12 Oktober 2017, 23:00
Papst beklagt 'immer beunruhigendere' Lage der Christen im Orient
 
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Franziskus feiert in Rom Gottesdienst zum 100-jährigen Bestehen des päpstlichen Ostkircheninstituts - An der renommierten Einrichtung bilden sich derzeit Studenten aus 50 Ländern im Bereich der orthodoxen Kirchen und der katholischen Ostkirchen fo

Rom (kath.net/KAP) Mit einer Messe hat Papst Franziskus am Donnerstag das 100-jährige Bestehen des päpstlichen Ostkircheninstituts in Rom gefeiert. Dabei erinnerte er an die Leiden und die Auswanderung orientalischer Christen. Wie in der Gründungszeit des Instituts herrsche auch jetzt ein Weltkrieg, wenngleich er nur "in Stücken" stattfinde, sagte der Papst während des Gottesdienstes in der Basilika Santa Maria Maggiore. Unzählige Christen im Nahen Osten litten unter einer dramatischen Verfolgung und einer "immer beunruhigenderen" Diasporasituation.

Das Päpstliche Orientalische Institut wurde am 15. Oktober 1917 von Benedikt XV. (1914-1922) als Forschungs- und Ausbildungsstätte gegründet. Der Lehrbetrieb begann am 2. Oktober 1918. Wenige Jahre später erhielt das Institut seinen heutigen Sitz in einem Palazzo unmittelbar neben der Papstbasilika Santa Maria Maggiore.

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Jährlich absolvieren dort 350 bis 400 Studenten, vor allem Priester und Ordensleute aus zahlreichen Ländern, ein Zusatzstudium in Ostkirchenkunde. Das Institut verfügt über eine Bibliothek von internationalem Rang und spielt eine wichtige Rolle in der Ökumene. im Fokus stehen die orthodoxen Kirchen sowie die katholischen Ostkirchen in Nahost und Indien, in Äthiopien, Eritrea und dem gesamten ostslawischen Raum. Unter den rund 6.500 Absolventen seit Gründung sind viele spätere Bischöfe, auch der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel.

In einer Botschaft an den Großkanzler des Orientalischen Instituts, Kardinal Leonardo Sandri, schrieb der Papst, im Nahen Osten rührten Krieg und Hass an die Wurzeln eines friedlichen Zusammenlebens. Damit stehe das Institut wie vor 100 Jahren an einem Kreuzungspunkt. Seine Dozenten müssten für alle orientalischen Kirchen offen sein und über die alten Kirchengrenzen hinaus auch der "schmerzlichen geografischen Zerstreuung" der betreffenden Gemeinschaften Rechnung tragen, hieß es in dem am Donnerstag veröffentlichten Text.

Weiter unterstrich Franziskus den ökumenischen Auftrag der Einrichtung. Die wachsende Zahl nichtkatholischer Studenten bestätige das Vertrauen, das andere Kirchen in das Institut hätten; eine Aufgabe sei daher auch das Studium jener Fragen, die die Kirchen noch zu trennen schienen, schrieb er an Sandri, der zugleich Präfekt der vatikanischen Ostkirchenkongregation ist.

In dem Institut sollten künftige Seelsorger die Motivation erhalten, in orientalischen Gläubigen an jedem Ort Liebe zu ihrer angestammten Tradition zu wecken, so Franziskus. Von Bischöfen des lateinischen Ritus verlangte er, sich um orientalische Christen ohne eigene Kirchenstrukturen mit einer "angemessenen geistlichen und menschlichen Hilfe" zu kümmern. Im Institut selbst sollen sich nach dem Willen des Papstes die Jesuiten mit einem festen Kern von Ausbildern engagieren.

Interne Krise beendet

Vor zwei Jahren hatte der Jesuitenorden die komplette Leitungsebene im "Orientale" nach einer internen Krise abgelöst und die Einrichtung, ihre Struktur und den Lehrbetrieb einer Revision unterzogen. Seither hat die Forschungs- und Lehreinrichtung für den christlichen Osten wieder voll Tritt gefasst und zum alten Standard und Renommee zurückgefunden.

Geleitet wird das Institut seither von dem kanadischen Jesuiten David Nazar (65). Der Sohn kanadischer Einwanderer war viele Jahre als Provinzial seines Ordens in der Ukraine tätig und ist im westlichen wie im östlichen Kirchenritus beheimatet. Er übernahm das Amt vom damals bereits 77-jährigen Ägypter Samir Khalil Samir, einer Koryphäe der Ostkirchenkunde, der in der Übergangszeit das Institut neu ausrichtete und ihm neues Vertrauen verschaffte. Vorher stand der unausgesprochene Vorwurf im Raum - offiziell gab es keine Begründung - dem Institut fehle die leitende Hand, in der Bibliothek habe sich ein Schlendrian breitgemacht, und zudem habe das akademische Niveau nachgelassen.

Inzwischen ist das Orientale wieder neu aufgestellt. Rektor Nazar misst neben der akademischen und spirituellen Bildung dem Austausch unter den Studenten hohe Bedeutung bei. Da kämen Ukrainer und Syrer zusammen, die beide in ihrer Heimat militärische Konflikte erlebten. Oder auch Studenten, die in ihrer Heimat einen "arabischen Frühling" erlebt hätten. Das sei neben der akademischen auch eine enorme kulturelle und zwischenmenschliche Bereicherung.

Studenten aus 50 Ländern

Aktuell kommen die Studenten des Instituts aus 50 Ländern, unter ihnen sind viele Seminaristen, aber auch Geistliche und Ordensfrauen. Die meisten kommen aus der Ukraine und den Ländern des Nahen Ostens, aus Syrien, Ägypten, dem Irak sowie aus Indien und dem gesamten slawischen Raum. Vor der Einschreibung müssen sie bereits ein Studium abgeschlossen haben, in der Regel ein theologisches Examen.

Das Institut ist in zwei Fakultäten unterteilt. Neben der für "Ostkirchliche Wissenschaften" gibt es seit 1971 eine kleinere Fakultät für Ostkirchenrecht. Sie hatte maßgeblich Anteil an der Ausarbeitung des 1990 vom Papst herausgegebenen Gesetzbuchs für die katholischen Ostkirchen.

Angeboten werden im Studium des Orientale rund 120 Kurse. Vorlesungen und Seminare befassen sich mit orientalischer Kirchengeschichte, mit Theologie und Patristik sowie Liturgie und Mystik. Zudem gibt es Sprachkurse für Russisch, Syrisch, Armenisch, Äthiopisch, Alt- und Neugriechisch, für Altkirchenslawisch oder Altgeorgisch.

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