06 November 2016, 08:10
Papst geißelt fundamentalen Terrorismus der Weltwirtschaft
 
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Franziskus äußerte sich bei Audienz für Teilnehmer des 3. Welttreffens der Volksbewegungen.

Vatikanstadt (kath.net/ KAP)
Papst Franziskus hat erneut einen Primat von Wirtschaftsinteressen als Ursache der globalen Armut gegeißelt. Die weltweite Kontrolle des Geldes bilde einem "terroristisches" System, sagte er bei einem Treffen mit Volksbewegungen am Samstag im Vatikan. Das Geld herrsche "mit der Peitsche der Angst, der Ungleichheit, der ökonomischen, sozialen, kulturellen und militärischen Gewalt". Von diesem "Grund-Terrorismus" nährten sich auch der Terrorismus der Drogenkriminalität, Staatsterrorismus und "jener, den einige irrigerweise als ethnischen oder religiösen Terrorismus bezeichnen".

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Vertreter der vor allem in Südamerika beheimateten, aber auch in Afrika und Asien verbreiteten Volksbewegungen hatten seit Dienstag an einer Konferenz zum Recht auf Arbeit, Wohnung und Land teilgenommen. Das Welttreffen in Rom war das dritte dieser Art seit 2014. Daran beteiligten sich Delegationen aus rund 60 Ländern. Koordinator ist der argentinische peronistische katholische Rechtsanwalt Juan Grabois, der als enger Vertrauter des Papstes gilt. Er war von Franziskus zum Konsultor im Päpstlichen Rat "Iustitia et Pax" ernannt worden.

Franziskus betonte, die katholische Soziallehre und auch Lehräußerungen seiner Amtsvorgänger rebellierten "gegen den Götzen Geld, der herrscht, statt zu dienen, und die Menschheit tyrannisiert und terrorisiert". Die Angst schwäche, destabilisiere und betäube gegenüber den Leiden anderer. "Barmherzigkeit ist das beste Gegenmittel gegen die Angst", sagte Franziskus. Man müsse "den Terror mit der Liebe angehen".

Die Zukunft der Menschheit liege nicht nur in den Händen der politischen Führer, der Mächtigen und der Eliten, sondern "vor allem in den Händen der Völker", in ihrer Fähigkeit, sich zu organisieren und einen Wandel "mit Demut und Überzeugung" voranzubringen, sagte der Papst. Dazu könne und müsse auch die Kirche ihren Beitrag leisten, "ohne zu behaupten, ein Monopol auf die Wahrheit zu haben".

Flüchtlinge, Demokratie

Ausführlich ging der Papst auch auf Einzelthemen ein, zunächst auf die Frage nach Migranten und Flüchtlingen. Eine Schande sei, wie die Welt mit diesen Menschen umgehe, wiederholte der Papst seine Worte von seinem Lampedusa-Besuch. Er wies weiter darauf hin, dass sich die Demokratie weltweit in einer Krise befinde, hier gelte es gegenzusteuern.

Dagegen müsse man das gute Beispiel setzen, das "mehr Kraft hat als tausend Worte, als tausend Flugschriften, tausend 'Likes', tausend 'Retweets' und tausend Videos auf Youtube". Das Handeln der Vertreter der Sozialbewegungen, die das Gemeinwohl wollten, könne mit der Hilfe Gottes die "falschen Propheten, welche die Angst und die Verzweiflung ausnutzen, überwinden".

"Angst wird zu blinder Grausamkeit"

Der Papst warf westlichen Staaten eine Mitschuld an den Fluchtursachen vor. Unzählige Menschen seien durch Kriege vertrieben worden, "die nicht jene geschaffen haben, die heute die schmerzliche Entwurzelung aus ihrer Heimat erleiden, sondern vielmehr viele von denen, die sich weigern, sie aufzunehmen".

Wer in die Augen eines Kindes in einem Flüchtlingscamp schaue, erkenne auf Anhieb den "Bankrott der Menschheit", sagte Franziskus mit Verweis auf seinen Besuch auf der Insel Lesbos im April.

"Was geschieht in der heutigen Welt, dass bei einer Bankenpleite unversehens skandalöse Summen zur Rettung auftauchen, und wenn dieser Bankrott der Menschheit geschieht, gibt es praktisch nicht einmal ein Tausendstel, um diese Brüder zu retten, sie so viel leiden?", fragte der Papst.

Das Mittelmeer sei zu einem "Friedhof" geworden. Ebenso gebe es "viele Friedhöfe nahe Mauern, Mauern befleckt vom Blut Unschuldiger", so Franziskus weiter. Für die Ablehnung von Migranten machte er Angst verantwortlich. "Angst verhärtet das Herz und wird zu blinder Grausamkeit, die sich weigert, das Blut, den Schmerz, das Gesicht des anderen zu sehen." Das Flüchtlingsproblem sei nicht ein Problem einzelner Regionen, sondern "ein Problem der Welt".

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