01 Januar 2018, 10:32
Unter dem Zeichen der Mutter
 
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Franziskus: Seit der Herr in Maria Mensch geworden ist, ist unser Menschsein für immer ein Teil von ihm. Die Verehrung der Mutter Gottes keine spirituelle Anstandsregel, sondern eine Notwendigkeit christlichen Lebens. Die Predigt im Wortlaut

Rom (kath.net) Am Hochfest der Gottesmutter Maria feierte Papst Franziskus die heilige Messe in der Petersbasilika. Am 1. Januar 2018 wird auch der 51. Weltfriedenstag begangen, der dieses Jahr unter dem Thema steht: „Migranten und Flüchtlinge: Menschen auf der Suche nach Frieden“.

„Seit der Herr in Maria Mensch geworden ist, ist unser Menschsein für immer ein Teil von ihm. Gott gibt es nicht mehr ohne sein Menschsein. Der menschliche Leib, den Jesus von seiner Mutter bekam, ist auch jetzt sein Leib und wird es immer bleiben. Daran erinnern wir uns, wenn wir Mutter Gottes sagen: Gott ist der Menschheit nahe wie ein Kind seiner Mutter, die es in ihrem Schoß trägt.“

„Das Wort Mutter (mater), verweist auch auf das Wort Materie. In seiner Mutter hat sich der Gott des Himmels, der unendliche Gott, klein gemacht, zu Materie, um nicht nur mit uns, sondern auch wie wir zu sein. Dies ist das Wunder, die Neuheit: Der Mensch ist nicht mehr allein; er ist nie mehr Waise, er ist für immer Sohn oder Tochter.“

„Vor der Krippe stehend entdecken wir von neuem, dass wir geliebt sind, und dort verkosten wir den unverfälschten Sinn des Lebens. Im schweigenden Betrachten lassen wir zu, dass Jesus zu unserem Herzen spricht: dass seine Kleinheit unseren Hochmut überwindet, dass seine Armut unser Schwelgen stört, dass seine Zärtlichkeit unser verhärtetes Herz anrührt. Wenn wir uns jeden Tag einen Moment Zeit nehmen, um mit Gott zu schweigen, bewahren wir unsere Seele, bewahren wir unsere Freiheit vor den zersetzenden Banalitäten des Konsums und vor der Betäubung durch die Werbung, vor der Verbreitung leerer Worte und den beunruhigenden Wogen des Klatsches und des Lärms.“

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„Die Verehrung der Mutter Gottes ist keine spirituelle Anstandsregel, sie ist eine Notwendigkeit christlichen Lebens. Der Blick auf die Mutter ermutigt uns, viel unnötigen Ballast abzuwerfen und das wieder zu entdecken, was zählt. Das Geschenk der Mutter, das Geschenk jeder Mutter und jeder Frau ist so wertvoll für die Kirche, die Mutter und Frau ist. Während der Mann oft abstrahiert, Behauptungen aufstellt und Ideen durchsetzt, ist die Frau und Mutter in der Lage, zu bewahren, im Herzen zu verbinden und zu beleben.“


kath.net veröffentlicht die Predigt von Papst Franziskus zur heiligen Messe am Hochfest der Gottesmutter Maria im Wortlaut:

Der Jahresbeginn steht unter dem Zeichen der Mutter. Mutter Gottes ist der wichtigste Titel Marias. Aber nun könnte die Frage auftauchen: Warum sagen wir Mutter Gottes und nicht Mutter Jesu? In der Vergangenheit hatten manche verlangt, man möge sich eben darauf beschränken; aber die Kirche hat daran festgehalten: Maria ist Mutter Gottes. Dafür dürfen wir dankbar sein, denn diese Worte enthalten eine wunderbare Wahrheit über Gott und über uns: Seit der Herr in Maria Mensch geworden ist, ist unser Menschsein für immer ein Teil von ihm. Gott gibt es nicht mehr ohne sein Menschsein: Der menschliche Leib, den Jesus von seiner Mutter bekam, ist auch jetzt sein Leib und wird es immer bleiben. Daran erinnern wir uns, wenn wir Mutter Gottes sagen: Gott ist der Menschheit nahe wie ein Kind seiner Mutter, die es in ihrem Schoß trägt.

Das Wort Mutter (mater), verweist auch auf das Wort Materie. In seiner Mutter hat sich der Gott des Himmels, der unendliche Gott, klein gemacht, zu Materie, um nicht nur mit uns, sondern auch wie wir zu sein. Dies ist das Wunder, die Neuheit: Der Mensch ist nicht mehr allein; er ist nie mehr Waise, er ist für immer Sohn oder Tochter. Mit dieser Neuheit beginnt das Jahr. Und wir bekennen dies, indem wir sagen: Mutter Gottes! Es ist unsere Freude, zu wissen, dass unsere Einsamkeit überwunden ist. Es ist schön, zu wissen, dass wir geliebte Söhne und Töchter sind und dass uns diese Kindschaft niemals genommen werden kann.

Wir dürfen uns in dem schwachen Gott, dem Kind im Arm der Mutter, selbst wiedererkennen und sehen, dass die Menschheit dem Herrn lieb und heilig ist. Dem menschlichen Leben zu dienen bedeutet deshalb Gott zu dienen, und jedes Leben, vom Mutterleib an bis ins hohe Alter, auch das leidende und kranke Leben, wie unbequem oder gar widerwärtig es auch sein mag, ist anzunehmen, zu lieben und zu unterstützen.

Lassen wir uns jetzt vom Evangelium des heutigen Tages leiten. Von der Mutter Gottes wird nur ein Satz gesagt: »Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen« (Lk 2,19). Sie bewahrte. Ganz schlicht – sie bewahrte. Maria spricht nicht, das Evangelium überliefert in der ganzen Weihnachtsgeschichte nicht ein Wort von ihr. Auch darin ist die Mutter eins mit ihrem Sohn: Jesus ist ein Kleinkind, infans, was so viel bedeutet wie „ohne Worte“. Er, das Wort, das Wort Gottes, das »vielfältig und auf vielerlei Weise […] einst zu den Vätern gesprochen« (Heb 1,1) hat, ist jetzt, als »die Zeit erfüllt war« (Gal 4,4), stumm.

Der Gott, vor dem man schweigt, ist ein Kind, das nicht spricht. Seine Herrschaft ist ohne Worte, sein Geheimnis der Liebe offenbart sich in der Kleinheit. Diese stille Kleinheit ist die Sprache seines Königtums. Die Mutter tut es ihrem Sohn gleich und bewahrt alles im Schweigen.

Dieses Schweigen sagt uns, dass auch wir die Stille brauchen, wenn wir etwas bewahren wollen. Es ist notwendig, schweigend die Krippe zu betrachten. Denn vor der Krippe stehend entdecken wir von neuem, dass wir geliebt sind, und dort verkosten wir den unverfälschten Sinn des Lebens. Im schweigenden Betrachten lassen wir zu, dass Jesus zu unserem Herzen spricht: dass seine Kleinheit unseren Hochmut überwindet, dass seine Armut unser Schwelgen stört, dass seine Zärtlichkeit unser verhärtetes Herz anrührt. Wenn wir uns jeden Tag einen Moment Zeit nehmen, um mit Gott zu schweigen, bewahren wir unsere Seele, bewahren wir unsere Freiheit vor den zersetzenden Banalitäten des Konsums und vor der Betäubung durch die Werbung, vor der Verbreitung leerer Worte und den beunruhigenden Wogen des Klatsches und des Lärms.

Maria bewahrte, so fährt das Evangelium fort, alle diese Worte und erwog sie. Worüber dachte sie nach? Es waren Freuden und Schmerzen: auf der einen Seite die Geburt Jesu, die Liebe Josefs, der Besuch der Hirten, jene Nacht des Lichts. Aber auf der anderen Seite war da auch eine unsichere Zukunft, das Fehlen einer Wohnstatt, »weil in der Herberge kein Platz für sie war« (Lk 2,7); die Trostlosigkeit der Abweisung; die Enttäuschung darüber, Jesus in einem Stall auf die Welt gebracht haben zu müssen. Hoffnungen und Ängste, Licht und Schatten: all diese Dinge bewegten das Herz Marias.

Und was hat sie getan? Sie hat alles erwogen, meditiert, das heißt, sie hat alles in ihrem Herzen Gott übergeben. Nichts hat sie für sich behalten, nichts hat sie in Einsamkeit verschlossen oder in Verbitterung ertränkt, alles hat sie vor Gott gebracht. So hat sie alles bewahrt. Man bewahrt etwas, indem man es Gott anvertraut: indem man das Leben nicht der Angst und der Trübsal oder dem Aberglauben als Beute überlässt, indem man sich nicht in sich selbst verschließt oder zu vergessen versucht, sondern indem man alles in einen Dialog mit Gott münden lässt. Und dann kommt Gott, dem wir am Herzen liegen, um in unserem Leben Wohnung zu nehmen.

Dies also sind die Geheimnisse der Mutter Gottes: alles im Schweigen zu bewahren und es vor Gott zu bringen. Dies geschah, so schließt das Evangelium, in ihrem Herzen. Das Herz lenkt unseren Blick auf das Innere der Person, der Gefühle, des Lebens. Auch wir, die wir als Christen unterwegs sind, verspüren am Beginn dieses Jahres die Notwendigkeit, neu von der Mitte her aufzubrechen, die Last der Vergangenheit abzulegen und wieder mit dem zu beginnen, was zählt.

Und heute stehen wir vor diesem Ausgangspunkt, der Mutter Gottes. Maria ist nämlich genau so, wie Gott uns will, wie er seine Kirche will: sie ist eine zärtliche Mutter, demütig, arm an materiellen Dingen, aber reich an Liebe, frei von Sünden, vereint mit Jesus, sie bewahrt Gott in ihrem Herzen und den Mitmenschen im Leben. Um wieder neu zu beginnen, schauen wir auf die Mutter. In ihrem Herzen schlägt das Herz der Kirche. Um voranzukommen, so sagt uns das heutige Fest, muss man zurückgehen: neu beginnen bei der Krippe, bei der Mutter, die Gott in ihren Armen hält.

Die Verehrung der Mutter Gottes ist keine spirituelle Anstandsregel, sie ist eine Notwendigkeit christlichen Lebens. Der Blick auf die Mutter ermutigt uns, viel unnötigen Ballast abzuwerfen und das wieder zu entdecken, was zählt. Das Geschenk der Mutter, das Geschenk jeder Mutter und jeder Frau ist so wertvoll für die Kirche, die Mutter und Frau ist. Während der Mann oft abstrahiert, Behauptungen aufstellt und Ideen durchsetzt, ist die Frau und Mutter in der Lage, zu bewahren, im Herzen zu verbinden und zu beleben. Damit der Glaube nicht zu einer reinen Idee oder Lehre verkommt, brauchen wir alle ein Mutterherz, das die Zärtlichkeit Gottes bewahrt und die Regungen des Menschen wahrnimmt.

Die Mutter Gottes, seine persönliche Signatur auf der Menschheit, bewahre, sie nehme dieses Jahr in ihre Obhut und bringe den Frieden ihres Sohnes in die Herzen, in unsere Herzen, und in die Welt. Und ich lade euch heute ein, sie einfach wie Kinder zu grüßen mit dem Gruß, den die Christen in Ephesus vor ihren Bischöfen an sie richteten: „Heilige Mutter Gottes!“ Sagen wir das dreimal mit dem Herzen, alle zusammen und schauen wir sie an [zur Statue neben dem Altar gewandt]: „Heilige Mutter Gottes!“








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