31 März 2017, 12:00
ER allein ist unser ganzes Glück!
 
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Jeder von uns wird einmal, spätestens in seiner Sterbestunde, damit konfrontiert sein, nichts und niemanden mitnehmen zu können - BeneDicta am Freitag mit Linda Noé

Linz (kath.net)
Fasziniert starre ich seit Minuten auf den Bildschirm, wo Florian Silbereisen in seiner Show heute Abend die ganz brandneuen Schlagersternchen, Altstars und dramatische Comebacks inklusive Pyro - Effekten und vom Publikum skandierten Countdowns inszeniert - dreieinhalb Stunden lang, 5,71 Millionen Zuseher. Gar nicht meins, normalerweise. Bitte nicht falsch verstehen, ich habe nichts gegen Schlager, und ich hab auch nichts gegen die meterhoch gesammelten Bände von Rosamunde Pilcher, die ich letztens in einer Großbuchhandlung bestaunt habe. Gute Unterhaltung ist etwas Schönes, „Gustos und Ohrfeigen“ sind dabei eben verschieden, wie man so schön sagt. Das Thema, das mir momentan dabei wieder durch den Kopf geht, ist ein ganz anderes.

Jeder Mensch hat doch so seine eigene typische Art und Weise, wie er mit schwierigen Situationen umgeht, wie er sich verhält, wohin er geht, wenn er in kleinerer oder größerer Bedrängnis ist. Diese ganz menschliche Art und Weise reicht bis in die Kindheit zurück, und wie mir scheint, sind wir uns dieser eigenen beinahe automatisch ablaufenden „Notfallpläne“ wenig bewusst, selbst wenn wir als Christen aufgewachsen sind oder wir uns irgendwann später zu Jesus bekehrt haben. Meistens beobachten wir diese Verhaltensweisen aber doch ganz gut bei anderen. Wir schütteln vielleicht den Kopf darüber, wie einer sich zurückzieht, nicht mehr spricht, aggressiv wird, wenn er sich hilflos fühlt, sich rund um die Uhr bei allen über alles beklagt, Mitmenschen wahlweise mies macht oder für unglaublich viel besser hält als sich selbst, sich nach Feierabend prinzipiell nur mehr in Traumwelten von TV-Serien, Internet und Schlagerstars zurück zieht, zu viele Süßigkeiten isst. Wir sorgen uns um Menschen, die Drogen nehmen, sich die Arme aufritzen, weil sie anders nicht mehr umgehen können mit der inneren Leere, dem Schmerz über die verlorene große Liebe, dem Zuhause, das sie gefunden hatten.

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Wohin oder zu wem wir uns flüchten kann vollkommen unterschiedlich betrachtet werden auf der Skala der gesellschaftlichen Akzeptanz. Die Welt der Rosamunde Pilcher, Sportsucht oder Anbetung von anderen Menschen als Stars sind da in einer anderen Liga als beispielsweise Drogensucht und anderes schwer selbstzerstörerisches Verhalten - aber gibt es im Blick auf unsere tiefste Sehnsucht nicht eine gemeinsame Wurzel?

Wie sehr wir im Innersten sicheren Halt brauchen, auch wenn wir schon erwachsen sind, merken wir nicht immer, wenn es uns gut geht. Spätestens aber wenn Bedrängnis da ist, merken wir es, wenn wir ehrlich mit uns selbst sind. Unter den eigenen und den „Anti-Bedrängnis-Notfallplänen“ Anderer leiden wir dann oft noch mehr- ein Teufelskreis.

Als ich Gott zum ersten Mal bewusst begegnet bin, dem Gott, der nicht nur eine namenlose Kraft ist, weit weg von uns, war das für mich eins der großen „Aha-Erlebnisse“, dass ER derjenige ist, den ich gesucht hatte, der mich liebt, versteht und trägt. Er, der immer da ist, nie überfordert oder gelangweilt mit mir - nicht wie andere Menschen, und wenn sie auch noch so toll sind. Nicht so leicht war es allerdings auch, diese neue Erkenntnis in meinem Alltag lebendig werden zu lassen und die Verhaltensweise des „alten Menschen“ tatsächlich loszulassen, der sich, und sei es auch nur innerlich, gern in Traumwelten flüchtet. Jesus war mir stark begegnet und ich wollte ihn seitdem immer suchen, bei ihm bleiben, aber manchmal hat es direkt in mir Anstoß erregt, zum Beispiel in der Bibel zu lesen, dass ich zu ihm kommen soll, wenn ich mühselig und beladen bin weil ER mir Ruhe verschaffen wird. Gerade wenn die Wogen hoch gehen, war das so schwierig, schien manchmal unmöglich. Er so weit weg, mein eigener menschlicher Plan und Umgehensweise mit einer Situation so nahe.

Ich habe kein Patentrezept dafür gefunden, wie die Erkenntnis über den sicheren Zufluchtsort bei Gott vom Kopf in eine sichere Gewissheit ins Herz absickert, aus der ich wirklich auch in der kleinen und großen Notlage leben kann. Bei manchen Menschen scheint das wie ein Wunder nach einer Begegnung mit Ihm zu „funktionieren“. Für mich, und wie ich glaube für viele, ist das ein Weg. Die alte Art und Weise, mit hohem Wellengang umzugehen, kann man nur loslassen, wenn man wirklich so wie Petrus, als er über das Wasser gehen will, den Blick immer auf Jesus gerichtet hält. Das wiederum ist nur möglich, wenn ich Ihn wirklich als lebendig erfahren und vertrauten Umgang mit ihm habe. Man kann leicht sagen“Jesus, ich vertraue auf dich“- aber ist es diese Art Vertrauen, aus dem wir wirklich ganz („Solo Dios basta!) leben können und in dieser Gewissheit auch sterben würden?

Da ist mein Anteil, den ich geben muss. Ihn zu suchen, in Stille, allein mit Ihm in meinem Zimmer, in der Anbetung, im Lesen der Bibel, gemeinsam mit anderen, auch wenn ich tausend andere furchtbar wichtige Dinge zu tun hätte, auch wenn ich gerade nichts spüre. Zeit verwenden für das wichtigste Thema des Lebens, wer ist Gott? (auch wenn sich das möglicherweise wunderbar Jahrzehnte lang hinausschieben lässt!!)

Ich kann aber bezeugen, wie wahr es auch ist, dass Er selbst kommt, uns entgegenläuft, öffnet und ins Weite führt, wenn wir nur immer wieder klopfen, selbst wenn wir zwischenzeitlich ganz auf eigene Faust Wege ohne Ihn gegangen sind. Auf Wegen kommt, die wir nie für möglich gehalten hätten! Irgendwann kommt vielleicht der Moment der Kapitulation, wo wir mit all unseren Kräften anstehen und ehrlich vor Gott stehen, zugeben und endlich zutiefst WISSEN, dass wir weder uns selbst noch andere im Herzen verändern können, dass all unser Kompensationsverhalten nicht trägt.

Diese Erfahrung ist mir neu geschenkt worden. Gott hat Seinen mächtigen Arm bewegt. Eine Erfahrung von: „Lerne mich immer mehr kennen (damit kommt man nie zu Ende!) und lieben, bei mir ist die Fülle all dessen, was du dir erträumst. Ich selbst werde für dich kämpfen, dort wo du dir selbst bisher den Kopf blutig geschlagen hast oder andauernd nur auf der Flucht warst, weil das doch nicht alles gewesen sein konnte.“ Verschiedene Menschen haben dazu beigetragen, dass Jesus mir wieder neu so begegnet ist, und meine Freude und Dankbarkeit über sie ist groß! Psalm 91 ist für mich „trotz“ dieser Dankbarkeit mit einem Schlag vollkommen lebendig geworden: Wer im Schutz des Höchsten wohnt / und ruht im Schatten des Allmächtigen, der sagt zum Herrn: «DU bist für mich Zuflucht und Burg, / mein Gott, dem ich vertraue.» und «Weil er an MIR hängt, will ich ihn retten »

Alle Vorsätze, die wir für die Fastenzeit gefasst haben, sollen ja am Ende auch dorthin führen - dass wir gerade in der Wüste und im Verzicht erfahren können, dass Er allein unser ganzes Glück ist. Auch für den Menschen, für den sich das möglicherweise hochtrabend liest oder als etwas, dass doch nur für die tiefen Mystiker unter uns gilt. Nein: jeder von uns wird einmal, spätestens in seiner Sterbestunde, damit konfrontiert sein, nichts und niemanden mitnehmen zu können. Es geht um die Grundwahrheit jedes Menschen. „Du legst mir größere Freude ins Herz, / als andere haben bei Korn und Wein in Fülle“ (Psalm 4, 8). Diese Erfahrung wünsche ich allen, die diese Zeilen lesen, noch in dieser Fastenzeit, von Herzen!

Jeden Freitag kommentieren auf kath.net in der Reihe BeneDicta Gudrun Trausmuth, Inka Hammond, Isabella von Kageneck, Petra Knapp und Linda Noé wichtige Themen über Gott, die Welt und alles, was die Herzen noch so bewegt.







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