28 Januar 2018, 11:00
Weg zur Seligsprechung der Mönche von Tibhirine ist frei
 
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Papst unterzeichnete Dekrete für das Seligsprechungsverfahren von 19 ermordeten algerischen Ordensleuten, der französischen Schriftstellerin und Mystikerin Madeleine Debrel und der rumänischen Märtyrerin Veronica Antal.

Vatikanstadt (kath.net/ KAP)
Papst Franziskus hat das Martyrium von 19 Ordensleuten anerkannt, die zwischen 1994 und 1996 in Algerien ermordet worden sind. Unter ihnen sind die sieben Trappisten des Klosters von Tibhirine und der frühere Bischof von Oran, Pierre Claverie (1938-1996). Wie der Vatikan am Samstag mitteilte, unterzeichnete der Papst am Freitag die Dekrete, mit denen mehrere Seligsprechungsverfahren fortgesetzt werden können. Neben den Märtyrern in Algerien gilt dies auch für sieben weitere Verfahren, darunter das für die französische Schriftstellerin und Mystikerin Madeleine Debrel (1904-1964) und die rumänischen Märtyrerin Veronica Antal (1935-1958).

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Die sieben französischen Trappisten des Klosters Notre-Dame de l'Atlas im Norden Algeriens waren während des Bürgerkriegs Ende März 1996 entführt worden. Ihre abgetrennten Köpfe wurden Ende Mai desselben Jahres aufgefunden. Zu der Tat bekannte sich eine terroristische Splittergruppe. Allerdings konnte der Mord nie restlos aufgeklärt werden; es gibt Vorwürfe, hinter der Entführung stecke der algerische Geheimdienst. Im Jahr 2010 wurden das Leben und das Martyrium der sieben Mönche unter dem Titel "Von Menschen und von Göttern" verfilmt. Das Seligsprechungsverfahren für die Mönche von Tibhirine war im Juli 2016 eröffnet worden.

Wenige Monate nach den Mönchen kam der Bischof von Oran, Pierre Claverie, durch ein Bombenattentat am Eingang seiner Bischofskirche ums Leben. Das Seligsprechungsverfahren, für das der Papst nun das Martyrium "aus Hass gegen den Glauben" bestätigte, läuft unter dem Titel "Pierre Clavier und 18 Gefährten". Dazu zählen neben dem Bischof und den Trappisten zehn weitere Ordensmänner und -frauen, die in Algerien wegen ihres Glaubens ermordet wurden.

Seligsprechung der Französin Madeleine Delbrel rückt näher

Auch für die französische Sozialarbeiterin und Mystikerin Madeleine Delbrel (1904-1964) ist eine mögliche Seligsprechung näher gerückt. Wie der Vatikan am Samstag bekanntgab, unterzeichnete Papst Franziskus am Freitag ein Dekret, das Delbrels "heroischen Tugendgrad" anerkennt.

Madelein Delbrel war in ihrer Jugend eigenen Angaben zufolge antiklerikal und atheistisch. Durch persönliche Lebenskrisen - die Krankheit ihres Vaters und die Trennung von ihrem Verlobten, der ins Kloster ging - sowie durch christliche Mitstudenten in Paris begann für sie ein Wandel. Den Plan, in ein Kloster zu gehen, verwarf sie. Stattdessen arbeitete sie viele Jahre als Sozialarbeiterin. Ihr christlicher Glaube machte sie zur Kritikerin sozialer Missstände; um diese zu bekämpfen, arbeitete Delbrel teilweise mit Kommunisten zusammen.

Durch ihre Lebensweise und ihre Veröffentlichungen wurde sie zu einer der führenden katholischen Intellektuellen Frankreichs. Innerhalb der Kirche galt sie als Mystikerin und Pionierin für christliche Mission in einem atheistischen Umfeld. Sie beriet Bischöfe bei wichtigen Projekten. Nachdem 1993 das Seligsprechungsverfahren für sie eröffnet worden war, erkannte der Papst nun ihren heroischen Tugendgrad an, eine der Voraussetzungen für eine Seligsprechung.

Martyrium von Veronica Antal anerkannt

Auf dem Weg zur Seligsprechung befindet sich auch Veronica Antal, deren Martyrium per Dekret von Papst Franziskus anerkannt wurde. Antal wollte als 17-Jährige in ein Kloster in ihrem Wohnort Halaucesti eintreten. Nach der Schließung der Konvente im kommunistischen Rumänien konnte sie diesen Plan nicht verwirklichen und versuchte stattdessen, wie eine Ordensfrau mit den entsprechenden Gelübden zu leben. Auf dem Heimweg von einem abendlichen Kirchenbesuch wurde sie von einem Mann überfallen, der sie vergewaltigen wollte. Weil sie sich heftigst wehrte - auch um keusch zu bleiben -, tötete der Mann sie mit 42 Messerstichen.

Die Bekanntheit Veronica Antals und die Verehrung für sie unter der Bevölkerung wuchsen schnell. Bald schon pilgerten Menschen zu dem Ort, an dem sie ermordet worden war. 2003 wurde schließlich das Seligsprechungsverfahren eröffnet.

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