15 August 2017, 06:00
Das himmlische Leben Mariens
 
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Über die vier Perioden im „Leben“ Mariens. Gastbeitrag von Pater Walthard Zimmer FSSP

Linz (kath.net) Die katholische Theologie hat im Laufe der Jahrhunderte viel über Maria und ihre Stellung im Heilsgeschehen nachgedacht. Dabei wurden verschiedene Aspekte herausgearbeitet, die dazu führten, dass in einer systematischen Darstellung der Bedeutung Marien heute gerne von 4 Perioden im „Leben“ Mariens gesprochen wird.

Die erste Periode wird als das vorweltliche Leben Mariens bezeichnet. Es findet seinen Ausdruck vor allem in der Liturgie, die einige Texte, die eigentlich von der Weisheit sprechen, auf Maria deutet. „Der Herr besaß mich schon im Anfang Seiner Wege, bevor er etwas schuf, von Anbeginn.“

In diesem Zusammenhang wird Maria als der Prototyp des Menschen schlechthin gesehen. So wie Maria war, hätten nach dem ursprünglichen Plan Gottes alle Menschen sein sollen. Rein, heilig, voll der Weisheit hätte der Mensch vollkommenes Abbild Gottes sein sollen. Auf diesen Menschen hin ist alles geschaffen. „Von Anbeginn“, „bevor er etwas schuf“, zielte die materielle Schöpfung auf den Menschen als ihren Höhepunkt.

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Aber nicht der durch die Erbsünde verwundete Mensch wie wir ihn heute kennen, sondern der Mensch, vollkommen nach Gottes Bild und Gleichnis.

Christus hat das Menschengeschlecht von der Erbsünde erlöst, aber nicht von allen Wirkungen der Erbsünde. Lediglich an einem Menschen und zwar an Maria, hat er die Erlösung so vollkommen vollzogen, dass sie vom ersten Augenblick ihres Daseins frei war von jeder Sünde. So wurde sie zur würdigen Wohnstatt für den menschgewordenen Gott.

Die zweite Periode wird das vorgeschichtliche „Leben“ Mariens genannt.

Maria geht in Vorbildern und Weissagungen durch den Alten Bund. Bereits in der Genesis, unmittelbar nach dem Sündenfall, spricht Gott von der Frau, die der Schlange den Kopf zertritt. Auch Eva selbst, die Mutter aller Lebenden, Sara, die Mutter des Kindes der Verheißung oder Judith, die das Volk Gottes aus großer Not errettete, gelten als Vorbilder Mariens. Der ebenfalls in der Liturgie auf Maria angewandte Text: „Du bist Jerusalems Ruhm, du Israels Freude, die Krone unseres Volkes bist du!” ist dem Buche Judith entnommen. Zum vorgeschichtlichen Leben werden auch die Weissagungen der Propheten gerechnet. Aus den Adventtexten ist die Prophezeiung des Isaias berühmt: „eine Jungfrau wird empfangen…“

Die dritte Periode ist das geschichtliche Leben Mariens, die einzige Periode, die den Ausdruck „Leben Mariens“ im eigentlichen Sinn verdient.

Die Berichte der Heiligen Schrift führen uns zu jenem Augenblick, als der Erzengel Gabriel sie grüßte mit den Worten „Sei gegrüßt, Du Gnadenvolle“. Die Theologie erkennt in der Anrede „Du Gnadenvolle“ eine Wesensbezeichnung Mariens. Sie ist die, die voll der Gnade, voll der Heiligkeit ist. Darin ist letztlich das Geheimnis ihrer Unbefleckten Empfängnis eingeschlossen, die Voraussetzung für ihre vollkommene Sündenfreiheit ist.

Die Evangelisten berichten verschiedene Ereignisse aus dem Leben Mariens. Wer versteht genau hinzuhören wird erkennen, dass Maria immer dann genannt wird, wenn ein neuer Abschnitt im Heilsgeschehen beginnt. Vor der Menschwerdung ist dies offensichtlich. Mit dem Gruß Mariens an Elisabeth, der ihr Kind vor Freude hüpfen ließ, erfüllte sich die Prophezeiung an Zacharias: „…und mit heiligem Geist wird er erfüllt werden schon vom Schoß seiner Mutter an“. Dies wird auch gerne „das erste Wunder in der Ordnung der Gnade“ genannt.

Das erste Wunder in der Ordnung der Natur war die Verwandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit von Kana, ein Wunder, das durch Maria veranlasst wurde. Ihre Worte, „Was er euch sagt, das tut“, sind die letzten Worte Mariens, die wörtlich überliefert werden und klingen wie ihr Vermächtnis in die Geschichte hinein.

Unter dem Kreuz ist von Maria zu hören und dass sie mit den Aposteln auf das Kommen des Heiligen Geistes gewartet hat. Pfingsten gilt als der Beginn der Kirche.

Aus dem Umstand, dass Maria in ihrem geschichtlichen Leben immer wieder am Anfang eines neuen Heilsabschnittes steht, haben die Theologen abgeleitet, dass Gott seine Gnade den Menschen durch Maria zukommen lassen möchte.

Die vierte Periode ist schließlich das himmlische Leben Mariens. Maria ist mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen, gekrönt als die Königin.

Die Aufnahme Mariens in den Himmel und ihr Krönung, die wir auch im glorreichen Rosenkranz betrachten, meinen, dass Maria jetzt an der Regierung der Welt durch Christus Anteil hat. Die Königin regiert an der Seite des Königs. Sie hilft jetzt vom Himmel aus, die Welt zu ihrer Vollendung in Christus zu führen. Darum hat Christus Maria auch in Fatima zu den Menschen geschickt, um sie daran zu erinnern, dass sie aufhören sollen Gott durch die Sünde zu beleidigen.

Zum Fest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel steht diese letzte Periode im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Symboldbild zu Maria Himmelfahrt




Originalfilmaufnahmen der Verkündigung des Dogmas der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel durch Papst Pius XII. am 3.11.1950









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