28 Mai 2014, 10:00
Brückenbauer zwischen Israel und Palästina
 
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Franziskus bringt den Friedensprozess auf ein unerwartetes Gleis. Gemeinsames Treffen von Franziskus, Palästinenserpräsident Abbas und Israels Staatspräsiden Peres am 6. Juni. Von Burkhard Jürgens (KNA)

Bonn (kath.net/KNA) «Tacheles reden» heißt es mit dem hebräischen Lehnwort: schnörkellos zur Sache kommen. So hat Papst Franziskus von den Spitzen der verfeindeten Völker von Palästinensern und Israelis mehr «Mut zum Frieden» verlangt. Gerade die Verantwortlichen der Völker stünden in der «Pflicht, sich zu Werkzeugen und Erbauern des Friedens zu machen, vor allem im Gebet», sagte Franziskus schon am Sonntag bei der Begrüßung durch Staatspräsident Schimon Peres in Israel.

Vor seiner Abreise in Bethlehem und nach seiner Ankunft in Tel Aviv lud er binnen weniger Stunden das jeweilige Staatsoberhaupt bescheiden und bestimmt zu diesem Zweck in den Vatikan ein. «Ich biete mein Haus im Vatikan für dieses Gebetstreffen an», erklärte er im Beisein von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas vor der Geburtskirche: an dem Ort, an dem den Christen der Friedensfürst geboren wurde. Abbas und Peres sagten zu. Laut Abbas' Büro soll das Treffen bereits am 6. Juni stattfinden.

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Ein palästinensischer Muslim und ein israelischer Jude sollen unter dem Dach eines Christen schaffen, was am Verhandlungstisch seit Jahren nicht gelingt. Franziskus hat auf seinem Besuch in Bethlehem - im «Staat Palästina», wie er betont - und Jerusalem punktuell angedeutet, was ihm dabei wichtig scheint: mehr «Mut zum Frieden» zu haben und die «Leiden des anderen» zu verstehen.

Ein gemeinsames Gebet von Muslimen, Juden und Christen ist aus katholisch-dogmatischer Sicht schwierig, weil jeder auf eine andere, nichtsdestoweniger letztverbindliche Wahrheit verpflichtet ist. Johannes Paul II. (1978-2005) bezog deshalb auch Kritik aus eigenen Reihen für sein Weltgebetstreffen 1986 in Assisi. Unter anderem Kardinal Joseph Ratzinger hatte damals Vorbehalte. Er behielt sie auch als Papst Benedikt XVI. (2005-2013).

Franziskus, der Jesuit, zeigt sich pragmatisch: «Frieden zu schaffen ist schwierig, aber ohne Frieden zu leben ist eine Qual.» Vor dem Großmufti in Jerusalem, an der drittheiligsten Stätte des Islam, verwies er auf Abraham als gemeinsamen Stammvater. Juden, Christen und Muslime verstünden diese Rolle wohl «auf unterschiedliche Weise»; aber als Basis für das Gebet um Frieden muss es aus Sicht des Papstes wohl reichen.

Peres und Abbas kommen nicht als Fremde in den Vatikan. Palästinenserführer Abbas besuchte Franziskus bereits Mitte Oktober. Beide bekräftigten anschließend, dass es eine Wiederaufnahme der israelisch-palästinensischen Verhandlungen und eine «gerechte und dauerhafte Lösung» geben müsse und könne. Abbas und Franziskus waren sich einig, dass «mutige Entscheidungen für den Frieden» notwendig seien. Damals war noch die Rede von Hilfe der internationalen Gemeinschaft, nicht von Gott.

Der israelische Präsident reiste noch ein halbes Jahr früher zum Papst: am 30. April 2013, sechs Wochen nach dessen Wahl. Auch da die gleiche Diktion: der Ruf nach neuen Verhandlungen und «mutigen Entscheidungen». Der Friedensnobelpreisträger Peres hatte Franziskus bei dem Treffen zu einem Gegenbesuch eingeladen. «Ich warte auf Sie in Jerusalem. Und nicht nur ich allein, sondern das ganze israelische Volk.»

Bis die Reise Realität wurde, hielt Franziskus offenbar einen Draht nach Jerusalem. Zum 90. Geburtstag des Staatsoberhaupts im August gratulierte er mit einem Bibelvers, der Zusage Gottes im Psalm 91: «Ich sättige ihn mit langem Leben und lasse ihn schauen mein Heil.»

Es trifft vielleicht der Kern seiner eigenen Diplomatie, dass Franziskus beim Empfang am Sonntag durch Peres und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Sonntag sagte, für den Frieden gelte es «jeden Tag mit kleinen Gesten» zu arbeiten. Netanjahu empfand die Worte und die Initiative des Papstes womöglich etwas unbequem. Der Likud-Politiker steht Aussöhnungsangeboten an Abbas kritisch gegenüber, seit die Palästinenserführung wieder die Nähe zur militanten Hamas sucht.

Peres und Franziskus umarmten sich am Ende der formellen Begrüßung; Netanjahu und der Papst reichten sich die Hand. Beim Abschied am Montag, auf den letzten Metern zum Flugzeug, sagte Netanjahu zu Franziskus: «Wir beten für Sie, beten Sie für uns.»

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