10 Dezember 2016, 12:10
‚Bist du es?’
 
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: Falsche Propheten und Diktaturen bringen nur Leere und Zerstörung. Der Mensch ist kein Produkt des Zufalls, sondern von der Liebe Gottes gewollt. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Während des Pontifikats Benedikts XVI. war es Tradition, dass der Papst am dritten Adventssonntag, dem Gaudete- Sonntag, eine Pfarrei seines Bistums besuchte. Am 12. Dezember 2010 war es die Pfarrei St. Maximilan Kolbe im römischen Stadtviertel Prato Fiorito, die den Bischof von Rom willkommenheißen durfte.

In seiner Predigt beschäftigte sich der Papst wie immer zuerst mit der Situation der Pfarrei. An die Pfarreimitglieder gewandt erklärte Benedikt XVI., dass in den vergangenen Jahren viele Menschen aus anderen Regionen Italiens gekommen seien, um Arbeit zu finden. Heute seien es die Immigranten aus Osteuropa und anderen Ländern:

„Bemüht euch gerade von dieser konkreten Situation der Pfarrei ausgehend, immer mehr in der Gemeinschaft mit allen zu wachsen: es ist wichtig, Gelegenheiten des Dialogs zu schaffen und das gegenseitige Verständnis von Menschen zu fördern, die aus unterschiedlichen Kulturen, Lebensmodellen und sozialen Situationen kommen. Aber vor allem ist es notwendig, sich darum zu bemühen, sie in das christliche Leben einzubinden durch eine Pastoral, die aufmerksam auf die realen Bedürfnisse jedes einzelnen achtet. Wie in jeder Pfarrei muss man auch hier von den ‚Nächsten’ ausgehen, um dann die ‚Fernsten’ zu erreichen, um das Evangelium präsent werden zu lassen in allen Lebens- und Arbeitsbereichen“.

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Dann ging Benedikt XVI. auf das Tagesevangelium ein (Mt 11,2-11): „Bist du es?“:

„Es sind viele Propheten, Ideologen und Diktatoren gekommen, die gesagt haben: »Er ist es nicht! Er hat die Welt nicht verändert! Wir sind es!« Und sie haben ihre Reiche, ihre Diktaturen, ihren Totalitarismus geschaffen, der die Welt verändern sollte. Und er hat sie verändert, aber auf zerstörerische Weise. Heute wissen wir, daß von diesen großen Versprechen nur große Leere und große Zerstörung übriggeblieben ist. Sie waren es nicht“.

„Es ist nicht die gewaltsame Revolution der Welt ist, es sind nicht die großen Versprechungen sind, die die Welt verwandeln, sondern es ist das stille Licht der Wahrheit, der Güte Gottes, das Zeichen seiner Gegenwart ist und uns die Sicherheit schenkt, dass wir bis ins Letzte geliebt sind und nicht vergessen werden, dass wir kein Produkt des Zufalls, sondern von der Liebe gewollt sind“.


kath.net veröffentlicht die Predigt von Papst Benedikt XVI. bei der heiligen Messe am dritten Adventssonntag „Gaudete“ in der Pfarrei St. Maximilan Kolbe, 12. Dezember 2010:

Liebe Brüder und Schwestern der Pfarrei »Hl. Maximilian Kolbe«!

(...)

Über die Einladung zur Freude hinaus fordert uns die heutige Liturgie – mit den Worten des hl. Jakobus, die wir eben gehört haben – auch auf, in der Erwartung des Herrn, der kommt, geduldig auszuharren und dies gemeinsam zu tun, als Gemeinschaft, und dabei Klagen und Verurteilungen zu vermeiden (vgl. Jak 5,7–10). Im Evangelium haben wir die Frage des Täufers gehört, der sich im Gefängnis befindet; des Täufers, der das Kommen des Richters verkündet hatte, das die Welt verändern würde, und jetzt spürt er, daß die Welt dieselbe bleibt. Er läßt also Jesus die Frage stellen: »Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten? Bist du es, oder müssen wir auf einen anderen warten? « In den vergangenen zwei-, dreihundert Jahren haben viele gefragt: »Bist du es wirklich? Oder muß die Welt auf radikalere Weise verändert werden? Tust du das nicht?«.

Und es sind viele Propheten, Ideologen und Diktatoren gekommen, die gesagt haben: »Er ist es nicht! Er hat die Welt nicht verändert! Wir sind es! « Und sie haben ihre Reiche, ihre Diktaturen, ihren Totalitarismus geschaffen, der die Welt verändern sollte. Und er hat sie verändert, aber auf zerstörerische Weise. Heute wissen wir, daß von diesen großen Versprechen nur große Leere und große Zerstörung übriggeblieben ist. Sie waren es nicht. Und so müssen wir von neuem auf Christus blicken und Christus fragen: »Bist du es? « Der Herr antwortet auf seine stille, ihm eigene Weise: »Seht, was ich getan habe. Ich habe keine blutige Revolution heraufgeführt, ich habe die Welt nicht mit Gewalt verändert, aber ich habe viele Lichter entzündet, die inzwischen in den Jahrtausenden eine große Straße aus Licht bilden. « Beginnen wir hier in unserer Pfarrei: der hl. Maximilian Kolbe, der sich anbietet, den Hungertod zu sterben, um einen Familienvater zu retten.

Was für ein großes Licht ist er geworden! Wie viel Licht ist von dieser Gestalt ausgegangen und hat andere ermutigt, sich hinzugeben, den Leidenden, den Unterdrückten nahe zu sein! Denken wir daran, welch ein Vater Damian de Veuster für die Leprakranken war, der mit den Leprakranken und für sie gelebt hat und gestorben ist, und so Licht in diese Gemeinschaft gebracht hat. Denken wir an Mutter Teresa, die so vielen Menschen Licht geschenkt hat, die nach einem Leben ohne Licht mit einem Lächeln gestorben sind, weil sie vom Licht der Liebe Gottes berührt worden waren.

Und so könnten wir fortfahren, und wir würden sehen, daß es – so wie es der Herr in der Antwort an Johannes gesagt hat – nicht die gewaltsame Revolution der Welt ist, daß es nicht die großen Versprechungen sind, die die Welt verwandeln, sondern es ist das stille Licht der Wahrheit, der Güte Gottes, das Zeichen seiner Gegenwart ist und uns die Sicherheit schenkt, daß wir bis ins Letzte geliebt sind und nicht vergessen werden, daß wir kein Produkt des Zufalls, sondern von der Liebe gewollt sind.

So können wir leben, können wir die Nähe Gottes spüren. »Gott ist nahe«, sagt die heutige erste Lesung, er ist nahe, aber wir sind oft weit weg. Nähern wir uns, betreten wir die Gegenwart seines Lichtes, beten wir zum Herrn und im Kontakt des Gebets werden wir selbst Licht für die anderen. Und das ist gerade auch die Bedeutung der Pfarrkirche: hier eintreten, ins Gespräch eintreten, im Kontakt mit Jesus, mit dem Sohn Gottes, so daß wir selbst eines dieser kleinen Lichter werden, die er entzündet hat, und daß wir Licht in die Welt tragen, die so spürt, daß sie erlöst wird. Unser Geist muß sich dieser Einladung öffnen, und so werden wir freudig auf Weihnachten zugehen, indem wir die Jungfrau Maria nachahmen, die im Gebet mit innigem und freudigem Bangen die Geburt des Erlösers erwartet hat. Amen!








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