27 April 2017, 09:00
'Ich denke, ich konnte meine Mission erfüllen'
 
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Martin Lohmann resümiert im kath.net-Interview sein BVL-Engagement: „Der Marsch für das Leben hat, was die Teilnehmer angeht, ein erfreulich junges Gesicht bekommen. Auch gehen etliche Bischöfe selbstverständlich mit, und das ist ein gutes Zeichen.“

Bonn (kath.net) Nach acht Jahren erfolgreicher Arbeit will Martin Lohmann (Foto) nicht mehr für den Vorsitz des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL) kandidieren. Im kath.net-Interview zieht der profilierte Lebensschützer eine zukunftsweisende Bilanz seiner Amtszeit für das Leben.

kath.net: Herr Lohmann, für manche ist es überraschend, dass Sie jetzt am Freitag nicht mehr für den Vorsitz des Bundesverbandes Lebensrecht BVL kandidieren wollen. Warum wollen Sie den Vorsitz abgeben?

Martin Lohmann:
Nun ja, ich kann mit Freude und Dankbarkeit auf acht interessante und gute, aber nicht immer leichte Jahre zurückblicken, in denen viel bewegt werden konnte. Zweimal wurde ich im Amt bestätigt. Doch man muss ein Amt, das einem ja nur geliehen ist, auch abgeben können. Und es gibt im Leben ja nicht nur den BVL.

Angesichts meines 60. Geburtstages, den ich im März dankbar feiern konnte, dachte ich mir: Jetzt müssen mal Jüngere ran. Und: Es wäre gut, wenn jetzt wieder einmal eine Frau den BVL führen würde, wenn es geht, eine jüngere Frau. Es geht ja um die Sache. Das Ganze habe ich dann auch immer wieder bebetet, wie man das so nennt.

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Und nachdem ich dann auch noch wenige Tage vor unserer BVL-Mitgliederversammlung erfahren habe, dass es eine Kandidatin gibt, die Zeit hat und gerne meine Nachfolgerin werden möchte, fühlte ich mich bestätigt. Ich denke, dass ich meine Mission erfüllen konnte.

kath.net: Sie sagen, Sie blicken dankbar auf Ihre Jahre als BVL-Vorsitzender zurück. Warum?

Lohmann:
Weil wir viel erreichen konnten. Unser Marsch für das Leben wurde bekannter und größer. In der Ecke, in die uns manche drücken wollten, kann man uns nicht finden. Das Wording und die farbliche Präsentation unserer Botschaft wurden sympathischer, ansprechender und einladender.

Mit meinen Vorstandskollegen konnte ich zum Papst, wo wir dessen klare und starke Unterstützung erfuhren.

Viele Gespräche mit Bischöfen und eine offene wie faire und informationsreiche Kommunikation trugen und tragen Früchte. Etliche Bischöfe gehen selbstverständlich bei der großen Demonstration für das Leben in Berlin mit, und das ist ein gutes Zeichen. Den Bischöfen sage ich ein besonderes Dankeschön.

kath.net: Aber auch die Gegnerschaft gegen den Marsch für das Leben ist gewachsen in Ihrer Amtszeit. Das dürfte Sie nicht so freuen.

Lohmann:
Letztlich ist es doch ein Kompliment. Man nimmt uns ernst. Man ahnt wenigstens, dass der Schutz des Lebens einer bezwingenden Logik des Lebens folgt. Diejenigen, die offenbar Angst vor Verantwortung und Lebensschutz haben, nehmen uns also ernst und schreien gegen uns ihre Ängste raus. Auch das ist eine Botschaft.

Ja, und wenn ich das sagen darf: Unsere nur der normalen Logik folgende Argumentation kommt sogar bei Politikern an. Auch das mit dem Totschweigen unseres Einsatzes klappt nicht mehr so einfach. Die Medien, die sich der Wahrhaftigkeit verpflichtet wissen, nehmen uns wahr und berichten.

Was mich aber ganz besonders freut: Der Marsch für das Leben hat, was die Teilnehmer angeht, ein erfreulich junges Gesicht bekommen. Ich habe also viel Grund zur Dankbarkeit und kann jetzt gerne mal die Stafette weiterreichen.

kath.net: Also ziehen Sie nach acht Jahren eine positive Bilanz?

Lohmann:
Ja. Aber nicht nur für mich, der ich manches anstoßen und bewegen durfte, sondern für uns alle. Der Vorsitz ist ja schließlich auch ein Dienst, und man erreicht nur gemeinsam etwas. Ein Team zu haben und anführen zu können, ist schon ein Geschenk. Das hat viel mit Zutrauen und Vertrauen zu tun. Nicht ich allein habe viel erreichen können, sondern wir gemeinsam.

Ich habe vor vielen, die im Schutz des Lebens tätig sind, großen Respekt. Ich habe Hochachtung vor unglaublich glaubwürdigem und lebensrettendem Engagement so vieler Lebensschützer, die dann noch ertragen müssen, verleumdet und beschimpft zu werden.

In den acht Jahren ist meine Wertschätzung vor vielen von uns gestiegen.

kath.net: Heißt das nun, dass Sie sich aus dem Lebensschutz als wichtige und bekannte Stimme zurückziehen werden?

Lohmann:
Oh nein. Keineswegs. Ich war vor meinem Amt als BVL-Vorsitzender Lebensschützer, und ich werde es künftig auch sein. Die Logik des Lebens hängt ja nicht am Amt, sondern dieses sollte sich in den Dienst der Logik stellen.

Meine Überzeugungen hänge ich nicht an den Nagel, mein Amt gebe ich lediglich mit Überzeugung an Jüngere ab.

In einem Brief an alle Mitglieder habe ich geschrieben: Solange ich kann, werde ich mich mit Geist, Herz, Wort und Stimme sowie Feder für das Leben einsetzen. Unerschrocken, möglichst einladend und leidenschaftlich. Ich bin und bleibe frei, mich zu äußern und einzusetzen.

kath.net: Sie wünschen sich nun eine jüngere Frau an der Spitze des BVL. Warum?

Lohmann:
Weil ich glaube, dass das gut wäre jetzt. Als Mann konnte ich ganz gut auf die Verantwortung der Männer und Väter hinweisen, wenngleich das auch nicht das einzige Thema war, das wir ins Licht der Öffentlichkeit brachten. Lebensschutz ist bekanntlich kein Exklusivthema für Frauen.

kath.net: Wie ist Ihre Einschätzung: Hat der Lebensschutz künftig mehr Chancen als bisher?

Lohmann:
Da bin ich skeptisch. Die Kräfte gegen das Leben scheinen gelegentlich wütend um sich zu schlagen und mit allen Tricks zu versuchen, die so einleuchtende Argumentation für das Leben zu verhindern. Mancher Blick ins benachbarte Ausland lässt da eher erschrecken als hoffen. Gleichwohl entdecke ich in manchen Krisenzeichen auch Zeichen der – sagen wir es einmal so – versteckten Chancen.

In meinem Abschiedsbrief als BVL-Vorsitzender schrieb ich: Meine der Heiligen Schrift entliehene Lebensweisheit gilt ja uns allen, gerade heute: Veritas Liberabit Vos - Die Wahrheit wird (euch) befreien, macht frei (Johannes 8,32).

Weil das so ist, wird sich der Widerstand gegen diesen Fortschritt wohl auch weiter verstärken. Mir scheint aber, dass die zum Teil brutalen und perfiden Methoden der Unterdrückung von Aufklärung und Meinungsfreiheit für das Leben am Ende des Tages eine Hilflosigkeit offenbaren, die Wahres über das Leben und sein Recht sowie die Verpflichtung zur Verantwortung einfach fürchtet und voller Angst und Verzweiflung zu bekämpfen versucht.

Daher glaube ich auch, dass wir auf einem guten und gesegneten Weg sind, wenn wir gemeinsam einander stärken und die vielfältigen Begabungen und Möglichkeiten FÜR das Leben zusammenbringen.

kath.net: Welchen Wunsch haben Sie im Blick auf den BVL und andere?

Lohmann:
Allgemein gesprochen: Dass die Sensibilität für das Leben wächst, an erster Stelle. Meiner Nachfolgerin und dem neuen Vorstand wünsche ich eine stets glückliche Hand, gute neue Ideen, Mut und Klugheit sowie die Gabe, die verschiedenen Talente weiter zueinander und dauerhaft ins Miteinander zu bringen. Vor allem aber wünsche ich der wichtigen Sache wegen allen die Kraft, die aus dem Segen Gottes, also der Gnade des Schöpfers allen Lebens kommt. Ich bin und bleibe sehr zuversichtlich.

Vor allem aber wünsche ich allen Menschen, ob noch nicht geboren oder alt und krank, dass sie keine Angst haben müssen, sondern Menschen finden, die ihnen Schutz für ihr Leben geben.

Der Marsch für das Leben Berlin 2017 findet dieses Jahr am Samstag, 16.09.2017 statt

Martin Lohmann überreicht Papst Franziskus einen Plastikembryo (Papst segnete den Embryo daraufhin spontan!)









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