19 Dezember 2017, 08:30
Vatikan fasst Regeln zum Umgang mit Reliquien neu
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Heilige'
Instruktion richtet sich an Bischöfe und soll helfen, Echtheit von Reliquien sicherzustellen und den Umgang mit ihnen zu klären

Vatikanstadt (kath.net/KAP) Der Vatikan hat den kirchlichen Umgang mit Reliquien präzisiert. Dazu veröffentlichte die zuständige Vatikanbehörde für Heiligsprechungen am Wochenende eine zehnseitige Instruktion, die sich speziell an Bischöfe richtet. Sie soll helfen, die Echtheit von Reliquien sicherzustellen und den Umgang mit ihnen zu klären. So ist etwa eine eigene vatikanische Genehmigung erforderlich, um dem Leichnam eines Verstorbenen, der selig- oder heiliggesprochen werden soll, Gliedmaßen zu entnehmen. Strengstens verboten bleiben der Verkauf und der Handel mit Reliquien. Im Kirchenrecht von 1983 regelt dies Canon 1090.

Werbung
syrien1


Reliquien - vom lateinischen "reliquiae" abgeleitet - sind wörtlich "Überreste". Gemeint sind die sterblichen Überreste von als heilig verehrten Personen. Weiter gefasst fallen darunter aber auch Kleidungsstücke und Gebrauchsgegenstände der Betreffenden oder Marterwerkzeuge, ja selbst Dinge, die beispielsweise mit den Gebeinen eines Heiligen in Berührung kamen.

Die neue Instruktion mit dem Titel "Die Reliquien in der Kirche: Echtheit und Aufbewahrung" erklärt im einzelnen, wie Bischöfe kirchenrechtlich korrekt mit Bitten zur Anerkennung von Reliquien umgehen sollen. Zudem regelt sie, was bei der Aufbewahrung, Entnahme und Überstellung von Reliquien zu beachten ist. Der Bischof, so die Instruktion, ist in diesen Dingen letztverantwortlich - allerdings stets in Absprache mit der vatikanischen Heilig- und Seligsprechungskongregation. So dürfen Reliquien von Seligen und Heiligen nur dann öffentlich zur Verehrung ausgestellt werden, wenn die kirchlich Verantwortlichen dies genehmigt haben und ihre Echtheit garantieren.

In ihrer Einführung erläutert die Instruktion weiter den Unterschied zwischen Primär- und Sekundärreliquien. Primäre Reliquien sind die Leichname von Seligen oder Heiligen, Körperteile von diesen oder die komplette Asche ihrer verbrannten Körper. Als Sekundärreliquien hingegen gelten kleinere Körperteile oder Objekte, die unmittelbar von ihnen berührt und benutzt worden sind. Auch sie sollen in würdiger Weise und mit religiöser Ehrfurcht aufbewahrt und behandelt werden, "um jeden Anschein von Aberglauben oder Schacherei zu vermeiden".

Entsprechend müsse mit den sterblichen Überresten von Menschen umgegangen werden, für die ein Heilig- oder Seligsprechungsverfahren im Gang sei. Bis zu einer Entscheidung im Verfahren dürfen diese Überreste allerdings nicht zur öffentlichen Verehrung ausgestellt werden.

Die jetzt vorgelegte Instruktion ersetzt einen Anhang der Instruktion "Sanctorum Mater" ("Mutter der Heiligen") von 2008. Diese Richtlinie zu Seligsprechungsverfahren erinnerte an bestehende Normen und wollte juristische Abläufe zwischen dem Vatikan und den Bischöfen verbessern. Das Papier gab damals im Wesentlichen zwei unter Papst Johannes Paul II. verabschiedete Bestimmungen zu Seligsprechungen aus dem Jahr 1983 wieder. Bischöfe hätten diese Regeln jedoch oft unzureichend beachtet.

Copyright 2017 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten
Foto: Symbolbild

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!











Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben


 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram
meist kommentierte Artikel

"Wir werfen Ihnen vor, Ihr geistliches Amt zu missbrauchen!" (157)

Kardinal Marx gegen Begriff "christliches Abendland" (58)

Europäischer Gerichtshof zum deutschen „Homeschooling“-Verbot (54)

Ex-Vatikandiplomat fordert McCarrick zu öffentlicher Reue auf (36)

Nackte 'Pieta' und Lesbenbild im Pfarrhof des Wiener Stephansdoms (34)

Johannes Hartl: „Auch Christen können Depressionen haben“ (31)

Strebt die Mehrheit der deutschen Diakone ein Schisma an? (29)

Marx verleugnet zum wiederholten Mal das Christentum (25)

Kardinal Wuerl wusste seit 2004 von Missbrauchsfällen durch McCarrick (25)

Geld regiert die Kirchenwelt (22)

Kroatischer Bischof schoss versehentlich anderen Jäger an (21)

'Wir haben keine Meinungsfreiheit in Deutschland!' (20)

'Innerlich über das Gehörte fast ein bissl erschüttert' (19)

Polen: 38 Prozent der Katholiken nehmen an Sonntagmesse teil (18)

Ungeborenes Kind bei Messerattacke durch Asylwerber ermordet (16)