15 Dezember 2016, 14:00
Die Größe des Johannes
 
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Franziskus in Santa Marta: die Wahrheit sagen und die Menschen annehmen in dem, was sie sind und geben können. Den Rest macht der Herr. Die wahre Größe des Großen. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Johannes der Täufer – er stand im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Papst Franziskus in seiner Predigt bei der heiligen Messe in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ am Donnerstag der 3. Woche im Advent. Die Liturgie dieser Tage lasse über den Dienst des Täufers nachdenken: ein Mann, der in der Wüste lebe, verkündige und taufe.

Alle seien hingegangen, um ihn zu besuchen, auch die Pharisäer und Gesetzeslehrer, diese jedoch mit Abstand: sie hätten ihn beurteilt und sich nicht taufen lassen. Jesus frage im heutigen Evangelium (Lk 7,24-30) die Menschenmenge: „Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt? Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die vornehm gekleidet sind und üppig leben, findet man in den Palästen der Könige. Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Propheten? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten … Ich sage euch: Unter allen Menschen gibt es keinen größeren als Johannes “ (V. 24-26.28).

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Johannes sei der letzte der Propheten, denn nach ihm komme der Messias. Johannes sei groß gewesen, denn: „er war demgegenüber treu, was der Herr von ihm forderte“. Diese Größe sei in seiner Verkündigung erkennbar gewesen:

„Er predigte stark, er sagte den Pharisäern, den Gesetzeslehrern, den Priestern Hässliches. Er sagt nicht: ‚Ach ihr Lieben, benehmt euch gut!’. Nein, Er sagte ihnen einfach: ‚Schlangen, Vipern’, ganz einfach. Er war nicht zimperlich. Er riskierte sein Leben, ja, aber er war treu. Dann sagte er dem Herodes ins Gesicht: ‚Ehebrecher, ein solches Leben ist nicht erlaubt, Ehebrecher!’. Ins Gesicht sagte er es ihm! Nun, eines ist sicher – wenn heute ein Pfarrer in seiner Sonntagspredigt sagen würde: ‚Unter euch sind einige, die wie Vipern sind, und viele Ehebrecher’, mit Sicherheit würde der Bischof entrüstete Briefe bekommen: ‚Schickt diesen Pfarrer weg, der uns beleidigt’. Und dieser beleidigte. Warum? Weil er seiner Berufung und der Wahrheit treu war“.

Der Papst merkte an, dass er jedoch den Menschen gegenüber verständnisvoll gewesen sei. Zu den Zöllnern, den öffentlichen Sündern, die das Volk ausgebeutet hätten, habe er gesagt: „Fordert nicht mehr als das, was recht ist“. Er „hat mit wenig begonnen. Dann werden wir sehen. Und er taufte sie. Der erste Schritt. Dann sehen wir weiter“. Von den Soldaten und den Polizisten habe er gefordert, niemanden zu bedrohen oder anzuzeigen und sich mit ihrem Lohn zu begnügen. Dies bedeute, nicht in die Welt der Bestechungen einzutreten: „Wenn dich ein Polizist anhält, den Alkoholtest macht, ist da etwas mehr: ‚Hei, nein, aber... Wie viel? Jetzt komm schon!’ Nein, das nicht“.

Johannes habe all diese Sünder getauft, dies allerdings mit diesem kleinsten Schritt, da er gewusst habe, dass der Herr mit diesem kleinen Schritt den Rest wirke. Und sie seien umgekehrt. Johannes „ist ein Hirt, der die Situation der Leute verstand und ihnen half, mit dem Herrn voranzugehen“. So sei er der einzige unter den Propheten gewesen, dem die Gnade zuteil geworden sei, zu auf Jesus hinzuweisen.

Obwohl Johannes groß, stark und sich seiner Berufung gewiss gewesen sei, habe auch er finstere Momente und Zweifel gehabt. Im Gefängnis beginne er trotz der Taufe Jesu zu zweifeln, „da er ein Heiland war, wie er ihn sich nicht vorgestellt hatte“. So sende er zwei seiner Jünger aus, um fragen zu lassen, ob er der Messias sei. Jesus berichtige dann die Sicht des Johannes mit einer eindeutigen Antwort. Die Großen, so Franziskus, könnten es sich erlauben zu zweifeln, da sie groß seien:

„Die Großen können sich den Zweifel erlauben, und das ist schön. Sie sind sich ihrer Berufung sicher, doch jedes Mal, wenn der Herr sie einen neuen Abschnitt des Weges sehen lässt, geraten sie in Zweifel. ‚Aber, das ist nicht orthodox, das ist häretisch, das ist nicht der Messias, den ich erwartete’. Der Teufel tut diese Arbeit, und mancher Freund hilft ihm auch, nicht wahr? Das ist die Größe des Johannes, ein Großer, der Letzte jener Schar von Gläubigen, die ihren Anfang mit Abraham genommen hat, jener, der die Umkehr predigt, jener, der klare Worte benutzt, um die Hochmütigen zu verurteilen, jener, der es sich am Ende des Lebens erlaubt zu zweifeln. Und das ist ein schönes Programm für ein christliches Leben“.

Abschließend fasste der Papst die Kernpunkte seiner Predigt zusammen: die Dinge mit Wahrheit sagen und von den Menschen das empfangen, was sie geben könnten, einen ersten Schritt:

„Wir wollen Johannes um die Gnade des apostolischen Mutes bitten, die Dinge immer mit Wahrheit zu sagen, um die Gnade der pastoralen Liebe, die Menschen mit dem Wenigen zu empfangen, das sie haben, der erste Schritt. Gott wird das Weitere tun. Viele Male, vielleicht am Ende des Lebens, kann man sich fragen: ‚Nun, ist alles, woran ich geglaubt haben, wahr oder sind das Phantasien?’, die Versuchung gegen den Glauben, gegen den Herrn. Der große Johannes, der der Kleinste im Himmelreich ist – deshalb ist er groß – helfe uns auf diesem Weg in den Spuren des Herrn“.

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