25 September 2017, 11:00
Ehe für alle?
 
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Ursprünglich lesbisch orientierte Frau: Bei Frage nach der „Ehe für alle“ kommt man als Christ nicht umhin, sich mit Gottes Schöpfungsordnung, Seinem Heilsplan und mit Jesu Worten über die Ehe auseinanderzusetzen. Interview mit Ursula im „Rochus“

Wien (kath.net/Rochus – Magazin der Pfarre St. Rochus und des Oratoriums des Hl. Philipp Neri) Für das Interview dieser Ausgabe zum Thema ‚Ehe für alle‘ konnten wir Ursula gewinnen, eine Frau, die mehr als 20 Jahre in lesbischen Beziehungen gelebt hat und sich als gläubige Christin mit dieser Frage beschäftigt. Ursula (Foto) wurde 1965 in Deutschland geboren. Sie arbeitete lange Jahre als IT-Managerin in verschiedenen Ländern. zur Zeit lebt sie in Österreich und schreibt an einem Buch über ihren Weg aus Homosexualität, das 2018 erscheinen wird. Durch ihre Website „Um Himmels Willen“ möchte sie einen Wegweiser für Betroffene und deren Begleiter anbieten, wie sich Homosexualität, Glaube und Katholische Kirche vereinbaren lassen.

Rochus: Ursula, danke für die Bereitschaft, dich diesem Interview zu stellen, das bewusst auch einige sehr persönliche Fragen beinhalten wird. Wann hattest du in dir eine homosexuelle Neigung entdeckt?

Ursula:
Aufgrund einer in der Kindheit entstandenen Geschlechtsidentitätskrise, bestimmter familiärer Umstände sowie einiger traumatischer Erlebnisse traf ich schon früh die Festlegung, dass ich niemals einen Mann heiraten noch mich in irgendeiner Form an ein männliches Wesen binden möchte. Als Konsequenz daraus habe ich im Alter von ca. 11 Jahren, zu Beginn meiner Pubertät, begonnen, mich als lesbische Frau zu entwickeln. Meine homosexuelle Neigung war eigentlich das Ergebnis einer Entscheidung – insofern würde ich nicht sagen, dass ich sie zu irgendeinem Zeitpunkt ‚entdeckt‘ hätte.

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Rochus: Inwiefern hat diese Neigung dann deine Beziehungen bestimmt? Wie hast du deine homosexuelle Neigung damals ausgelebt?

Ursula:
Ich hatte schon in der Pubertät versucht, lesbische Beziehungen einzugehen, es blieb aber zunächst bei homoerotischen Kontakten. Die erste „feste“ Beziehung hatte ich zu Beginn des Erwachsenenalters. Ich lebte 25 Jahre in wechselnden lesbischen Beziehungen.

Rochus: Was bedeutete für dich homosexuell zu sein?

Ursula:
Ich empfand es zu Beginn, d. h. als ich meine ersten lesbischen Beziehungen einging, ganz spannend. Ich suchte bewusst das Anders-Sein, um mich abzugrenzen und Aufmerksamkeit zu erlangen. Homosexuell zu sein bedeutete für mich, eine Nische zu finden, in der ich wahrgenommen wurde und auf eine gewisse Art rebellieren konnte. Natürlich war mir das lange Zeit nicht bewusst. Doch mit der Zeit war es, offen gestanden, eher mühsam und anstrengend. Entweder wurde ich belächelt, bemitleidet oder als exotischer Vogel präsentiert, aber so richtig als „ganzer Mensch“ ernst- und angenommen, das wurde ich nur bei meiner Familie oder bei Gleichgesinnten.

Rochus: Hattest du dein Leben als Lesbe mit deinem Glauben (du bist ja katholisch auf gewachsen) in Beziehungen bringen können? Oder kam es da zu einem Bruch?

Ursula:
Ich war als Jugendliche leidenschaftliche Ministrantin und sehr in meiner Pfarre engagiert. Meine Liebe zu Jesus entdeckte ich schon als Kind. Jesus war sehr wichtig für mich und meine Beziehung zu Ihm war etwas Besonderes. Als Teenager verspürte ich sogar so etwas wie einen Ruf, Ihm als Seine Braut nachzufolgen. Da ich aber damals niemanden hatte, der mich begleitete, blieb ich mit meiner Sehnsucht allein. Ich schüttete den Schatz in mir zu. Von Jahr zu Jahr rutschte ich immer tiefer in den Sumpf der homosexuellen Begierden. Als mir klar wurde, dass die Katholische Kirche gegen das Ausleben von homosexuellen Beziehungen ist, kam es zu einem endgültigen Bruch. Ich wurde vom Paulus zum Saulus und bin aus der Kirche ausgetreten. Jedoch war ich immer gläubig. Zeitweise betete ich, jedoch hielt mich mein in Unordnung geratenes Leben davon ab, Jesus in mir Raum zu geben.

Rochus: Du lebst deine Homosexualität heute nicht mehr aus. Wie ist es dazu gekommen?

Ursula:
Mein Leben war ein einziges Fiasko. Nach dem Ende einer chaotischen Beziehung musste ich mir eingestehen, dass ich auf Sand gebaut hatte. Ich erkannte tief in mir, dass es keine „lesbische Liebe“ geben kann und dass homosexuelle Beziehungen nicht im „Sinne des Erfinders“ sein können. Diese Erkenntnis war brutal und schmerzhaft. Ich wollte nicht mehr weiterleben. Dann hab‘ ich mich bei Jesus gemeldet und Ihm mein Leben angeboten, da ich zum Selbstmord zu stolz war. Er nahm mein Leben an und „wandelte“ es auf die nur Ihm eigene Art um. Ein langer, anstrengender und heilsamer Weg der Umkehr folgte, bei dem auch die Pfarre St. Rochus eine Wegetappe bildete.

Rochus: Wie ist das zu verstehen – „gewandelt“?

Ursula:
Jesus hat mich von meiner Neigung „geheilt“, und zwar geheilt im dem Sinne, dass Er mich wieder zu einer wahrhaften Liebe - zu Ihm, zu meinem Nächsten und zu mir selbst - befähigt hat.

Rochus: Und was für Konsequenzen hat die „Heilung“ deiner homosexuellen Neigung für dein Leben heute?

Ursula:
Sie bedeutet für mich keine Last mehr. Sie dient mir vielmehr als Ansporn, aufgrund meiner persönlichen Lebenserfahrung homosexuell empfindenden Personen davon zu berichten, dass es sich lohnt, hinter die eigenen Kulissen zu schauen, d. h. sich ganz ehrlich damit auseinanderzusetzen, was die Ursachen und Gründe ihrer homosexuellen Neigung sind und die Lebenslügen aufzudecken, die sie davon abhalten, diese Lebensform aufzugeben.

Rochus: Entschuldige die Frage, aber wäre es nicht das einfachste, wenn Gott Homosexualität „gut heißen“ würde?

Ursula:
Für wen? Aus welchem Grund? Um uns die wahrlich mühsamen Diskussionen zu ersparen? Wenn ich eine Lügnerin wäre, könnte ich mich nach dieser Logik auch fragen, ob es nicht das einfachste wäre, wenn Gott die Lüge „gut heißen“ würde. Unser Leben ist aber nun mal kein Kindergeburtstag und die Suche nach der Wahrheit ist und bleibt eine spannende Schatzsuche.

Gott kann nur gut heißen, was „gut“ ist. Wäre Homosexualität gut, hätte Gott sie als solches benannt und geoffenbart.

Rochus: Wenn du jetzt auf frühere Beziehungen zurückblickst, hättest Du damals jemanden gerne geheiratet, wenn es möglich gewesen wäre?

Ursula:
Ja, natürlich. Es gab einige meiner Partnerinnen, die ich gerne „geheiratet“ hätte. Dabei lag der Wunsch aber immer im Trugschluss begründet, dass eine Heirat so etwas wie eine Absicherung vor einem allzu schnellen Beziehungsende sein könnte.

Rochus: Wie beantwortest du heute die Frage, ob homosexuell empfindende Menschen heiraten können sollen?

Ursula:
Bei der Frage nach der „Ehe für alle“ kommt man als Christ nicht umhin, sich mit Gottes Schöpfungsordnung, Seinem Heilsplan für uns und vor allem auch mit Jesu Worten über die Ehe auseinanderzusetzen. Gott hat für Seine Geschöpfe ausschließlich den ehelichen Bund zwischen Mann und Frau vorgesehen, um Seinen Liebesauftrag zu erfüllen: „Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde. (Gen 1,28)“. Jesus bezeichnet die Ehe ganz konkret als den lebenslangen Bund zwischen Mann und Frau und bekräftigt diese gottgewollte Ordnung noch, indem Er verdeutlicht, dass es Menschen gibt, die „zur Ehe fähig“ oder eben „zur Ehe unfähig“ sind (Mt 19,12).

Ich habe - trotz meiner Bekehrung - noch weitere 10 Jahre gebraucht, um all das annehmen zu „wollen“. Hochmut und falsches Mitleid haben mich blockiert, zu glauben, dass alles, was Gott geschaffen hat, gut und heilig ist und einer Ordnung unterliegt. Als Lesbe hatte ich leidvoll erfahren, dass alles, was sich über diese Ordnung erhebt, und das ist u.a. die „Ehe für alle“, ungeordnet ist und Unordnung bringt. Mit 30 Jahren wollte ich mir von einem schwulen Freund „ein Kind machen lassen“. Aus purem Egoismus. Gottlob habe ich dann erkennen dürfen, dass ein Kind seinen Vater und seine Mutter braucht, um gut gedeihen zu können, und ließ von dieser absurden Idee ab.

Rochus: Du hast ja möglicherweise immer noch homosexuelle Empfindungen und begegnest Frauen, mit denen du dich sehr gut verstehst. Verzeih, dass ich nochmals ‚nachhake‘: Kommt dir da nicht doch manchmal der Wunsch, dass es die „Ehe für alle“ doch geben sollte?

Ursula:
Keineswegs, ganz im Gegenteil. Wenn ich beispielsweise ein lesbisches Paar sehe, dann wünsche ich ihnen von ganzem Herzen, dass sie Menschen begegnen, die ihnen die Liebe Gottes erfahrbar machen; vor allem, dass jede von ihnen den „Irrweg“ erkennen und daran glauben kann, dass Gott für jeden Menschen einen „wunderbaren“ Plan des Glücks und Heiles bereithält. Aufgrund meines eigenen Weges aus der Homosexualität wünsche ich ihnen dazu selbstlose, tiefe und innige – nicht homosexuelle – Freundschaften zu Frauen, damit sie ihr eigenes Frau-Sein „mit den Augen Gottes“ neu entdecken und entfalten können.

Link auf die Webseite von Ursula: Um Himmels Willen

Foto: Ursula (c) Magazin "Rochus"







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