09 Januar 2018, 12:00
Sternenlicht aus Bethlehem: eine Sehnsucht für 2018
 
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Suchen wir auf unserem Weg immer wieder den Stern von Bethlehem, bitten wir um sein Licht, das das Göttliche Kind beschienen hat. Es möge uns Klarheit, Mut, Freundlichkeit und Wahrheit schenken - Diakrisis am Dienstag - Von Gudrun Trausmuth

Wien (kath.net)
Der Stern von Bethlehem zieht uns gleichsam von der Krippe hinüber ins Neue Jahr, ein Licht, eine Liebe, ein langer Weg … Das wenige Tage zurückliegende, gleichsam noch nachstrahlende Fest der Erscheinung des Herrn, Epiphanie, ist mir in den letzten Jahren nicht zuletzt durch einen literarischen Text nahe gekommen, Edzard Schapers (1908-1984) „Legende vom vierten König“. Schaper hat damit tatsächlich einen neuen Mythos begründet, der sich in unterschiedlichsten Varianten in der literarischen Welt manifestiert und von seinem Begründer weitgehend abgelöst hat.

Schapers „kleiner König aus Russland“ folgt dem Stern, um dem neugeborenen „Herrscher aller Welt“ zu huldigen. Kein unnahbarer, stolzer König, sondern ein einfacher und empathischer König.

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Nur einmal erliegt er der Versuchung, vor den drei andere Königen, denen er auf dem Weg einmal begegnet, etwas gelten zu wollen und verschüttet deshalb die mitgebrachten Perlen vor ihnen. Der Weg, den der Stern ihn, der alleine unterwegs ist, führt, ist lang: die anderen Gaben für das göttliche Kind verschenkt der kleine König aus Mitgefühl und Erbarmen an jeweils den, dessen Not ihn anruft.

Der kleine russische König und sein Weg zu Christus sind wie eine Allegorie auf unser Leben: Wir wollen dem Sternenlicht von Bethlehem folgen, und verlieren es doch immer wieder aus dem Blick, in den Tälern, Gebirgen und Wäldern unseres Lebens. Dem kleinen russischen König wird der Weg nach Bethlehem ein Weg nach Golgotha: Dreißig Jahre nach seinem Aufbruch kommt er auf seiner Wanderung – den Stern hat er aus dem Blick verloren - nach Jerusalem. Ein Armer in jeder Hinsicht. Auf einem Hügel, am Rande der Stadt schaut er einem Gekreuzigten in die Augen. Und mit fragloser Sicherheit erkennt der kleine König in dem Gekreuzigten „den Herrscher aller Welten“, den er einst als neugeborenes Kind verehren wollte. Der Blick und die Herzen der beiden Könige – beide gedemütigt, verkannt, geschlagen - begegnen einander in der tiefsten Tiefe ihres Seins. Und der kleine König, der alle seine Gaben verschenkt hat, schenkt dem Herrn sterbend das Letzte und doch Kostbarste, das er zu verschenken hat: sein Herz. In der wunderbaren Geschichte Schapers, die ursprünglich als Binnenerzählung in den Roman „Der vierte König“ (1961) eingelassen war, berühren Kreuz und Krippe einander geheimnisvoll, ein Holz, ein Heil, ein Schmerz, eine Hoffnung.

„Der Stern von Bethlehem ist auch heute noch ein Stern in dunkler Nacht“ sagt Edith Stein so bedeutungsvoll und schön, eines jener Worte der Karmelitin, das heute wieder oft zitiert wird. –Der wie Edith Stein in Breslau geborene und am 5. Juli 2017 über seinem Brevier entschlafene Joachim Kardinal Meisner, war zeitlebens ein Zeuge des Sterns von Bethlehem.

Erinnern wir uns an den von Meisner initiierten Weltjugendtag im August 2005 in Köln, unter dem (weihnachtlichen) Motto „Venimus adorare eum.“ ( „Wir sind gekommen um ihn anzubeten.“ nach Mt 2,2) - Dieses Motto griff ein biblisches Motiv rund um die „Heiligen Drei Könige“ auf, deren Reliquien ja auch im Kölner Dom verehrt werden. Aber schon vor seiner Zeit als Erzbischof in Köln, war Meisner der Stern von Bethlehem Licht auf seinem Weg, Licht der Klarheit und des Mutes. Meisner, der sich nie vom „realen Sozialismus“ der „DDR“ hatte beeindrucken lassen, hatte 1987 – zwei Jahre vor dem Fall der Berliner Mauer, in einer politisch sehr gefährlichen Phase, – in Dresden zu einem DDR weiten Katholikentreffen eingeladen, und 150.000 Menschen waren gekommen.

Und während der rote Stern des Kommunismus noch überall präsent war und stromgestützt beanspruchte, die Geschicke der Welt und der Menschen zu steuern, rief Meisner, mutig und ohne Menschenfurcht den Gläubigen zu: „Wir wollen keinem anderem Stern folgen, als dem Stern von Bethlehem!“

Genau diese Freiheit hatte Meisner, sowohl dem Regime der „DDR“ gegenüber wie auch gegenüber der Mediengerichtsbarkeit, der er später im wiedervereinigten Deutschland immer ausgesetzt war. War es das Licht des Sterns von Bethlehem, das ihn so wenig getrieben, so angstfrei erscheinen ließ? Meisner war immun gegen diesen so verbreiteten Zwang, sich immer gegen „Rechts“ abgrenzen zu müssen und gegen „Links“ umso toleranter zu sein. Meisner sagte, was zu sagen war, ob gelegen oder ungelegen. Das war anziehend – auch für Menschen, die „ganz woanders her“ kamen. So traf sich der Kardinal etwa immer wieder mit Alice Schwarzer, die ihm auch öffentlich Respekt für seinen Mut und Glauben zollte. - Deshalb wurde Meisner nicht Kolumnist der „Emma“ – er konnte persönliche Ebene und öffentliche Signale auseinanderhalten - und Schwarzer wurde bis jetzt (soviel ich weiß) auch nicht zur frommen Christin, aber zu gewissen gesellschaftspolitischen Themen vertritt sie seit einigen Jahren erstaunlich gute Positionen, mit seltenem Mut (vgl. etwa: https://www.youtube.com/watch?v=9D-jXMKURCs).

Ein wenig Sternenlicht für 2018? – Suchen wir auf unserem Weg immer wieder den Stern von Bethlehem, bitten wir um sein Licht, das das Göttliche Kind beschienen hat. Es möge uns Klarheit, Mut, Freundlichkeit und Wahrheit schenken.


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