06 August 2017, 09:20
Sambia: Priester als Vorbild
 
Legionaere
 
Der Sambia-Referent beim Hilfswerk «Kirche in Not» Tony Zender hat das afrikanische Land kürzlich besucht. Sein Ziel: Über die Unterstützung des Hilfswerks in den letzten Jahren Bilanz zu ziehen und den zukünftigen Bedarf der Ortskirche festzustellen

Luzern (kath.net/ KiN)
«Kirche in Not»: Herr Zender, Sie sind gerade von einer Dienstreise nach Sambia zurückgekommen, wo Sie vor allem Projekte des Hilfswerks besucht haben. Was war der allgemeine Eindruck vom Land?

Sambia ist ein weitestgehend stabiler Entwicklungsstaat. Es gab in der Vergangenheit einige politische Unruhen wegen des Übergangsprozesses in der Regierung vom letzten zum jetzigen Präsidenten, aber weitestgehend ist das Land stabil. Die staatlichen Autoritäten funktionieren – im Vergleich zu anderen Ländern in der Region - im Grossen und Ganzen gut. Sambia ist auf einem guten Weg, aber es ist noch ein lang anhaltender Entwicklungsprozess, um ein gutes Resultat für die Verbesserung der Lebensbedingungen zu erzielen.

Und wie ist die Kirche in Sambia organisiert?

Die Kirche ist in elf Diözesen organisiert und durch viele Initiativen und das Spenden der Sakramente unter den Menschen präsent. Sie ist gegenüber der Ankunft des Islam sensibilisiert. Aber noch kritischer sieht sie die evangelikalen Sekten, die mit der Botschaft auftreten: „Wenn Du zu uns kommst, wirst Du schon im Diesseits belohnt, und je mehr Du betest, desto reicher wirst Du“. Das ist problematisch, weil auch viele Katholiken verloren gehen, aber die Kirche in Sambia versucht zu reagieren.

Werbung
christenverfolgungmai


Die grundlegenden Probleme, weshalb sie unsere Hilfe braucht, sind der Aufbau von Pfarrhäusern, Motorisierung (Autos, Motorräder,…), Fort- und Weiterbildung, Exerzitien… und das muss auch erwähnt werden: Wir werden oft gebeten, spezielle Projekte zum Schutz der katholischen Familien zu unterstützen.

Welcher Moment der Reise hat Sie am meisten beeindruckt? Gibt es Projekte, von denen Sie sagen können: "Gott sei Dank haben wir bei «Kirche in Not» dieses Projekt damals positiv entscheiden können..."?

Was unsere Projektreise angeht, war es der Besuch einer etwas entlegenen Pfarrei in der Diözese Mansa. Sie liegt in der ärmsten Region Sambias, im Norden des Landes. Wir wurden im Katecheten-Ausbildungszentrum empfangen. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und die Katecheten ziehen solange mit ihren Familien in einzelne kleine Häuser. In der zweijährigen Ausbildung werden die Männer auf ihren Dienst als Katecheten vorbereitet, und die Frauen belegen weiterführende Kurse, um dann in den zukünftigen Gemeinden als Ausbilderinnen wirken zu können – im Bereich der Katechese aber auch im Bereich der Hauswirtschaft, wie z. B. Schneiderei.

Sie haben mir ein buntes, selbstgeschneidertes Hemd geschenkt. Das war für mich persönlich ein sehr bewegender Besuch. Die Priester sind in den Pfarreien oft nur einige Tage im Quartal, manchmal auch nur einige Tage im ganzen Jahr anwesend, die Katecheten leisten in der Abwesenheit der Priester sehr gute Evangelisierungsarbeit: betreuen die Leute und dienen auch mit ihrer Familie als Vorbild... Wenn man als Priester deren Entschlossenheit sieht, sich für die Kirche aufzuopfern, ist das auch für manchen Priester motivierend.

Dieses Zentrum haben wir besucht, weil wir die Katecheten Ausbildung dort direkt unterstützen und wir haben jetzt auch die Katecheten mit Fahrrädern unterstützt, damit sie mobil sind und ihrer Aufgabe besser nachkommen können. In Zukunft wollen wir auch eine Renovierung des Katecheten-Ausbildungszentrums durchführen. Man sieht die Dankbarkeit des Rektors des Zentrums und auch der dazugehörigen Ausbilder. Wir hoffen, in Zukunft sowohl den nächsten Ausbildungskurs zu unterstützen als auch bei der Renovierung zu helfen, weil der Zustand der Bauten sehr schlecht ist.

Kann die Bevölkerung selbst diese Hilfe nicht leisten? Ist diese Gegend auch sehr arm?

Das ist ein Problem. Die Kirche versucht ihr Bestes, um den Menschen näherzubringen, dass jeder Laie dazu berufen ist, die Kirche auch finanziell zu unterstützen und dass es nicht mehr so ist wie früher, als die Missionare noch vor Ort waren und von oben nach unten umverteilt wurde, sondern dass die Kirche jetzt die Hilfe eines jeden Gläubigen benötigt. Man hat noch eine gewisse missionarische Präsenz aus Polen in einigen Gebieten Sambias und auch einige Kongregationen aus anderen Ländern, aber die Kirche wird mehr und mehr zur lokalen Kirche.

Das ist ein notwendiger und guter Prozess, aber er ist natürlich mit einer Änderung der Einstellung verbunden. Die Menschen müssen lernen, dass sie vom Herrn berufen sind, die Kirche zu unterstützen und dass jeder, egal wie arm er ist, seinen Beitrag dazu leisten sollte. Man darf nicht nur die finanzielle Seite sehen, sondern jegliches Opfer, das man für die Kirche bringt. Wenn alle zusammen versuchen, die Kirche aufzubauen. Wenn wir aus dem Geist des Opfers und der Entschlossenheit heraus handeln, so setzen wir ein Zeichen, dass wir es sind, die unsere Kirche tragen wollen, dann lässt der Herr der Kirche Gnaden zuteilwerden, die wir sonst nicht empfangen würden. Das Gleiche gilt übrigens für Europa.

Gab es einen Moment der Sie traurig oder besorgt gestimmt hat?

Was mich immer wieder beeindruckt, ist, wie beispielhaft einige Pfarrer ihren Dienst versehen, die manches Mal an Orten leben, wo es keinen Strom gibt, wo sie vielleicht fliessendes Wasser von einem Tank schöpfen und manchmal dort auch ganz alleine leben müssen; sie dienen mir als Vorbild, in dem Sinne, dass sie sich ihrer Situation stellen. Ich sehe viel Bedarf für unsere Hilfe, z. B. mit Renovierungen, Bau von neuen Pfarrhäusern und Motorisierung. Wir wollen jungen Priestern Motorräder zukommen lassen, um die gut ausgebildeten, spirituell lebendigen Priestern zu den Menschen zu bringen.

An manchen Orten können die Priester kaum gelangen. Viele gehen zu Fuss oder müssen mitgenommen werden. Die Bedingungen sind widrig. In der Regenzeit kommen sie mit dem Auto meist nicht weiter. Ein Beispiel: Es gibt einen deutschen Missionar aus der Diözese Mainz, Pater Thomas, mit dem wir bereits einige Projekte realisiert haben. Wir konnten ihn bei unserer Reise nicht treffen, weil er Vertretung in einer Pfarrei hatte, die während der Regenzeit komplett von Wasser umschlossen ist. Der Pfarrer, der die Gegend betreut, kann das Gebiet für 3-4 Monate nicht verlassen – nur in einem Boot. Wenn die Strassen wieder passierbar sind, wird er dann für 1-2 Wochen vertreten; und an einem solchen Ort war eben gerade Pater Thomas. Das ist auch ein schönes Vorbild aber auch ein Beispiel wie schwer manchmal Fortbewegung in Sambia sein kann.

«Kirche in Not» hat im Jahr 2016 Projekte in Sambia mit ingesamt CHF 660 000 unterstützt.

Foto: Katecheten-Ausbildungszentrums in der Erzdiözese Kasama, Sambia © Kirche in Not







kath.net ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Webseiten konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.


Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben


 

meist kommentierte Artikel

Warum es (nicht) gut ist, dass wir zwei Päpste haben (51)

Dalai Lama: 'Johannes Paul II. war ein beeindruckender Mann' (25)

Down Syndrom in Island: 100%ige Tötungsrate (24)

Van Rompuy: Die Zeiten von Roma locuta, causa finita sind lang vorbei (24)

'Das Jüngste Gericht findet statt' (23)

13 Tote bei Unglück in Madeira (22)

'Amoris Laetitia bekräftigt eindeutig die klassische kirchliche Lehre' (19)

Maria, die Mittlerin der Gnaden (18)

Die Kirchensteuer ist unzeitgemäß und ungerecht (17)

'Die Brutalität der Anschläge entsetzt mich' (14)

Vatikanist Tosatti: ‚Die Rückkehr der Berufungskrise’ (13)

'Maria bat in Fatima, die Welt ihrem unbefleckten Herzen zu weihen' (13)

Kanzlerin Merkel will meine Stimme, aber mich für dumm verkaufen (11)

Freiburg gehört der Gottesmutter (10)

Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) kritisiert Van Rompuy! (10)