25 Juli 2013, 09:30
Kälte und Verkehrschaos
 
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Kälte und Verkehrschaos
Etwas von Kreuzweg für die Weltjugendtags-Pilger. Von Thomas Milz (KNA)

Rio de Janeiro (kath.net/KNA) Als ob die ungewöhnliche Kälte und der ständige Regen nicht reichten! Die zum Weltjugendtag nach Rio de Janeiro gereisten Pilger litten am Dienstag und Mittwoch unter den Problemen des öffentlichen Verkehrssystems und Mängeln in der Organisation. Dabei stehen ihnen die wirklichen Härtetests ja noch bevor: die Großveranstaltungen mit Papst Franziskus an der Copacabana und im entlegenen Guaratiba.

«Rios Transport hat den Test nicht bestanden» titelte Rios größte Tageszeitung «O Globo» (Mittwoch). Die Presse lässt sich die Chance nicht entgehen, die Stadtverwaltung an den Pranger zu stellen. Zwei Stunden lang legte eine Elektro-Panne am Dienstag sämtliche Metros lahm; Fahrgäste mussten zu Fuß durch dunkle Schächte laufen. Eine Schwangere musste von der Feuerwehr aus einem liegengebliebenen Waggon geborgen werden. Bilder von vor geschlossenen Stationen wartenden Pilgern im Regen bestimmten das Stadtbild.

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Auch bei der Ankunft des Papstes am Montagnachmittag war es zu kritischen Momenten gekommen, als der Konvoi mitten in einen Stau im Stadtzentrum geleitet wurde. Begeisterte Pilger belagerten das schutzlose Papstgefährt. Die Personenschützer verloren für einige Momente die Kontrolle über die Lage.

Die Probleme bei der Anreise der Pilger per U-Bahn am Dienstagnachmittag führten dazu, dass sich die Copacabana erst während der abendlichen Eröffnungsmesse zu füllen begann. An dem weltberühmten Strand trotzten die Menschen dem Dauerregen und dem eisigen Wind. Gleichzeitig mit Franziskus war am Montagnachmittag eine Kaltfront in Rio angekommen, die zuvor schon dem Süden Brasiliens historische Minusgrade zugefügt hatte. In vielen Regionen schneite es erstmals seit Jahrzehnten. Die Partystimmung ist ein wenig verhagelt.

Umso mehr bemüht sich das Organisationskomitee um gute Stimmung. Eine Million Pilger seien zur Eröffnungsmesse erschienen, ließ man in der Nacht vermelden - dabei sprach die Stadtverwaltung von lediglich 400.000. Etwa 100.000 bis 200.000 Pilger dürften am Mittwoch in den Wallfahrtsort Aparecida gekommen sein, wo der Papst am Morgen eine Messe zelebrierte. Auch dort Regen und tiefe Temperaturen.

Um eines der 12.000 Tickets für die Messe zu ergattern, hatten viele Menschen die Nacht in Zelten verbracht. Rund ein Dutzend Personen mussten wegen Unterkühlung ärztlich betreut werden. Zudem kam es am frühen Morgen unter den Wartenden zu kleinen Tumulten. Als Franziskus nach der Messe im offenen Papamobil durch die Straßen fuhr, setzte heftiger Regen ein. Deutlich weniger Menschen als erwartet trotzten dem schneidigen Wind, der durch die in den Bergen gelegene Stadt pfiff.

Probleme gab es auch, als am Dienstag ankommende Pilger ihren Pilgerrucksack an den offiziellen Ausgabestellen abholen wollten. Es gab Wartezeiten von bis zu fünf Stunden. Wer sich nicht angemeldet hatte, musste zusätzlich noch stundenlang bei der Registrierung anstehen. Auch die An- und Abfahrt zu den Katechese-Veranstaltungen erweist sich als mühsam.

Dabei kommen die wahren Härtetests für die Infrastruktur der Stadt und die Nerven der Pilger erst noch. Für Donnerstagabend (Ortszeit) steht an der Copacabana die Begrüßungsveranstaltung des Papstes für die WJT-Teilnehmer an. Am Freitag zelebriert der Papst am gleichen Ort den Kreuzweg. Zu beiden Veranstaltungen werden 1,5 bis 2 Millionen Teilnehmer erwartet. Kritisch dürften die Nachtwache am Samstag und die Abschlussmesse am Sonntag werden. Beide finden 50 Kilometer außerhalb, in Guaratiba, statt.

Um auf das gigantische Feld zu gelangen, sind die Pilger auf öffentliche Busse angewiesen. Die letzten 13 Kilometer müssen sie zu Fuß zurücklegen. Sollte der Regen bis zum Wochenende anhalten, dürfte sich das Feld in eine Schlammwüste verwandeln. Vorsorglich ließen die Organisatoren schon am Dienstag 50 LKW-Ladungen Schotter anliefern. Die Region war ursprünglich ein Sumpfgebiet, das von zahlreichen Bäche durchzogen wird. Die Pilger, die dort von Samstag auf Sonntag übernachten wollen, müssten sich auf «Nässe» vorbereiten, so die Veranstalter.

Kritisch dürfte auch die An- und Abreise der erwarteten zwei Millionen Teilnehmer der Abschlussmesse werden. Bis zu zehn Stunden könnte die Rückkehr in die Stadt dauern, warnte Bürgermeister Eduardo Paes bereits vor Tagen. Damit nach dem Ende der Messe nicht alle gleichzeitig zu den Ausgängen drängen, sollen Musikbands die Pilger noch ein wenig aufhalten. Der Plan wird aber wohl nur dann aufgehen, wenn das Wetter mitspielt. Der WJT könnte für die Pilger dank Pannen und Wetter zu einem «wahren Kreuzweg» werden, unkt die Tageszeitung «O Globo».

Rollandrio: Catch my fourth day! Eindrücke eines WJT-Pilgers rund um die Eröffnungsmesse




Derzeitiger Anblick des ´Campus Fidei´ - Hier werden sich die WJT-Pilger zur Vigil und zur Abschlussmesse mit dem Papst treffen und im Schlafsack unter freiem Himmel übernachten





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