30 März 2013, 11:00
Was wären wir ohne Auferstehung?
 
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ER hat „für immer die Tür zu einer neuen Dimension des Lebens und des menschlichen Daseins geöffnet, die seitdem keiner mehr schließen kann.“ Von Paul Badde/ Die Welt.

Rom (www.kath.net/ Die Welt)
Die Auferstehung von den Toten ist das Allerunglaublichste. Sie sprengt den Rahmen aller Wunder. In allen Berichten der Auferstehung Christi sprechen die ersten Zeugen von etwas, was bis dahin in unserer Erfahrungswelt nicht vorkommt. Sie reden von etwas Neuem, Einmaligem, zu deren Beschreibung ihnen eigentlich die Worte fehlen. Ähnlich geht es uns bis heute. Es war ganz und gar Jesus, der ihnen damals begegnete. Dennoch gehörte er offensichtlich einer anderen Welt und Wirklichkeit an, in der Weite des lebendigen Gottes: dem Reich des Todes für immer entzogen.

Ohne die Auferstehung Christi hätte deshalb auch keiner jemals im Ernst glauben können, dass Gott in Jesus von Nazareth, dem „König der Juden“, sein wahres Gesicht gezeigt hat. Keiner könnte sich auch sonst darauf verlassen, dass Gott gut und auch über den Tod hinaus treu ist. Was wir ohne Auferstehung wären, hat Paulus deshalb schon vor 2000 Jahren bündig beantwortet. „Wenn Christus nicht auferweckt worden ist“, sagte er in seinem ersten Brief an die Korinther, „so ist unsere Predigt leer, leer auch euer Glaube.“

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Kurzum, dann wäre der Glaube der Christen ein Dreck. Denn Jesu Auferstehung war ja nicht das merkwürdige Mirakel einer wieder belebten Leiche. In einem Felsengrab vor der Stadtmauer Jerusalems hat er stattdessen für immer die Tür zu einer neuen Dimension des Lebens und des menschlichen Daseins geöffnet, die seitdem keiner mehr schließen kann.

Diese Überwindung des Todes war ein irreversibles und universales Ereignis. Er war tot und lebte nun, haben seine Jünger damals erfahren. Er hat zu ihnen gesprochen und ließ sich berühren, auch wenn er nicht mehr der Welt der Berührbarkeit angehörte. Es war eine Auferstehung nicht am Ende aller Tage, wie sie damals auch in Teilen des Judentums erwartet wurde, sondern mitten aus der alten Welt heraus in eine neue Welt hinein. Das ist der Glaube der Christenheit.

Ohne Auferstehung wären wir daher nicht tot. Doch uns blieben dann, jedem einzeln, jeweils nur noch ein paar Jahre Zukunft. Danach wäre es aus mit jedem von uns, in einem milliardenfachen kleinen Weltuntergang. „Was verlangst Du von der Kirche Gottes?“ hieß es deshalb auch lange im römisch-katholischen Taufritus, worauf der Täufling antwortete: „Den Glauben.“ Danach lautete die zweite Frage: „Was gewährt dir der Glaube?“ – und die Antwort: „Das ewige Leben.“ Zu diesem ewigen Leben hat Jesus von Nazareth die Tür geöffnet. Das allgemeine christliche Glaubensbekenntnis gipfelt deshalb seit dem Jahr 381 in der Aussage: „Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.“ Denn für Christen geht es nach dem Tod weiter mit unserer personalen Existenz. Sie überleben die Verwesung und Verbrennung der verfallenen Natur.

Das mögen viele Berliner Intellektuelle heute für einen Traum halten, ähnlich wie die Illusion des Kommunismus, der viele von ihnen so lange angehangen haben. Und glauben wir den Statistiken, hat der Glaube an die Wiedergeburt oder an das Nichts nach dem Tod den Glauben an die Auferstehung von den Toten ja sowieso in weiten Teilen Deutschlands schon längst leise abgelöst. Dennoch hat die Erwartung auf Auferstehung und ewiges Leben das schöne Europa in vielen Jahrhunderten wie kein anderes Bekenntnis geprägt. Er war allerdings immer ein Geschenk und keine Handelsware – und eine kulturelle Triebfeder ersten Ranges.

Denn dieser Glaube sieht ja nicht nur das Gute und die Liebe ewig fortleben, sondern er erkennt auch eine allerletzte Instanz hinter dem Tod. Diese Sicht auf die Welt verwandelt die irdische Existenz in letzter Konsequenz in eine Antwort auf die Herausforderung einer endzeitlichen Bewährung. Alle Heiligen der Christenheit setzten deshalb auch immer wieder neu und vertrauensvoll auf eine letzte Gerechtigkeit im Gerichtshof des Himmlischen Jerusalem, der jedes menschliche Gericht weit überragt. Es ist eine Hoffnung, die jede Säkularisierung und sogar jeden Abfall vom Glauben spektakulär überlebt hat.

Denn ohne zumindest einen letzten Verdacht dieser allerletzten und wirklich gerechten Instanz hätte Europa doch niemals solche Ersatzkonstrukte wie den kategorischen Imperativ erdacht, noch wäre hier jemals die todesverachtende Gelassenheit Joseph Wirmers vor dem Volksgerichtshof denkbar gewesen, der dem Blutrichter Roland Freisler 1944 – nachdem der ihn angebrüllt hatte, „Sie werden heute noch zur Hölle fahren!“ – ruhig erwiderte: „Herr Präsident, es wird mir ein Vergnügen sein, Sie dort zu erwarten.“

Der Tod bleibt grausam und furchtbar. Seit der Auferstehung Christi von den Toten ist er aber nicht mehr das letzte Furchtbare. Mit der Aussicht auf die Auferstehung ist es furchtbarer, ein falsches Leben hinter sich lassen zu müssen.

Der ganzen Erde wurde deshalb mit dem Glauben an die Auferstehung eine unstillbare Sehnsucht eingeschrieben, als Ferment der prophetischen Unruhe auf Gottes Gerechtigkeit hin. Nur so können wir verstehen, dass Europa Jahrhunderte lang einem endzeitlich Himmlischen Jerusalem entgegen drängte, in ständigen Grenzüberschreitungen.

Es war eine christliche Triebfeder, die zahllose natürlichen Fesseln immer wieder hat sprengen lassen. Es ist der gleiche Impetus, an den zum Staunen der Welt Kardinal Bergoglio vor dem Konklave die Kardinäle erinnerte, als er mahnte, dass die Kirche in exstatischen Schritten immer wieder über sich selbst hinaus wachsen müsse, um an die Enden der Erde zu gehen. Das Wort ist historisch undenkbar ohne den Glauben an die Auferstehung.

„Unruhig ist mein Herz, bis es ruht in dir, o Herr“, schrieb Augustinus um das Jahr 400 in seinen Bekenntnissen, „denn auf Dich hin hast du uns geschaffen! Du hast mich berührt und ich brenne vor Sehnsucht nach Deinem Frieden.“ Diese Confessiones sind allen ehemals christlich geprägten Nationen seitdem gleichsam ins Gewebe genäht. In säkularisierter Form hat die Auferstehung von den Toten deshalb als die rätselhaft tickende Unruh in der Uhr der westlichen Welt überlebt. In der Christenheit aber steht sie weiter für die Sehnsucht und den Trost, dass wir in allerletzter Instanz nicht an einen anonymen Richter geraten werden, sondern an den, in dem Gott sein Gesicht gezeigt hat: das Antlitz des Königs der Barmherzigkeit.






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