17 Januar 2018, 09:30
Schüsse während der heiligen Messe
 
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Proteste in der Demokratischen Republik Kongo

München (kath.net/KIN) Weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit gerieten am Silvestertag die friedlichen Proteste katholischer Laienbewegungen in der Demokratischen Republik Kongo zu einem Blutbad: Unterschiedlichen Angaben zufolge soll es zwischen acht und zwölf Tote gegeben haben, 120 Demonstranten wurden vom Militär festgenommen.

Was hinter der neuen Gewaltwelle steckt und welche Vermittlerrolle die katholische Kirche einnimmt, darüber sprach das weltweite Päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ mit Apolinaire Cibaka Cikongo. Der Geistliche unterrichtet am Institut „Christkönig“ in Malole, einem Stadtteil von Kananga nahe der Grenze zum Nachbarland Angola. Das Gespräch führte Emmanuelle Ollivry vom französischen Nationalbüro von „Kirche in Not“.

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Emmanuelle Ollivry: Was genau ist an Silvester passiert?

Apolinaire Cibaka Cikongo:
Das katholische Laien-Komitee hatte im Anschluss an die Sonntagsgottesdienste zu Protestmärschen gegen die Regierung von Präsident Joseph Kabila aufgerufen. Einige Professoren unserer katholischen Hochschule gehörten zu den Mitorganisatoren. Hier in Malole eröffneten Polizei und Armee während der heiligen Messe das Feuer auf die Gottesdienstbesucher. Das war auch in anderen Städten so.

Anlass der Proteste war der Jahrestag des „Silvester-Abkommens“ von 2016. Es war auf Vermittlung der katholischen Kirche ausgehandelt wurden und beinhaltet den Verzicht des Präsidenten auf eine dritte Amtszeit und die Zusicherung freier Wahlen bis Ende des vergangenen Jahres. So sieht es auch die Verfassung vor. Nichts ist passiert. Stattdessen diese neue Eskalation!

Ollivry: Schwinden damit die Chancen auf eine friedliche Lösung dieser Krise?

Cikongo:
Es ist sehr schwer. Es gibt keine Opposition gegen Präsident Kabila in den Medien. Und die politische Landschaft ist hoffnungslos zersplittert. Es gibt fast 600 Parteien. Es gibt viel Chaos, wenig Einigkeit.

Die katholische Kirche in der Demokratischen Republik Kongo hat von Anfang an Stellung für verfassungsgemäße Wahlen bezogen und hat mit Präsident Kabila verhandelt. Ist sie die einzige wirksame Oppositionskraft?

Sie ist sicherlich die glaubwürdigste Institution des Landes. Damit steht sie natürlich auch in der Schusslinie. Aber es ist notwendig, dass die Kirche klar Stellung bezieht. Sonst würde es niemand anders wagen, zu protestieren.

Ollivry: Deshalb also auch die Protestaktion vom 31. Dezember?

Cikongo:
Der innere Druck gegen die Regierung reicht nicht aus. Es muss auch äußeren Druck geben. Präsident Kabila kam dank seiner ausländischen Schirmherren an die Macht: Großmächte wie beispielsweise Indien und China stützen ihn; genauso internationale Großkonzerne, die dafür die Kontrolle über internationale Bodenschätze erhalten. So lange diese „Sponsoren“ nichts tun, wird es keinen Ausweg aus der Krise geben.

Ollivry: Fühlen Sie sich von der internationalen Gemeinschaft im Stich gelassen?

Cikongo:
Die Welt weiß, was im Kongo vor sich geht. Aber da unser Leid den materiellen Annehmlichkeiten anderer Länder dient, schweigen sie. Es gibt eine Komplizenschaft des Schweigens.

„Kirche in Not“ ist den Christen der Demokratischen Republik Kongo seit Jahrzehnten verbunden. Das Hilfswerk fördert die Ausbildung von Seminaristen, unterstützt Priester, die über wenig bis gar kein Einkommen verfügen, mit Mess-Stipendien, fördert kirchliche Angebote in der Ehe- und Familienpastoral und finanziert den Bau von Kirchen, Seminaren und Gemeindezentren. Um weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden:

Kirche in Not Deutschland

Kirche in Not Österreich

Kirche in Not Schweiz

Foto: Priester versucht die Protestierenden vor dem Militär zurückzudrängen (c) Kirche in Not







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