission unter dem Vorsitz des kolumbianischen Kardinals Hoyos, die in den letzten Jahrzehnten maßgeblich für die Verhandlungen mit der Pius-Bruderschaft zuständig war, die sich seit Jahrzehnten ins Abseits manövrierte, nachdem Bischof Lefebvre gegen den ausdrücklichen Willen Paps t Johannes Paul II. im Jahr 1988 vier Bischöfe widerrechtlich – doch gültig! – geweiht hatte. Durch diese Weihe hatten sie sich die Exkommunikation automatisch zugezogen. Der inzwischen schwer kranke Bischof Williamson war einer dieser vier Bischöfe.

Die Aufhebung ihrer Exkommunikation – das heißt: die Zulassung zu den kirchlichen Sakramenten etwa der Beichte und der Krankensalbung vor dem Tod - hatte nun Benedikt XVI. auf wiederholten Wunsch der Bischöfe angeordnet, um die hier beginnende Kirchenspaltung nicht noch tiefer „in den Leib der Kirche“ hinein schneiden zu lassen. Ein solcher Schnitt wäre unausweichlich geworden, hätten die vier Bischöfe ihrerseits wieder neue Bischöfe zwar widerrechtlich, doch gültig geweiht.

Diesen Prozess wollte der Papst mit seinem riskanten Schritt unterbrechen. Denn die Abspaltung der Anglikaner von der katholischen Kirche hat sich im 16. Jahrhundert auf genau diese Weise vollzogen. Mit der Aufhebung der Exkommunikation wurden die vier Bischöfe – die nach kirchlichem Verständnis ohnehin weiter Glieder der Kirche waren - deshalb zu einfachen Gläubigen degradiert, von denen sich verlangen ließ, die Spaltung nicht zu vertiefen.

Ob Williamsons Schritt nun genügt, um die Krise vollständig zu entschärfen, kann noch nicht gesagt werden. Nachdem das Verlangen nach einem Widerruf in den letzten Wochen in Rom schon mehrfach mit dem oft verurteilten Verlangen der kirchlichen Autoritäten nach einem Widerruf Galileo Galileis verglichen worden war (der damit ja auch nicht von seiner Überzeugung Abschied nahm, dass die Sonne die Mitte des Weltalls sei), tauchen in ersten Reaktionen unter verschiedenen Stimmen schon Zweifel auf, ob Williamson denn nun auch wirklich vom Gegenteil seiner früheren haarsträubenden Behauptungen überzeugt sei, nach denen es keine Gaskammern gegeben habe und auch keineswegs 6 Millionen Juden dem Vernichtungswahn der Nazis zum Opfer gefallen seien.

Denn auf seine Behauptungen ging Williamson diesmal nicht einzeln ein. Er bedauere nur, die „Meinung eines Nicht-Historikers“ geäußert zu haben, heißt es jetzt in seiner Erklärung, „die sich vor 20 Jahren auf Grundlage der damals verfügbaren Beweise herausgebildet hat und seither selten in der Öffentlichkeit geäußert worden ist“.

Die Ereignisse der letzten Wochen habe ihn danach aber von seiner „Verantwortung für die verursachten großen Schwierigkeiten überzeugt“. Um Vergebung bitte er aber auch deshalb, weil wahr sei, was „der Heilige Vater gesagt hat: Jeder Akt ungerechter Gewalt gegen auch nur einen Menschen verletzt die gesamte Menschheit.“ Damit hatte Benedikt XVI. mehrmals jenes Wort aus dem jü dischen Talmud variiert, wo es heißt: „Wer ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt.“

Die Erklärung von Williamson im Wortlaut




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