24 November 2017, 11:00
„Wie die Bewegung, so die Verpflegung“
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Glaube'
Eine theologisch möglicherweise nicht ganz lupenreine Betrachtung. Kolumne „Gedanken eines Nichttheologen“. Von Stefan Fleischer

Grenchen (kath.net) Der alte Herr, der zu meiner Jugendzeit in unserem Haus wohnte, erzählte hin und wieder von seiner Gefangenschaft in Russland im ersten Weltkrieg. Eine Episode kommt mir oft in den Sinn, wenn ich die Haltung von uns Christen Gott gegenüber beobachte.

Er war in einem grösseren Lager irgendwo in der Steppe untergebracht. Die Verpflegung war miserabel, die Behandlung sonst den Umständen entsprechend nicht schlecht. Oft wurden sie als Arbeiter irgendwo eingesetzt, auf den Feldern, beim Strassenbau oder sonstwo. Dann sagten seine Kameraden oft: „Wie die Verpflegung, so die Bewegung!“ und drückten sich wo sie nur konnten. Das wirkte sich dann natürlich auf die Behandlung und nochmals auf die Verpflegung aus. Als sie einmal beim Beladen von Lastwagen eingesetzt waren, und die im Akkord bezahlten russischen Fahrer ob der Langsamkeit ihrer Arbeit fluchten, platzte ihm der Kragen. Er sagte zu seinen Kameraden: „So, und jetzt versuchen wir es umgekehrt. Jetzt wird gearbeitet! Mal sehen, was passiert!“ Sie folgten seinem Rat. So waren die Wagen schnell beladen, und manchmal mussten nun sie, nicht die Fahrer warten. Das erste, was geschah, war, dass ein Fahrer einem von Ihnen eine Zigarette zusteckte. Andere folgten dem Beispiel. Dann forderten die Fahrer bei der Lagerleitung, dass sie inskünftig diese Gruppe und keine andere zugeteilt erhielten. Und schlussendlich wurden sie auch im Lager selbst bevorzug behandelt. „Seht ihr“ sagte er dann zu seinen Kameraden: „Wie die Bewegung so die Verpflegung.“

Werbung
syrien2


Und „die Moral von der Geschicht“? Neigen wir nicht alle, hin und wieder oder auch öfter, dazu zu denken: „Wenn mir Gott dieses oder jenes schenken würde, so würde ich auch mehr beten, mich mehr bewegen für eine bessere Beziehung zu ihm und zu meinen Mitmenschen. Aber so …“

Sollten nicht auch wir es einmal umgekehrt probieren, etwas mehr „Bewegung“ auf Gott hin, etwas mehr versuchen, ihm Freude zu bereiten? Wäre es dann nicht auch wahrscheinlich, dass Gott uns eine bessere „Verpflegung“, mehr Gnade und Kraft für unseren Weg, vielleicht sogar mehr Freude und Befriedigung an unserer Arbeit für ihn schenken würde?

Ich weiss, Theologen werden jetzt den Kopf schütteln. Aber müssen wir Gott immer durch eine hochtheologische Brille betrachten? Dürfen wir nicht hin und wieder „werden wie die Kinder“, Gott sozusagen mit menschlichen, kindlichen Augen sehen, und an Märchen und Wunder glauben, solange uns dies für unsere Beziehung zu ihm nützlich ist?

kath.net-Buchtipp
Heiligkeit für Anfänger
Ein Wegbegleiter
Von Stefan Fleischer
Taschenbuch, 156 Seiten
2011 BoD
ISBN 978-3-8448-0949-7
Preis 12.40 EUR

Bestellmöglichkeiten bei unseren Partnern:

Link zum kathShop

Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus, Linz:
Für Bestellungen aus Österreich und Deutschland: buch@kath.net

Buchhandlung Provini Berthier GmbH, Chur:
Für Bestellungen aus der Schweiz/Liechtenstein: buch-schweiz@kath.net

Alle Bücher und Medien können direkt bei KATH.NET in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus (Auslieferung Österreich und Deutschland) und der Provini Buchhandlung (Auslieferung Schweiz und Lichtenstein) bestellt werden. Es werden die anteiligen Portokosten dazugerechnet. Die Bestellungen werden in den jeweiligen Ländern (A, D, CH) aufgegeben, dadurch entstehen nur Inlandsportokosten.

Foto Stefan Fleischer


Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!











Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram
meist kommentierte Artikel

Einsiedler Abt Urban Federer meint: „Schwul und zölibatär ist okay“ (54)

Kardinal: „Es ist aber besser, an Hunger zu sterben“ (37)

Causa 'Alois Schwarz' - Rom untersagt Pressekonferenz der Diözese Gurk (36)

Der Traum alter Männer (33)

R. I. P. Robert Spaemann (31)

„Deutsche Bischöfe überschritten klar ihre lehramtliche Kompetenz“ (28)

NEU! - kath.net-WhatsApp-Newsletter - NEWS und MISSION (26)

Zollitsch-Satz ist „sehr katholisch“ (25)

Müller: Theologie in Deutschland für Weltkirche nicht repräsentativ (25)

Vatikan reist mit hochrangiger Delegation zu UN-Migrationsgipfel (23)

SPD-Jungpolitiker: Wenn das abgetriebene Kind auf dem OP-Tisch stöhnt (21)

Die Todesengel von links (19)

Argentinien: Erzbischof spricht von „einer Art klerikaler Homolobby“ (17)

Wien: Solidaritätskundgebung für weltweit verfolgte Christen (13)

Irisches Parlament legalisiert Abtreibung (12)