13 April 2017, 10:45
'Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir'
 
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Bischof Algermissen: "Für uns Priester ist die Identifikation mit der Kirche nicht eine Forderung kirchlichen Verbandsgeistes, sondern eine Konsequenz unseres Glaubens."

Fulda (kath.net) Bischof Algermissen feierte am Gründonnerstagmorgen die Chrisam-Messe - kath.net dokumentiert die Predigt im Wortlaut

Liebe Mitbrüder!
Wir sind heute Morgen als Vertreter des Presbyteriums und der Diakone des Bistums Fulda in unserem Hohen Dom versammelt, um in dieser Eucharistiefeier die heiligen Öle zu weihen. Jeder von Ihnen führt sozusagen eine unsichtbare Prozession in diesen Gottesdienst mit hinein:

Es sind die Kinder und Erwachsenen, die im kommenden Jahr bei der Taufe mit dem heiligen Öl gesalbt werden.
Es sind die Kranken und Sterbenden, denen Sie mit diesem heiligen Öl die Krankensalbung spenden werden. Vielleicht wird ja der eine oder andere von uns auch dazu gehören.
Es sind die Firmbewerberinnen und Firmbewerber, die Sie in den kommenden Monaten auf das Sakrament der Hl. Firmung vorbereiten werden.

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Dazu kommen schließlich unsere zukünftigen Neupriester, die wir von Gottes Erbarmen für dieses Jahr erhoffen dürfen und die in der Weihe mit dem Hl. Chrisam gesalbt werden.

In der Salbung der Priesterweihe haben wir Priester unseren gemeinsamen Ursprung. Gemeinsam können wir allerdings auch nur die Sendung an diesem Stück Welt, das unser Bistum ausmacht, erfüllen.

Wir tun als Priester gut daran, wenn wir an diesem Gründonnerstagmorgen bei der Weihe der heiligen Öle versuchen, uns dem von Gott geschenkten Mysterium der Einheit im Presbyterium ein wenig zu nähern.

Der Herr identifiziert sich in einer Weise mit uns Priestern, dass wir gar „in persona Christi“ handeln dürfen, wenn wir sprechen: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird… Das ist mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird.“ Dem Herrn geht es im Hinblick auf uns Priester um eine Totalidentifikation.

„Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“, sagt der Apostel Paulus in seinem Galaterbrief (Gal 2, 20). Die Leidenschaft, seine Passion, darf nicht außen vor meiner Tür bleiben. Darum ist in unserem priesterlichen Wochenablauf der regelmäßige liturgiefreie Tag nicht vorgesehen. Die Kirche kennt nur einen einzigen liturgiefreien Tag im Jahr, das ist der Karsamstag. Er ist der Grabesruhe Jesu geweiht. Wir sind aber nicht auf die Grabesruhe Jesu geweiht, sondern auf seine Leidenschaft, die sich am meisten in der Hl. Eucharistie verdichtet.

Die Eucharistie birgt das Geheimnis der Kirche in sich. Der Herr verteilt sich nicht nur eucharistisch, leibhaft an die Vielen. Vielmehr geschieht durch diese Verteilung die Einigung, die Vereinigung der Vielen zu einem Leib, zu seinem Leib. Durch den eucharistischen Leib baut sich der Herr je und je den Leib der Kirche auf.

Es gibt nicht zwei Leiber Christi. Der eucharistische Leib kann nur wie ein Ferment innerhalb seines kirchlichen Leibes enthalten sein. Darum gibt es keine Eucharistie ohne Kirche und keine Kirche ohne Eucharistie. Wer über Brot und Wein die Worte spricht: „Das ist mein Leib. Das ist mein Blut“, kann nicht in einer Distanz, auch nicht in einer inneren Distanz, zur Kirche stehen. Zum Zeichen dafür nennt der Priester ja auch bei der Feier der Hl. Eucharistie den Namen des Papstes und des Ortsbischofs.

Für uns Priester ist die Identifikation mit der Kirche nicht eine Forderung kirchlichen Verbandsgeistes, sondern eine Konsequenz unseres Glaubens. Kirche wird zuerst für uns konkret im Presbyterium, das nicht eine Organisationsgröße ist, sondern buchstäblich eine Körperschaft. Wir sind als Presbyterium das, was wir über das Brot sprechen: „Das ist mein Leib.“

Wie sieht aber nun diese Grundbefindlichkeit als Presbyterium leibhaftig aus? Das Erscheinungsbild des Presbyteriums der Kirche von Fulda hängt wesentlich von der Antwort auf folgende Fragen ab:
Wie gehen wir miteinander um?
Die Haltung „Lass mich in Ruhe, dann lass ich dich auch in Ruhe“ wirkt im Grunde destruktiv.
Wie sprechen und denken wir voneinander?
Welchen Stellenwert geben wir unseren kranken und alten Mitbrüdern?
Wie tief tragen wir an der Sorge um geistliche Berufungen mit?
Weiß ich, dass ich der erste Seelsorger meines Mitbruders bin?
Das habe ich in den gut 20 Jahren als Bischof gründlich gelernt: Die Einsicht, wie wir im Presbyterium miteinander umgehen, so werden wir uns auch in unseren Gemeinden bewegen. Es gibt einen direkten inneren Zusammenhang zwischen dem Presbyterium und unseren Gemeinden vor Ort.

Von dieser heiligen Stätte schickt Euch, liebe Mitbrüder, die Kirche nicht mit leeren Händen in Eure Dekanate und Gemeinden zurück, sondern sie gibt Euch die heiligen Öle mit auf den Weg. Gesegnet mit einem großen Reichtum dürfen wir zu den Mühseligen und Beladenen heimkehren. Der heilige Chrisam, mit dem bei der Weihe unsere Hände gesalbt wurden, lässt unter unseren Händen täglich das Wunder der heiligen Wandlung erstehen.
Wir nehmen das Katechumenenöl mit, das wir bei der heiligen Taufe verwenden. Wir dürfen mitwirken, dass sterbliche Menschen nicht nur Kinder Gottes heißen, sondern Kinder Gottes sind.
Wir nehmen das Krankenöl mit nach Hause. Wir dürfen helfen, dass die Kranken und Sterbenden in die Nähe des Kreuzes Christi rücken, wo sie die Stimme des Herrn hören dürfen: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23, 43).

Es geht immer um Christus, der sich unseren Händen anvertraut. Wenn Christus, und daran glaube ich ganz fest, die letzte Antwort auf alle menschlichen Fragen ist, dann sollte unser priesterlicher Dienst trotz aller äußeren Armseligkeit gesegnet sein vom Glanz seiner ewigen Verheißungen. Wir dürfen uns freuen, dazu gesandt zu sein.

Den Schwestern und Brüdern, die nicht zum Presbyterium unseres Bistums gehören, haben wir zu danken, dass sie an dieser Missa Chrismatis teilnehmen. Unser Priestertum hat nur einen Sinn, wenn wir es zu Ihren Gunsten, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, ausüben.
Keiner von uns ist Priester für sich selbst geworden, sondern für Sie. Wir haben Ihnen zu danken, dass Sie uns nicht an den Altären allein stehen lassen. Wie viele Priester kennen diese Not, wochentags allein am Altar stehen zu müssen.
Wir danken den Mitbrüdern im diakonalen Dienst, dass sie neben und hinter uns stehen, und mit uns den Heilsdienst an der Welt vollziehen.
Ich danke für alle Begleitung und Treue und wünsche Ihnen und Euch die Freude und den Segen des Gekreuzigten und Auferstandenen. Amen.







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