01 Dezember 2017, 12:00
Das Kreuz
 
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Das Kreuz wühlt auf, eckt an, fordert heraus - auch heute noch. Mit dem Wort Gottes, das fleischgeworden an diesem Kreuz hing, können wir die Lügen des Feindes zerschmettern - BeneDicta am Freitag von Inka Hammond

Linz (kath.net)
Mein Sohn liebt das Holzkreuz, das neben unserem Esstisch hängt und er nimmt es gerne in die Hand. Am Anfang habe ich es ihm gegeben, ganz gerührt von dieser kindlichen Spiritualität. Vor kurzem allerdings, ein paar Minuten nachdem ich ihm das Kreuz wieder vorsichtig in die Hand legte, hörte ich ihn in wildes Kampfgeschrei ausbrechen. Erschrocken eilte ich zu ihm und fragte ihn, was denn nur los sei? Seine simple Antwort: ‚Mama, ich kämpfe.‘ Ich, etwas pikiert: ‚Was denn…mit dem Kreuz?!‘ ‚Na, Mama, das sieht doch aus wie ein Schwert.‘

Wir haben dann geklärt, dass er zum Ritter spielen doch bitte seine Spielzeugschwerter verwenden soll, aber als ich das Kreuz wieder an seinen Platz an der Wand platzierte, fiel es mir auch auf: das Kreuz sieht aus wie ein Schwert, die Spitze in den Boden gerammt. In meinem Kopf schwirrten plötzlich verschiedene Filmszenen durcheinander. Mel Gibson, der als William Wallace im Film ‚Braveheart‘ sein blutbesudeltes Schwert in den Boden rammt. Oder Robin Hood, der mit seinem Schwert den Armen zu Gerechtigkeit verhilft.

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Jesus hing an einem Kreuz, das aussieht wie ein Schwert. In den Boden gerammt, markiert es eine Grenze. Der Tod verlor seine Macht an jenem Tag, es wurde verheißenes Land für uns erobert, die Auferstehungskraft in greifbarer Nähe und heute für jeden der glaubt, erfahrbar.

Das roh gezimmerte, mit Blut bespritzte Holzkreuz von damals, ist heute Symbol für Gnade und Freiheit und Leben und Sieg. Zu oft aber hängt es lediglich als Staubfänger in der Zimmerecke, als dass es zu mutigem Kampf gegen Unrecht und Dunkelheit anspornt. Die Geschichte von Braveheart erzählt von einem Mann, der unterdrückt war. Der sich angepasst hat, der schlimmes Unrecht erlebt hat und der einer Übermacht von Feinden gegenüber stand. Es gab bei ihm einen Schlüsselmoment, wo er seine Lethargie fallen ließ und zum Kampf gegen das Böse aufstand. Wo vorher Zögern war, war nun Entschlossenheit, wo vorher Angst war, war nun Mut.

Was passiert mit uns, wenn wir das Kreuz ansehen? Bleiben wir in unserer Bequemlichkeit oder rührt sich in uns heiliger Ärger, eine himmlische Rastlosigkeit, eine gottgegebene Unzufriedenheit? Wollen wir lieber unser Leben beschaulich haben oder lassen wir uns von diesem Kreuz, von der Heldentat Jesu, dazu hinreißen unser Leben selbst hinzugeben, dass diese wunderbare Nachricht vom Kreuz so viele wir nur möglich erreicht? Wird das Kreuz zu unserem Schlüsselmoment? Begreifen wir, dass die Wahrheit vom Kreuz uns frei macht – nicht, um unser Leben so angenehm wir nur möglich zu gestalten, sondern um hinauszugehen in diese dunkle, kalte Welt, die vom Kreuz hören muss?

Kein guter Kriegsherr sendet seine Soldaten in die Schlacht ohne sie gut auszurüsten. Wir kämpfen nicht ‚gegen Menschen aus Fleisch und Blut, sondern gegen Mächte und Gewalten, gegen die Weltherrscher dieser Finsternis, gegen die bösen Geister in den himmlischen Bereichen.‘ (Epheser 6,12). Paulus ermutigt in den darauffolgenden Versen die Gläubigen dazu, die Waffenrüstung Gottes anzulegen. In Vers 17 schreibt er: ‚…und nehmt das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.‘ Wir wissen, Jesus ist das Wort Gottes. Jesus ist lebendig und kräftig und schärfer als ein zweischneidiges Schwert (Hebräer 4, 12). Johannes sieht in der Offenbarung Jesus, eine mächtige und gewaltige Vision und beschreibt, wie aus dem Mund Jesu ein Schwert kam (Offenbarung 1, 16).

Und Jesus, unser allmächtiger Jesus, hing an diesem Kreuz, das in seiner Form an ein Schwert erinnert. Scheinbar hilflos und ausgeliefert und doch gerade im Begriff die Welt zu retten. Wenn wir Christen kämpfen, dann schaut das in den Augen der Welt oft wie verlieren aus. Wir werden belächelt, wenn wir barmherzig sind, wir werden übersehen, wenn wir dem Geringsten dienen, wir werden verspottet, wenn wir an der Wahrheit festhalten. Aber im Geist schwingen wir das Schwert und die Dunkelheit muss weichen. Gott hat das Schwache erwählt, um das Starke zu erniedrigen (1. Korintherbrief 1, 27). Wir müssen nicht stark sein, um für Jesus zu kämpfen. Nur gewiss, dass wir erlöst sind.

Das Kreuz wühlt auf, eckt an, fordert heraus - auch heute noch. Mit dem Wort Gottes, das fleischgeworden an diesem Kreuz hing, können wir die Lügen des Feindes zerschmettern. Wir können kämpfen - für uns ganz persönlich, indem wir die Wahrheiten des Wortes Gottes über uns aussprechen und für die Welt, indem wir ohne Angst dienen und lieben und die Botschaft vom Kreuz aussprechen. Wir dürfen nie vergessen, welche Macht, welche Durchschlagskraft die Botschaft vom Kreuz hat. Nichts muss die Welt um uns herum heute dringender hören und erleben. Das Schwert ist wertlos, wenn es in der Zimmerecke lehnt. Das Schwert muss zielgerichtet geschwungen werden.

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