15 März 2017, 06:00
Jugendbischof: Neugier auf Glauben wächst langsam wieder
 
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Weihbischof Turnovszky sieht "große Bandbreite" von Angeboten in Österreichs Jugendpastoral und besondere Neuaufbrüche bei den Orden und geistlichen Bewegungen - Kirche soll Jugendliche bei der Glaubensvermittlung stärken

Wien (kath.net/KAP) Eine "langsam wachsende, interessierte Neugier" für Glaube und Kirche beobachtet Österreichs Jugendbischof Stephan Turnovszky in der jungen Generation. In westlichen Ländern seien viele junge Menschen beim christlichen Glauben "sehr unbedarft", würden ihn daher aber auch nicht ablehnen. "So etwas apart Wirkendes wie etwa der Glaube an Jesus" sei bei vielen nicht mehr völlig außerhalb ihres Denkhorizonts. Diese paradoxe Situation sei für die Kirche "eine echte Chance", sagte der Wiener Weihbischof im Interview mit "Kathpress".

Für Österreich typisch sei eine "große Breite von jugendpastoralem Engagement". In vielen Pfarren gebe es besondere Aufmerksamkeit für junge Menschen, die "sich in der Firmvorbereitung verdichtet", sagte Turnovszky. Die Katholische Jugend sei fast überall durch Ansprechpartner mit regionalen Angeboten vertreten und greife mit sozialen Schwerpunkten wie etwa mit der Aktion "72 Stunden ohne Kompromiss" die Anliegen vieler junger Menschen auf. Auch die Schul-, Universitäts- und Berufungspastoral richte ihre Angebote an Jugendliche, ebenso der Kirche nahestehende korporierte Verbindungen wie MVK und ÖCV oder die Pfadfinderbewegung.

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Darüber hinaus sind laut dem Bischof auch mehrere Ordensgemeinschaften stark in der Jugendarbeit tätig, wie etwa traditionell die Salesianer Don Boscos oder auch Klöster, die sich mit speziellen Angeboten an diese Zielgruppe wenden. Turnovszky nannte hier die Zistersienser im Stift Heiligenkreuz, die Benediktiner in Kremsmünster sowie die Franziskaner in Telfs und Maria Enzersdorf als Beispiele. Viele junge Bewegungen und neu gegründete Orden hätten es in den letzten Jahrzehnten verstanden, "junge Menschen zu sammeln und zu senden". Landesweit seien daraus unzählige Jugendgebetskreise und sonstige geistliche Jugendinitiativen entstanden.

Balanceakt für die Kirche

Die Kirche wolle mit diesen Angeboten sowohl Individualität als auch Gruppenzugehörigkeit ermöglichen, sagte Turnovszky. "Jugendliche brauchen die Erfahrung der Einzigartigkeit ihrer Person oder ihrer Gruppe, zugleich aber auch die Erfahrung, Teil eines größeren Ganzen zu sein." Jugendliche wollten als Individuen begleitet werden und gleichzeitig "erleben, dass sie ok sind", weshalb sie die Gesellschaft Gleichgesinnter suchten. Genau diesen Erfahrungsraum könne die Kirche anbieten: "Persönliche Begleitung, eingebettet in ein großes Ganzes bis hin zur Weltkirche." Auch die besondere Dynamik der Weltjugendtage könne man so erklären.

Eine Gratwanderung sei für die kirchliche Jugendpastoral die Herausforderung, "nicht zu einseitig zu werden": Zwischen der Individualität und der Zugehörigkeit - "zu Christus, zur Menschheit und zur Kirche" - gelte es die Balance zu wahren. Gehe sie verloren, würden sich die Gruppen in der Regel auflösen oder gegen andere abschotten, was es zu vermeiden gelte. Ebenso schwierig sei mitunter die Aufgabe, einerseits für alle jungen Menschen da zu sein - auch "für die, die den christlichen Glauben nicht kennen, missverstehen oder für irrelevant halten" - und andererseits einen "deutlich christlichen Anspruch hochzuhalten" durch die Begleitung der Glaubenswege der jungen Menschen.

Jugendliche die "wichtigsten Apostel"

Großen Wert lege er auch auf das "Apostolat durch Jugendliche", betonte der Wiener Weihbischof, der gläubige Jugendliche als "die wichtigsten Apostel für die Jugend" bezeichnete und sich für ihre Unterstützung seitens der Kirche aussprach. Schließlich seien getaufte Jugendliche auch dann Teil der Kirche, wenn sie nicht einer "kirchlichen Einrichtung" angehören.

Die Fragen danach, welche Bedeutung und Würde das eigene Leben hat, seien für Heranwachsende das dringendste Thema angesichts der anstehenden Wahl von Beruf, Lebensform und Partner, so der Jugendbischof. Von der vatikanischen Weltbischofssynode 2018 zum Thema Jugend erhoffe er sich deshalb besonders hier Anstöße für vertiefte Auseinandersetzung mit den Themen "Berufung, Christusnachfolge und Jüngerschaft". Zu wünschen seien für das Bischofstreffen weiters "ehrliche und offene Gespräche" im Stil der letzten Synode, die Einbindung junger Menschen und eine "Weitung unserer europäischen Perspektive durch den Blick auf die weltweite Realität".

Herzensanliegen des Papstes

"Sehr gespannt" sei der Jugendbischof auf die Online-Fragebögen, mit denen sich der Vatikan zur Vorbereitung der Synode direkt an die Jugendlichen wenden will. Diese Vorgangsweise wie auch der bereits veröffentlichte Begleitbriefes des Papstes zum Synoden-Vorbereitungsdokument ("Lineamenta") zeige deutlich: "Ich interessiere mich für Dich. Dein Leben und Deine Fragen liegen der Kirche am Herzen, Du hast uns etwas zu sagen, und wir nehmen Dich ernst", so Turnovszkys Kurzzusammenfassung des Papstschreibens.

Durchaus liefere der bereits mit den Lineamenta publizierte Fragebogen wertvolle Anstöße für die jugend- und berufungspastorale Arbeit in Österreich, sagte der Bischof. Absehbar sei, dass die Fragen von den verschiedenen Verantwortlichen der Jugendpastoral sehr unterschiedlich beantwortet würden, was den Blick auf die nötige Vielfalt öffnen werde. Manche der Fragen würden "sanft den Finger in eine Wunde" legen, insgesamt sei die Perspektive aber "ressourcenorientiert" und ermutige zum Wachstum.

Turnovszky erklärte auch die Vorgangsweise mit den Rückmeldungen aus den Fragebögen: Drei Institutionen - die Bischofskonferenz, die Superiorenkonferenz der Orden und die Einrichtungen der katholischen Ostkirchen - werden demnach bis Ende Oktober jeweils eine zwölfseitige Zusammenfassung der Antworten in Rom einreichen.

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