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20 Dezember 2013, 09:00
Hilfe! Ich werde vom BDKJ diskriminiert!

KATHOLISCH - NA UND?! RUDOLFS SPEAKER’S CORNER: „Liebe_r/s BD?J, irgendwo habe ich gelesen, dass das ‚K‘ in eurem Namen für ‚katholisch‘ steht. Vielleicht könnt ihr mir helfen. Denn ich werde diskriminiert! Von euch.“ - Kommentar von Rudolf Gehrig
Köln (kath.net) Liebe_r/s BD?J,
ich wende mich an euch, da ich in einer großen Notlage stecke. Hilfe, ich werde diskriminiert!

Ihr müsst wissen: Ich wohne in Köln, habe aber fränkischen Migrationshintergrund. Ich bin männlich, also Angehöriger jenes Geschlechts, von dem behauptet wird, es wäre machtbesessen, egoistisch und frauenfeindlich. Ich bin zwanzig Jahre alt, gehöre also zu jener Minderheit, die die Last der umgekehrten Alterspyramide tragen muss. Außerdem bin ich heterosexuell, das heißt: Ich fühle mich ausschließlich von Frauen erotisch angezogen, was man heute auch nicht mehr normal findet. Und: Ich bin katholisch.

Irgendwo habe ich gelesen, dass das „K“ in eurem Namen für „katholisch“ steht. Vielleicht könnt ihr mir helfen. Denn ich werde diskriminiert!
Von euch.

Kürzlich hat der Vatikan eine Umfrage zum Thema Ehe und Familie herausgegeben. Dankenswerterweise habt ihr ihn für uns ganz eifrig in „jugendgerechte“ Sprache übersetzt und dabei nur die Fragen übernommen, die euch wichtig erschienen. Herzlichen Dank dafür! Schließlich sind wir, die aufgeklärte Jugend, ja zu blöd, die Originalfassung zu verstehen.

Etwa zehntausend Jugendliche haben mitgemacht. Ich auch. Dann habt ihr endlich das Ergebnis bekanntgegeben. Euer Fazit: 90 Prozent der Jugendlichen scheren sich nicht um die Morallehre der Kirche. Ich, der sich bemüht, nach den Maßstäben der Kirche zu leben, gehöre also zu den restlichen zehn Prozent. Zur Minderheit. Eure Überschrift dagegen sagt: „Kirchliche Sexuallehre spielt bei Jugend keine Rolle“. Ich, Angehöriger der jugendlichen, kirchentreuen Minderheit, werde also verschwiegen. Ich werde diskriminiert.

Euer Verband ist mittlerweile bekannt dafür, „Kirchenreformen“ zu fordern. Ihr beschreibt euch als „politisch aktiv“ und wenn man eure Website besucht, merkt man gleich, dass das Adjektiv „kritisch“ wohl zum BD?J-Wort des Jahrhunderts gewählt wurde – basisdemokratisch, versteht sich. „Jugend sieht Regierungsvorhaben kritisch“, „Kritische Fragen sind gut!“ oder „Zwei Wochen radeln für kritischen Konsum“, um nur einige Beispiele zu nennen. Ihr dürft unkritische Phrasendreschereien als kritische Kritik verkaufen, lustvoll am „Reformstau“ leiden und „die Amtskirche“ wiederholt „zum Dialog aufrufen“, und das alles nur, weil Mama und Papa euch mit ihrer Kirchensteuer finanzieren. Ihr nennt euch ja „katholisch“, warum also nicht, schließlich glauben wir, dass das, was draufsteht auch drin ist. Zumindest dachten wir das. Solange, bis man Pferdefleisch in unserer Lasagne entdeckte. Vielleicht sollten wir wirklich auf „kritischen Konsum“ achten.

Wisst ihr, ich bin kein Albert Einstein, aber ich bin auch kein Naivling. Ich weiß, dass Enthaltsamkeit vor der Ehe und Offenheit für das menschliche Leben bei meinen Altersgenossen sowas von out ist. Trotzdem kenne ich viele, die dem lauten Ruf nach „sexueller Selbstbestimmung“ nicht folgen. Warum? Weil sie das eben „kritisch“ sehen.

Es gibt tatsächlich ein paar Leute, denen die katholische Lehre Halt gibt. Versteht ihr, wir sind eine Minderheit! Wir lieben das Leben und wir lieben die Kirche. Wirklich, wir lieben sie. Sie ist – steht in der Bibel – die „Braut Christi“. Und wenn Gott der Bräutigam ist, wir aber seine Kinder, dann ist die Kirche unsere Mutter. Auch wir waren einmal in der Pubertät und haben die Ratschläge unserer Mutter hinterfragt. Einige mussten sich erst die Finger verbrennen, bis sie glaubten, dass die Herdplatte heiß ist. Ihr dagegen erklärt uns Geschwistern, dass Mutter uns nur den „Spaß“ verderben will. Vielleicht, weil ihr nicht abwarten könnt, bis Mutter euch gezeigt hat, wie man die Herdplatte richtig benutzt. Stattdessen sprecht ihr von „Reformen“ und legt dafür eure Hand ins Feuer. Autsch.

Wisst ihr, meine Freunde und ich sind keine prüden Spießer, die Sexualität verteufeln. Im Gegenteil! Die Sexualität ist für uns mehr als ein zu befriedigender Trieb, sie ist etwas so Heiliges, dass sie in einen feierlichen Rahmen gehört. Oder trinkt ihr etwa – nur um des Besäufnisses willen – Wein aus dem Tetrapack?

Ehrlich gesagt fühlen wir uns von euch ziemlich verarscht und im Stich gelassen. Wir kennen das Gefühl, wenn die Hormone Pogo tanzen und „die Eier kochen“, aber wir versuchen, unseren Trieb unter Kontrolle zu haben. Denn wir wollen wirklich selbstbestimmt sein und uns gut vorbereiten, um einmal eine stabile Partnerschaft zu gründen, die in der Ehe mündet und offen für Kinder ist. Täglich ringen wir mit uns selbst, damit, lüsterne Gedankenspiele mit der Frau aus der Bikiniwerbung nicht zuzulassen, bestimmte Internetseiten zu meiden oder dem hübschen Mädchen aus dem Zugabteil beim Bücken nicht in den Ausschnitt zu sehen. Ich kenne Jugendliche, die gehen freiwillig nicht zur Kommunion, wenn sie sich selbstbefriedigt haben, weil sie sich schlecht fühlen, den zukünftigen Ehepartner betrogen zu haben. Dafür freuen sie sich nach der Beichte umso mehr auf die Heilige Eucharistie. Wer legitimiert euch also dazu, einfach zu behaupten, wir würden uns von der Kirche diskriminiert fühlen?

Wenn ich eure Präsentation der Umfrageergebnisse betrachte, spüre ich auf einmal eine tiefe Seelenverwandtschaft mit dem diskriminierten Karl, dem Käfer: „Rudolf, der Katholik, wurde zwar gefragt, doch dann hat man ihn davongejagt.“

Naja, ist nicht so schlimm, ich habe ja Verständnis für euch. Wenn ihr dauernd ruft, die „Amtskirche“ solle euch endlich „zuhören“, habt ihr leider keine Zeit, einem kleinen Mann wie mir (172 cm) zuzuhören. Sonst würdet ihr feststellen, dass ich nichts anderes will als GANZ NORMAL KATHOLISCH zu sein. Die Kirche hat nicht nur in puncto Sexualität einen Erfahrungsschatz von über 2.000 Jahren aufzuweisen.

Dass ihr unseren Papst – aus Rücksicht auf euch vermeide ich das Wort „Heiliger Vater“ – für die AIDS-Epidemie in Afrika verantwortlich macht, ist lächerlich. Ihr sagt doch selbst, eigentlich keiner auf den Papst hört. Findet ihr es nicht ein bisschen unfair, ihn zum Sündenbock für alles zu machen, obwohl er als Verwalter des Erbes Christi nur das vertritt, was ihm „von ganz oben“, nämlich von Gott, aufgetragen wurde? Ist etwa der Tankwart schuld an den hohen Spritpreisen?

Wenn ich eure Verlautbarungen, Newsletter und Mitteilungen „kritisch konsumiere“, schwillt meine Halsschlagader regelmäßig auf die Größe einer russischen Gaspipeline an. Die Inkohärenz eurer Inhalte mit dem Lehramt der Kirche und die gleichzeitige Suggestion, die Anliegen aller katholischen Jugendlichen wiederzugeben, rufen bei mir Befremden bis tiefe Besorgnis hervor. Anders ausgedrückt, in „jugendgerechter“ Sprache: BD?J, du gehst mir manchmal tierisch auf den Sack.
Ich habe überlegt, formal aus der Kirche auszutreten, um euch, die ihr mich diskriminiert, mal nicht mit meinen Steuern finanzieren zu müssen. Aber so wichtig seid ihr auch wieder nicht, dass ich deswegen meine Mutter verlasse. Ihr seid trotzdem meine Geschwister, auch wenn eine in sich zerstrittene Familie nach außen ein schlechtes Zeugnis gibt. Doch Geduld und Gebet haben schon viel bewegt.

Nichts für ungut, euren Reform-Eifer in Ehren, aber populistische Stimmenhascherei mit Mainstream-Parolen finde ich einfach scheiße. Wer ständig mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Ich jedenfalls will da nicht mitmachen. Hört auf, mich zu diskriminieren. Lasst mich doch einfach normal katholisch sein.

Mit geschwisterlichen Segenswünschen,
euer Glaubensbruder

Rudolf Gehrig

Der Verfasser ist 20 Jahre. Seine Kolumne KATHOLISCH - NA UND?! RUDOLFS SPEAKERS'CORNER erscheint in unregelmäßigen Abständen auf kath.net. Außerdem ist er Mitverfasser des 'YOUCAT Update! Beichten!' (Siehe unten)

Rudolf Gehrig: Glaubenszeugnis bei ´Abenteuer Glaube´ von ´Deutschland pro Papa´ am 13.10.12 in Köln




kath.net-Buchtipp:
YOUCAT Update! Beichten!
Von Dr. Klaus Dick, Rudolf Gehrig, Bernhard Meuser
27 Seiten; ab 12 Jahre
Sankt Ulrich Verlag 2013
ISBN 978-3-86744-173-5
Preis: 5.20 EUR

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