14 März 2017, 11:00
Ökumene der Märtyrer
 
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Bischof Voderholzer: "Tief im Herrn verwurzelt haben Dietrich Bonhoeffer, Alfred Delp und viele andere oft mit gefesselten Händen in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten gemeinsam für Christus Zeugnis gegeben".

Regensburg (kath.net/pbr) kath.net dokumentiert die Predigt des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer beim ökumenischen Versöhnungsgottesdienst am 11. März 2017 in der Dreieinigkeitskirche in Regensburg in voller Länge

Liebe Schwestern und Brüder
im gemeinsamen Glauben an den Herrn Jesus Christus!
Mit dem Gleichnis vom Weinstock und den Reben, das uns als Predigttext vorgelegt ist, führt uns der heilige Johannes im 15. Kapitel seines Evangeliums in den Abendmahlssaal, in die Situation des Abschieds Jesu von seinen Jüngern.
Wenige Stunden später wird er sich aus Liebe zu den Menschen in der Kelter des Kreuzes gleichsam auspressen lassen. Aus seiner geöffneten Seite werden Blut und Wasser fließen, Zeichen der Sakramente von Taufe und Eucharistie, Zeichen der bleibenden Gegenwart seiner Liebe in der Kirche für die Welt. Die mittelalterlichen Bilder zeigen, wie der Engel im Kelch das Blut auffängt, um es für die Kirche zu bewahren und die Kirche zu nähren bis zur Wiederkunft.

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Mich bewegen an Jesu Bildwort vor allem zwei Gesichtspunkte.
Da ist zum ersten diese unerhört tiefe Einheit zwischen Jesus und den Seinen. Jesus sagt ja nicht: „Ihr seid der Weinstock“, sondern: „Ich bin der Weinstock – ihr seid die Reben“ (Joh 15,5). Das heißt: „So wie die Rebzweige mit dem Weinstock verbunden sind, so gehört ihr zu mir! Indem ihr aber zu mir gehört, gehört ihr auch zueinander.“ Dieses Zusammengehören mit ihm und untereinander ist nicht ein bloß gedachtes oder symbolisches Verhältnis, sondern ein unmittelbares und lebensvolles Miteinander. Gemeint „ist die Kirche, diese Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus und füreinander, die durch die Taufe begründet und in der Eucharistie von Mal zu Mal vertieft und verlebendigt wird.“ (P. B. XVI.) „Ich bin der wahre Weinstock“, das heißt doch letztlich: ‚Ich bin ihr und ihr seid ich‘“.
Diese unerhörte Identifikation des Herrn mit den Seinen kommt auch an einer anderen Stelle zum Ausdruck, wenn nämlich - damals vor Damaskus - der auferstandene Herr den Kirchenverfolger Saulus fragt: „Saul, Saul, warum verfolgst Du mich?“ (Apg 9,4). Christenverfolgung ist Christusverfolgung. Christus lebt fort, ist gegenwärtig in dieser Welt durch die Kirche, die sein Leib ist.
Ein Leib, ein Weinstock!
Weil das so ist, liebe Schwestern und Brüder, schmerzt uns die Trennung und ist uns die Suche nach der sichtbaren Einheit auf die Seele gebunden!
Wenige Zeilen später wird der Herr den Vater für uns bitten, dass wir eins seien, wie er mit dem Vater eins ist. „Ut unum sint.“
Ein zweites berührt mich in unserem Predigttext.
Ein Wort, ein Verb, kommt auffällig oft vor. In unserem gekürzten Text allein schon fünf Mal, im gesamten Abschnitt 12 Mal. Es ist das Wort „bleiben“, griechisch „ménein“.
„Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe …“
Die Einheit mit dem Herrn, dem wahren Weinstock, ist ein Geschenk der Gnade Christi, ist seine Gabe; aber sie ist doch auch unsere Aufgabe. Andernfalls würde sich der Imperativ „Bleibt in mir“ erübrigen.
Das „Im-Herrn-Bleiben“, das Immer tiefer sich im Herrn verwurzeln war der Weg der großen Gestalten der katholischen Reform des 16. Jahrhunderts: Ignatius von Loyola, Teresa von Avila, Karl Borromäus und etlicher mehr. Und so bin ich fest davon überzeugt:
Wo wir aufmerksam auf ihn und sein Wort hören,
wo das Wort der Schrift uns mehr und mehr zur Nahrung wird
und wo wir ihm in Treue nachfolgen – in Gottesliebe und Nächstenliebe, in Anbetung und Weltgestaltung,
da wird uns dies auch zum Weg zueinander, zum Weg zur sichtbaren Einheit.
Am Abend des Ostertages bitten die Emmaus-Jünger den sie unerkannt begleitenden Herrn: Bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt!
Tief im Herrn verwurzelt haben Dietrich Bonhoeffer, Alfred Delp und viele andere oft mit gefesselten Händen in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten gemeinsam für Christus Zeugnis gegeben und so die Ökumene des Martyriums begründet. Sie sind uns Vorbild und Ansporn.
Bitten wir – getragen von geistlicher Sehnsucht nach der Einheit – den Herrn: Bleibe bei uns! Und zeige uns, wie wir gemeinsam die Fackel des Glaubens an den dreieinigen Gott, den Gott der Liebe und des Lebens, bezeugen und so reiche Frucht bringen können. Amen.

Lassen wir in ein paar Augenblicken der Stille das Wort Gottes in uns nachklingen, und geben wir dem Herrn Raum in unserem Denken, Sinnen und Trachten.

Wort zur Übergabe des Wolfgangskelches

Im Namen des Bistums Regensburg übergebe ich Ihnen als Zeichen der Verbundenheit und als Ausdruck unserer Sehnsucht nach der Wiedererlangung der sichtbaren Einheit der Kirche diesen Kelch.
Es ist eine Kopie eines wertvollen Stückes aus dem Regensburger Domschatz: Eine Galvanokopie des so genannten „Wolfgangskelches“.
Er wurde Mitte des 13. Jahrhunderts angefertigt, etwa 200 Jahre nach der Heiligsprechung unseres Diözesanpatrons, und stammt somit aus der Zeit der noch ungeteilten abendländischen Christenheit. Er sei uns allen Ermutigung, beherzt auf dem Weg der Ökumene voranzuschreiten.
Möge der Herr unser gemeinsames Gebet erhören und uns dem Ziel der sichtbaren Einheit, der Einheit am Altar, näher bringen.







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