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14 November 2017, 11:36
Bischof Algermissen: „Bekennermut ist in heutiger Zeit gefragt“

Bischof von Fulda kritisiert Pragmatismus und Populismus beim Skandal des Schwangerschaftsabbruchs, bei der bedenklichen Entwicklung in der Gentechnik, Biomedizin und Euthanasie - Er ermutigt zur Freundschaft mit Jesus

Fulda (kath.net/bpf) Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen hat die Christen am Samstag im Hohen Dom zu Fulda dazu aufgerufen, den missionarischen Geist des heiligen Bonifatius wiederzuentdecken und selbstbewusst an die Öffentlichkeit zu gehen, anstatt ängstlich und defensiv die Grenzen abzustecken, sich in die sakrale Nische der Tradition zurückzuziehen und den allgemeinen Niedergang zu beklagen. „Bekennermut ist heute in unserer Welt gefragt, nicht Indifferentismus, feige Gleichgültigkeit und Anpassung an den Zeitgeist“, gab der Oberhirte in seiner Predigt in einem Pontifikalamt aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Charismatischen Erneuerung zu bedenken. In einer Zeit großer Umbrüche und tiefer Veränderungen habe der hl. Bonifatius mit seinen Klostergründungen „Inseln der geistigen und geistlichen Stabilität“ geschaffen. „Ich bin dankbar, dass wir solche geistlichen Zellen bis heute haben. Viele suchende Menschen klopfen dort an und bitten um Begleitung und Orientierung.“ Der Bischof gab seinem Wunsch Ausdruck, „dass sich mehr vom Geist Gottes neu ansprechen und begeistern lassen, sich am Evangelium grundsätzlich orientieren und so wirksamer Sauerteig unserer Gesellschaft werden“. Nur Begeisterte könnten andere begeistern und nur selbst Überzeugte andere überzeugen. Den Anfang eines solchen geistlichen Prozesses finde man nicht selten in den Hauskirchen und Geistlichen Gemeinschaften.

Die Christen in Deutschland seien der Analysen und Diagnosen der Glaubens- und Kirchenkrise längst müde. Bischof Algermissen empfahl zu Beginn seiner Predigt, in die Schule des großen Glaubenszeugen Bonifatius zu gehen. Seit Jahrhunderten suchten Menschen an seinem Grab in der Krypta des Fuldaer Domes neue Ausrichtung und Orientierung. Als junger Mann im benediktinischen Geist in Exeter erzogen, begeisterte sich Winfrid-Bonifatius für die Botschaft des Evangeliums. Nachdem er in verschiedenen Klöstern seines Heimatlandes segensreich gewirkt hatte, fühlte er sich gedrängt, Anfang des 8. Jahrhunderts in den friesischen, sächsischen und thüringischen Missionsgebieten den Glauben zu verkünden. An Bonifatius fielen vor allem seine Standfestigkeit und Furchtlosigkeit auf. „So sehr es ihm um die Gewinnung der Menschen für Christus geht, er biedert sich nicht an, schließt keine faulen Kompromisse. Wo es um die Substanz seiner Botschaft geht, ist er klar und unnachgiebig. Da lässt er es auf eine Machtprobe ankommen, da muss die Donar-Eiche bei Fritzlar gefällt werden, um unmissverständlich deutlich zu machen: Es darf neben dem einen Gott keine anderen Götter geben.“

Eine Entscheidung für Gott und gegen die Götzen der Zeit sei auch heute eine Entscheidung gegen den Trend, hob der Bischof hervor. Es sei für Christen nicht leicht, im Freundes- oder Kollegenkreis im Abseits zu stehen, weil man an der eigenen Glaubenspraxis, an christlichen Werten und Überzeugungen festhalte. „Mir macht der Pragmatismus und Populismus große Sorge, mit dem in unserer Gesellschaft, in Medien, Wissenschaft und Politik insbesondere das menschliche Leben an seinem Anfang wie an seinem Ende in Frage und zur Disposition gestellt wird.“ Die sei nicht nur beim Skandal des Schwangerschaftsabbruchs der Fall, sondern auch bei der bedenklichen Entwicklung in der Gentechnik, Biomedizin und Euthanasie. Man habe das Geschöpf vom Schöpfer und dessen Naturgesetzen gelöst und es zum Material gemacht.

Der heilige Bonifatius habe sich an die Institution des Papsttums gebunden und sei zum Zeugen für den Nachfolger Petri in Rom geworden. Auch heute bräuchten Christen „ein weltoffenes und im ursprünglichen Sinn des Wortes katholisches wie apostolisches Christentum dringend“. Die Gemeinschaft mit dem Nachfolger des hl. Petrus sei deshalb nicht etwa ein Handicap, sondern ganz im Gegenteil die eigentliche Stärke unserer Kirche, da sie die Einheit der Christen garantiere. „Der Glaube an Jesus Christus ist in vielen Menschen nicht mehr verankert. Bindungen werden aufgegeben, verbindliche Werte in Frage gestellt, Gebote lächerlich gemacht.“ Da sei es für Christen wichtig, eindeutige Orientierung zu finden. „Suchen Sie bitte je neu die Nähe zu Jesus Christus und zur Kirche und lassen Sie uns teilhaben an Ihrem Erfahrungsschatz!“, rief Algermissen den Mitgliedern der Charismatischen Bewegung zu. Die Welt habe sich seit der Zeit des Apostels der Deutschen grundlegend gewandelt, und sie sei heute in einem tiefen Wandel begriffen. „Das Glaubensfundament, das er legte, ist aber bleibend gültig. Es ist das einzige, auf das wir unsere Zukunft bauen können. Die Freundschaft mit Jesus Christus, die uns Bonifatius vermittelte, trägt und hält uns, ist Stütze und Stärke, die beste Orientierung auf dem Weg in die Zukunft“, schloss der Oberhirte.

Archivfoto Bischof Algermissen




Foto Bischof Algermissen (c) Bistum Fulda