17 Dezember 2017, 11:00
„Die Mission ist das Thermometer der Kirche”
 
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Präsident der Päpstlichen Missionwerke Dal Toso wurde zum Bischof geweiht – Fides-Interview mit dem aus Südtirol stammenden Bischof

Vatikanstadt (kath.net/Fides/red) „Wenn Jesus das Reich Gottes ankündigt, dann erinnert er daran, dass das Reich Gott gehört: wie Benedikt XVI. in seiner Jesus-Trilogie schreibt, handelt es sich um ein Genitivattribut. Das Reich gehört weder dem Menschen noch der Kirche, obschon sie dessen wirksames Zeichen ist, obschon sie dessen lebendiges Zeichen ist, wie das Konzil betont. Es ist Gott, der die Herzen dazu bewegt, das Evangelium zu verkünden. Der Heilige Geist hat in der Geschichte der Kirche bei vielen Missionaren die Begeisterung geweckt und er tut dies auch heute noch: je mehr wir die Zugehörigkeit zu Christus pflegen, umso mehr Kräfte entstehen für die Verkündigung der Frohbotschaft”, sagt der von Papst Franziskus zum Präsidenten der Päpstlichen Missionswerke ernannte Erzbischof Giampietro Dal Toso am Vorabend seiner Bischofsweihe am 16. Dezember im Petersdom im Gespräch mit dem Fidesdienst.

Dal Tosa wurde in norditalienischen Vicenza geboren und wuchs in der Diözese Bozen (Südtirol) auf. Die Bischofsweihe wurde ihm vom Kardinalpräfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Fernando Filoni, gespendet. Die Mitkonsekratoren waren Ivo Muser, Bischof von Dal Tosos Heimatdiözese Bozen-Brixen, und Paul Josef Kardinal Cordes, emeritierter Präsident des Päpstlichen Rates „Cor Unum“.

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Fides: Exzellenz, welcher Geist und welche Wünsche prägen den Beginn Ihres Amtes als Präsident der Päpstlichen Missionswerke?

Erzbischof Dal Toso:
Ich bin Papst Franziskus sehr dankbar, dass er mir dieses Amt anvertraut hat, das ich mit großer Freude ausübe. Ich freue mich, denn die Mission liegt mir sehr am Herzen. Ich hatte bereits in der Vergangenheit mehrfach Gelegenheit Territorien kennen zu lernen, für die die Propaganda Fide zuständig ist, aber darüber hinaus, glaube ich, dass die Mission in gewisser Weise das Thermometer für den Zustand der Kirche ist. Die Vorstellung, dass ich einen Beitrag zur Gestaltung der missionarischen Dimension der Kirche leisten kann, betrachte ich als großes Privileg.

Fides: Welche Erfahrungen haben Sie in den „Missionsgebieten” gemacht?

Dal Toso:
In der Vergangenheit war ich für den Päpstlichen Rat „Cor Unum“ tätig und dieser Eigenschaft bin ich mit vielen schwierigen Situationen in aller Welt in Kontakt gekommen. Zuletzt habe ich mich insbesondere mit dem Nahen Osten und der Sahelzone befasst, einer Region, die unter politischen, humanitären und religiösen Gesichtspunkten von entscheidender Bedeutung ist. Ein weiterer Kanal, der mich in die „Missionswelt” geführt hat, war das Caritas-Netzwerk „Caritas Internationalis”. Ein wichtiger Kanal, wenn es darum geht die Realität in den Ortskirchen insbesondere in Afrika und Asien besser kennen zu lernen, natürlich insbesondere von der „humanitären Seite” aus.

Fides: Mit den Päpstlichen Missionswerken werden Sie diese Kirchen von einer anderen Seite kennen lernen….

Dal Toso:
Die Päpstlichen Missionswerke sind aus zwei Gründen besonders wertvoll: an erste Stelle geben sie den jungen Kirchen die Möglichkeit, eigene Strukturen aufzubauen und Form anzunehmen, sie erhalten gewissermaßen ein Rückgrat durch die finanzielle Unterstützung für Priesterseminare, Kirchen und Ausbildung. Dies ist für eine Gemeinschaft eine wertvolle Hilfe, wenn es darum geht, die eigene Stabilität aufzubauen. Eine weitere Aufgabe ist die Sensibilisierung für die Mission: finanzielle Unterstützung ist nur dort sinnvoll, wo sie sich in einen größeren Rahmen einordnet, der den Wunsch nach der Verkündigung des Evangeliums umfasst. Als die Päpstlichen Missionswerke im XIX. Jahrhundert in Frankreich gegründet wurden, bestand die ursprüngliche Idee darin, dass bei allen Getauften das Missionsbewusstsein geweckt werden sollte, woraus sich dann die finanzielle Unterstützung der Missionen entwickelte. Die Päpstlichen Missionswerke sollen auch in der heutigen Zeit diese beiden Aspekte fördern und sind deshalb äußerst aktuell.

Fides: Wir sind auf dem Weg zu dem von Papst Franziskus angekündigten Außerordentlichen Missionsmonat Oktober 2019: Welche Ziele und Perspektiven verfolgt diese Initiative?

Dal Toso:
Ich bin überzeugt, dass der außerordentliche Missionsmonat für die ganze Kirche eine besondere Gelegenheit darstellt und ich wünsche mir, dass wir uns in dieser Zeit, in den unterschiedlichen Formen über die wir nachdenken, der weltkirchlich Gestaltung dieser Initiative widmen, denn sie ist eine wertvolle Gelegenheit für die Neubelebung des missionarischen Geistes: so will es der Papst und so wollen wir es. Wir befinden uns in der Vorbereitungsphase und es wäre wünschenswert, dass diese Initiative nicht als „zentral geleitet” wahrgenommen wird, sondern dass alle Ortskirchen sich aktiv beteiligen, denn die Mission ist von entscheidender Bedeutung für die ganze Kirche und ist nicht nur ein Thema für einige wenige Experten. Der Außerordentliche Missionsmonat impliziert die Beteiligung aller Gläubigen. Vom selben Geist geprägt entstand auch der Weltmissionssonntag, der hervorhebt, dass die Mission eine Berufung des ganzen Gottesvolkes ist und dass jeder Getaufte dafür Verantwortung trägt.

Fides: Wie interpretieren Sie heute während des Pontifikats von Papst Franziskus das Konzept der „Mission”? Mit welchen Akzente und Besonderheiten?

Dal Toso:
Die Bedeutung des Begriffs „Mission” ist prägnant und hat sich weiterentwickelt: mit Papst Franziskus erlebe und interpretiere ich sie mit der Vorstellung vom verlorenen Schaf. Der Papst bittet uns, Hirten zu sein. Mission bedeutet in der heutigen Zeit, dass wir berufen sind, nach den verlorenen Schafen zu suchen.

Eine „Kirche im Aufbruch” ergreift die Initiative und sucht nach denen, die fern sind von Gott und in ihrem Herzen eine Leere spüren, die gefüllt werden muss. Das Bild vom verlorenen Schaft ist insofern nützlich, als ein Schaf eine Weide braucht, da es sonst nicht überleben kann. Und so brauchen die Menschen heute eine Weide, die Gott ist, sein Wort, seine Sakramente, denn sonst werden sie nicht überleben, auch wenn sie glauben, dass sei es können. Aus diesem Grund, ist die Mission „ad gentes”, wie das Zweite Vatikanische Konzil hervorhob, auch heute noch gültig, denn es gibt Menschen und Völker, die Jesus Christus noch nicht kennen. Doch dies gilt auch in Regionen, in denen das Evangelium bereits präsent ist. Das Zeugnis vom Ostergeheimnis Jesu ist die wahre Verkündigung und schenkt allen das neue, göttliche und ewige Leben.

Fides: Die Mission ist nicht das Ergebnis menschlicher Anstrengungen….

Dal Toso:
Wenn Jesus das Reich Gottes ankündigt, dann erinnert er daran, dass das Reich Gott gehört: wie Benedikt XVI. in seiner Jesus-Trilogie schreibt, handelt es sich um ein Genitivattribut. Das Reich gehört weder dem Menschen noch der Kirche, obschon sie dessen wirksames Zeichen ist, obwohl sie dessen lebendiges Zeichen ist, wie das Konzil betont. Es ist Gott, der die Herzen dazu bewegt, das Evangelium zu verkünden. Der Heilige Geist hat in der Geschichte der Kirche bei vielen Missionaren die Begeisterung geweckt und er tut dies auch heute noch: je mehr wir die Zugehörigkeit zu Christus pflegen, umso mehr Kräfte entstehen für die Verkündigung der Frohbotschaft. Wir haben über viele Jahrhunderte gesehen, wie Missionare in unbekannte Gebiete aufbrachen, oft ohne zu wissen, was sie dort erwartet und sie haben dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt. Der Heilige Geist hat bei ihnen den Wunsch geweckt, das Evangelium zu bezeugen und zu verkünden. Dies ist der Schlüssel für das Neuerwachen des Missionsbewusstseins: die Verkündigung des Evangeliums ist ein Werk des Heiligen Geistes. Wenn die Kirche sich vom Heiligen Geist inspirieren lässt, dann sorgt sie dafür, dass das Evangelium verkündet wird. Der Papst benutzt den Begriff „primear” wenn es um den Primat Gottes geht: das Reich gehört ihm, er wird uns die Gnade der Verkündigung schenken.

Fides: Gibt es einen Heiligen oder einen Missionar, an dem Sie sich besonders inspirieren?

Dal Toso:
Ich möchte in diesem Zusammenhang ein Ereignis und zwei Heilige nennen. Vor einigen Tagen besuchte ich in Senegal das Kloster Keur Moussa, das von französischen Benediktinern zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegründet wurde. Im dortigen Friedhof gibt es Gräber von Mönchen, die alle im Alter zwischen 30 und 35 Jahren starben und die wahrscheinlich bereits bei ihrer Abreise aus Frankreich wussten, dass sie in diesem Land nur wenige Jahre leben würden: doch sie trugen in ihrem Herzen etwas, das größer war, als ihr eigenes Leben, und sie sind ein Beispiel dafür, das jemand sein Leben hingibt, um Jesus zu dienen.

Zu den Heiligen, an die ich erinnern möchte, gehört der heilige Franz von Assisi, der ohne Angst nach Ägypten aufbrach und dort ganz einfach mit dem Sultan über seinen Glauben und den Frieden Christi sprach.

Und natürlich trage ich in meinem Herzen einen Missionar aus meiner Heimat-Diözese Bozen-Brixen, den Heiligen Josef Freinademetz: er war einer der ersten Steyler Missionare und ging als Missionar nach China, wo er sein ganzes Leben verbrachte und von den Chinesen für sein vorbildliches Leben bewundert wurde. Er wurde in einer wunderbaren Umgebung geboren, doch er spürte in sich ein Feuer, das ihn dazu drängte, in die Ferne zu gehen. Freinademetz lässt uns verstehen, dass der Schatz des Glaubens zu groß ist, um ihn für uns alleine zu behalten.

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