07 Dezember 2016, 10:45
Christliche-muslimische Plakataktion in Tübingen stößt auf Kritik
 
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Vorwurf einer ehemaligen SPD-Landtagsabgeordneten: Während in der Türkei Pressefreiheit eingeschränkt wird, lässt sich der BDKJ von der DITIB instrumentalisieren - BDKJ-Aufruf zu Fotoaktion brachte nur fünf Fotos

Tübingen (kath.net/idea) Für Kritik hat eine Plakataktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Rottenburg-Stuttgart und des württembergischen Landesjugendverbandes der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) gesorgt. Vom 25. November bis 5. Dezember waren in Tübingen an 20 Orten Plakate mit Aussagen wie „Alle Christen glauben an Allah“ und „Alle Muslime glauben an Jesus“ zu sehen. Damit wollten die Verbände nach eigenen Angaben die Gemeinsamkeiten von Islam und Christentum ins Bewusstsein rufen. Die Plakatmotive sollten die Vorstellung der Verbände eines harmonischen Miteinanders wiedergeben und „insbesondere dem Trend entgegenwirken, beide Religionen als Gegensätze zu definieren“. Die Initiatoren riefen dazu auf, sich vor den Plakaten zu fotografieren und das Bild bei den sozialen Medien Facebook und Instagram zu teilen. Insgesamt wurden nur fünf solcher Fotos gepostet, teilte der Bund der Deutschen Katholischen Jugend Rottenburg-Stuttgart der Evangelischen Nachrichtenagentur idea mit. Die Plakate seien der Abschluss eines Austausches zwischen katholischen und muslimischen Jugendlichen gewesen. „Die plakativ formulierten Thesen stellen dabei keineswegs eine fertige theologisch und politisch zu Ende gedachte Antwort dar, sondern sollten als Einstieg in den Dialog dienen.“

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BDKJ: Die Aktion sollte keineswegs verletzen

Der BDKJ-Diözesanleiter Benjamin Wahl (Rottenburg bei Stuttgart) sagte, dass man sich zwar auf Kritik eingestellt habe, „aber was uns betroffen gemacht hat, sind die Kommentare, die darauf abheben, man wolle Einzelnen ihren christlichen Glauben absprechen. Die Aktion sollte Denkanstöße bieten, aber keineswegs verletzen.“ Aufgrund vieler polemischer Rückmeldungen habe man die Kommentarfunktion abgeschaltet: „Wir möchten weiterhin in einem guten interreligiösen Dialog sein können. Dazu braucht es aber sicher andere Formate“, erklärte Wahl.

Ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete: DITIB-Zusammenarbeit verbietet sich

Kritik an der Aktion übte unter anderem die ehemalige Tübinger Landtagsabgeordnete Rita Haller-Haid (SPD). Sie bezeichnete DITIB als „verlängerten Arm der türkischen Religionsbehörde“, der die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vertrete. „Für mehr Toleranz gegenüber Muslimen zu werben, mag ja ein berechtigtes Anliegen sein. Doch in einer Situation, in der in der Türkei die Pressefreiheit massiv eingeschränkt, Redaktionen, Radio- und Fernsehsender geschlossen werden, sich DITIB aber nicht davon distanziert, verbietet sich eine Zusammenarbeit mit einem solchen Islamverband“, sagte sie idea. Sie befürchte, dass die katholische Jugend sich von DITIB habe instrumentalisieren lassen.

Zustimmung fand die Aktion hingegen beim baden-württembergischen Sozialminister Manfred Lucha (Bündnis 90/Die Grünen). Die Jugendstiftung des Landes unterstützte die Plakate finanziell. Man wollte mit „der tollen Aktion“ das „Verbindende dokumentieren“ und zeigen, „dass wir an dasselbe glauben: an den guten, gütigen Gott“.







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