03 November 2016, 18:00
'Lange geht das nicht mehr gut'
 
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„Wenn Köln nur der Anfang war, dürfen wir uns auf weitere schlechte Nachrichten gefasst machen.“ Leseprobe 4 aus der Neuerscheinung des Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft: Rainer Wendt, Deutschland in Gefahr

Berlin (kath.net) … Glücklicherweise war es Bassam Tibi, 72 Jahre alt, emeritierter Professor der Universität Göttingen. Vermutlich kein Rechtsextremist. Oder vielleicht doch. Für Ralf Stegner sicher. Für den Sympathieträger aus Deutschlands Norden ist erst einmal jeder verdächtig. Außer er selbst natürlich.

Aber viel klüger ist Bassam Tibi, der weiter meinte, viele Deutsche schienen die Gewalt, die in der Tradition einer orientalisch-patriarchalischen Kultur gegen Frauen stünde, nicht zu verstehen. Im Orient gelte die Frau als Gegenstand der Ehre eines Mannes. Die Schändung einer Frau werde nicht nur als Sexhandlung und Verbrechen an der Frau selbst betrachtet, sondern eher als Akt der Demütigung des Mannes, dem sie gehöre.

Köln sei nur der Anfang gewesen. Der Werbung entnähmen diese jungen Männer eine Ankündigung des Wohlstands. Durch eine Notunterbringung in Schul- und Sporthallen fühlten sie sich jedoch betrogen, ja diskriminiert. Die enttäuschten und wütenden arabischen Männer hätten sich in Köln und Hamburg an den deutschen Männern gerächt, vertreten durch deren Frauen.

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Soweit, so schlecht. Wenn Köln nur der Anfang war, dürfen wir uns auf weitere schlechte Nachrichten gefasst machen. Und selbst wenn manche Berichterstattung aus deutschen Schwimmbädern immer noch als bedauerliche Einzelfälle fehlgeleiteter und verwirrter junger Männer daherkommt, die der Versuchung leicht bekleideter Frauen einfach nicht widerstehen konnten, stehen die Menetekel einer unheilvollen Entwicklung längst an der Wand und man muss schon abgebrüht oder völlig abgedreht sein, wenn man das nicht sieht.

Was die Lage in Schwimmbädern und öffentlichen Saunen angeht, sehen wir im Wesentlichen zwei Szenarien entgegen. Eines wird sein, dass sich viele Menschen von dort fernhalten und nach Alternativen suchen werden. Dann sind die Schwimmbadbetreiber schon bald ziemlich allein und das »spannende soziale Experiment« wird nichts.

Die andere Alternative ist, dass die Menschen ihren Schutz selbst in die Hand nehmen. Das wurde in öffentlichen Freibädern im vergangenen Jahr schon sichtbar. So läuft das eben, wenn der Staat nicht da ist.

Natürlich sind da Aufsichtspersonen, die im Bedarfsfall die Polizei rufen. Und dann werden Personalien festgestellt und ein Vorgang geschaffen. Aber bevor der ausgedruckt ist, ist der Täter schon wieder auf dem Weg ins Schwimmbad. Mit Freikarte selbstverständlich. Die ist wohl Teil des sozialen Experiments.

Im Alltag wappnen sich die Bürgerinnen und Bürger bereits, wenn auch noch im bescheidenen Maße. Im Jahr 2014 waren es nur im Freistaat Bayern noch 2 379 sogenannte Kleine Waffenscheine, im letzten Jahr schon 5 748 Menschen, die sich mit Schreckschusspistolen legal ausstatten und diese auch im öffentlichen Raum führen wollen. Bundesweit werden es vermutlich bald Hunderttausende sein. Und die Leute, die dies beantragen und sich entsprechend ausrüsten, sind nur die rechtstreuen Bürgerinnen und Bürger, diejenigen also, die noch einen Antrag bei einer Behörde stellen und sich offenbaren. Die illegale Bewaffnung kann man nur erahnen. Wird auch ein »spannendes soziales Experiment«.

Nach und nach, wenn es sich gar nicht mehr bestreiten lässt, wird auch die Gewalt gegen Frauen und Christen innerhalb der Flüchtlingsunterkünfte zur Kenntnis genommen. Frauenverbände, Hilfsorganisationen und andere Mahner wurden bislang mit bekannten Sprachmustern abgefertigt (»kein klares Lagebild«, »zu früh, um Aussagen zu treffen« usw.). Und schon einen Tag nach der alarmierenden Meldung aus den Unterkünften in Hessen warnten alle Fraktionen des Landtages: »Einzelfälle, nicht dramatisieren, Gewalt gegen Frauen gibt es auch in Ehen und Partnerschaften, nicht überbewerten.« Das alte Muster: Stellt euch nicht so an!

Und das Sozialdezernat der Stadt Frankfurt lässt wissen, dass man an Standards für den Schutz vor Gewalt in Flüchtlingseinrichtungen arbeitet. Diese Richtlinien sollen vor allem Kindern und Frauen zugutekommen, aber auch dabei helfen, religiös motivierter Gewalt entgegenzutreten. Das wird ja spannend, wenn die Opfer demnächst mit den Richtlinien in der Hand den Tätern entgegentreten. Es muss qualifiziertes Personal in diese Unterkünfte, professionelle Sicherheitsunternehmen, Betreuer und Aufsichtspersonal, Psychologen und Opferbetreuer – der Staat muss sich kümmern, ist aber irgendwie wieder mal weg.

Die Menschen werden es sich nicht gefallen lassen, im Stich gelassen zu werden und sich selbst wehren. Niemand kann das wollen, aber es wird so kommen. Die Anzeichen reichen noch nicht, um ein Umdenken einzuleiten. Wie so oft müssen erst innere Unruhen, Straßenschlachten, brennende Autos und Barrikaden, verletzte Polizeikräfte und geplünderte Ladenzeilen die Abendnachrichten füllen, bis der erste Workshop zur Lagebewältigung entsteht.

Das aufgeregte Geschrei mancher politischer Verantwortungsträger kann ich jetzt schon hören. Und die Rufe nach der Polizei, nach harten Urteilen, nach dem Durchgreifen eines starken Staates. Zwei Tage später dann wieder die Ermahnungen in Sachen Generalverdacht und dann die alte Leier von der Willkommenskultur und den gelungenen Integrationen und dann wieder rasch zur Tagesordnung.

Lange geht das nicht mehr gut. Natürlich kann man die Kommentarfunktionen der sozialen Netzwerke und Onlinezeitungen ignorieren und sagen, das sind nur ein paar Spinner, die sich da gegenseitig hochschaukeln. Aber das ist ein Fehler. Spätestens an den Wahlurnen können die Menschen wahr machen, was sie in den Netzwerken ankündigen. Nämlich populistische oder gar extremistische Parteien wählen. Klar, die sogenannten etablierten Parteien können dann noch ein paar Tricks anwenden, um deren Vertreter von parlamentarischen Ämtern fernzuhalten (was ich für undemokratisch und billig halte), aber der Zorn der Menschen wird dadurch eher größer.

kath.net-Buchtipp
Deutschland in Gefahr
Wie ein schwacher Staat unsere Sicherheit aufs Spiel setzt
Von Rainer Wendt
Hardcover, 200 Seiten
2016 Riva
ISBN 978-3-86883-476-5
Preis 20.60 EUR

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