30 Juli 2013, 10:30
Ökumenisches Netzwerk: Ehe und Familie werden zu Verlierern
 
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Offener Brief an Angela Merkel: Mehr Einsatz für die schweigende Mehrheit

Saulheim (kath.net/idea) Mehr politischen Einsatz für Ehe und Familie wünscht sich ein ökumenisches Netzwerk von Verantwortlichen in Ehe-Initiativen Geistlicher Gemeinschaften. Sie wenden sich in einem Offenen Brief an die CDU-Vorsitzende, Bundeskanzlerin Angela Merkel, und Familienministerin Kristina Schröder (CDU). Man beobachte mit großer Sorge die aktuelle Diskussion über die gesellschaftliche Bedeutung der Ehe, heißt es. Dies werde verstärkt durch die umstrittene Orientierungshilfe des Rates der EKD. Das am 19. Juni unter der Überschrift „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit – Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ veröffentlichte Papier rückt von der traditionellen Ehe als alleiniger Norm ab. Es vertritt ein erweitertes Familienbild, das etwa auch gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften einschließt. Es ist nicht nur bei Katholiken und theologisch konservativen Protestanten auf heftige Kritik gestoßen.

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„Krasse Bevorzugung“ von Minderheiten

Das Ökumenische Netzwerk begrüßt nach eigenen Worten alle Schritte zur Unterstützung der Familien, etwa durch das Betreuungsgeld und die Anerkennung von Erziehungszeiten. „Wir stellen aber fest, dass in der politischen Diskussion, in der finanziellen Förderung, in der Forschung fast ausschließlich Lebensformen von Minderheiten gegen über der Mehrheit der Ehepaare beachtet werden“, heißt es weiter. In der jüngsten Umsetzung verfassungsrechtlicher Urteile zur Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften müsse sogar von „krasser Bevorzugung“ gesprochen werden. Die Umsetzung entsprechender Urteile zugunsten von Familien aus den Jahren 1998 und 2001 stehen noch aus. Dazu zählen Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts zum steuerlichen Existenzminimum von Familien mit Kindern und zur Berücksichtigung von Kindererziehungszeiten in der Sozialversicherung.

Ehe ist die beliebteste Lebensform – Ehen halten länger

Das Ökumenische Netzwerk verweist auf Statistiken, wonach die meisten Menschen sich als Mann und Frau ein Leben lang in Treue binden und diese Beziehung gestalten wollen. Die überwiegende Mehrheit der Ehepaare in Deutschland lebe in immer länger anhaltenden Ehen. So verlängerte sich die durchschnittliche Ehedauer nach Angaben des Familienreports 2012 des Bundesfamilienministeriums von 12,9 Jahren im Jahr 2001 auf 14,5 Jahre im Jahr 2011. 71 Prozent aller Familienformen in Deutschland sind Ehen von Mann und Frau. In den alten Bundesländern sind fast 75 Prozent aller Familien mit minderjährigen Kindern Ehepaare; in den neuen Bundesländern sind es annähernd 54 Prozent. „Liebevolle Partnerschaft von Mann und Frau stellt als biologisch wie biblisch begründete Lebensform die optimalen Bedingungen für Kinder bereit“, heißt es weiter in dem Offenen Brief. Probleme von Ehe und Familie stellten die einzigartige Stellung dieser Lebensform nicht in Frage. Es gelte, mehr Hilfen bereitzustellen, um die Beziehungs- und Erziehungskompetenz der Ehepaare zu stärken. Sie seien „für unsere Zukunft nachhaltigster und unverzichtbarer Garant“. Zu den Unterzeichnern des Offenen Briefes zählen Vertreter der Fokolar-Beweung, der Schönstattfamilien, der Beratungsorganisation „Team F, der Offensive Junger Christen und der Family Life Mission.

Blüm: Wirtschaft beherrscht Familie – das geht nicht gut

Gefahr für die Familie sieht auch der frühere Bundessozialminister Norbert Blüm (CDU). In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung warnte er vor einer völligen Unterordnung der Familie unter Wirtschaftsinteressen und vor einer „Totalisierung der Erwerbsarbeit“. Dies bestrafe Frauen, die auf eine Erwerbsbeteiligung zugunsten der Familienarbeit verzichten. „Arbeit ist nur Arbeit, wenn sie Erwerbsarbeit ist – so borniert ist man nie zuvor gewesen“, schreibt Blüm. Die mütterliche Zuwendung, die jedem Kind zustehe, könne weder der Vater noch der Staat ersetzen. Unterstützung erhält Blüm unter anderem vom Vorsitzenden der CDU Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, und der Vorsitzenden der CSU-Gruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt.

CDU und CSU loben Krippenausbau und Betreuungsgeld

Am 1. August tritt der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für jedes Kind ab einem Jahr in Kraft; dies ist verbunden mit einem massiven Ausbau der Bereuungsplätze. Laut Bundesfamilienministerin Schröder stehen im KiTa-Jahr 2013/2014 rund 810.000 Plätze zur Verfügung. Jährlich werde man weiterhin 845 Millionen Euro in die Verbesserung der Betreuung investieren. Gleichzeitig erhalten Eltern, die ihr ein- bis dreijähriges Kind zu Hause erziehen, Anspruch auf Betreuungsgeld. Dies seien Verbesserungen für alle Eltern, lobte Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer (CSU).

taz-Journalistin kritisiert Krippenbetreuung

Kritisch zur Krippenerziehung äußerte sich die Journalistin Jana Petersen in der linksalternativen Tageszeitung „taz“ (Berlin). Die 35-jährige Mutter eines Säuglings beklagt zum einen die qualitativ unzureichende Betreuung in Kinderkrippen und zum anderen eine zu frühzeitige Trennung des Kleinkindes von der Mutter. Laut Studien könnten mehr als 20 Stunden KiTa in der Woche Kleinkindern schaden. Das von Bundesministerin Schröder formulierte Ziel einer „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ bewege sich an der „Grenze zum Zynismus“. Petersen: „Denn in der Realität bedeutet Wahlfreiheit nicht etwa, dass Familien mit ihren Kleinkindern so leben können, wie sie es für richtig halten. Es bedeutet: Die Ober- und vielleicht noch ein Teil der Mittelschicht kann es sich leisten, länger zu Hause zu bleiben – oder, wenn beide Eltern arbeiten wollen, sich eine qualitativ hochwertige Betreuung einzukaufen“. Die Armen müssten wählen zwischen einer schlechten Krippenbetreuung und Hartz IV. Petersen: „Schlechter kann ich mir Familienpolitik kaum vorstellen.“







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