09 Februar 2018, 13:00
Effata! – Öffne dich!
 
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: die Taubheit der Menschheit. Zum Evangelium am Freitag der fünften Woche im Jahreskreis (Lesejahr B). Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) „Jesus verließ das Gebiet von Tyrus wieder und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis. Da brachten sie zu ihm einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, er möge ihm die Hand auflegen. Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu ihm: Effata!, das heißt: Öffne dich! Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden. Jesus verbot ihnen, jemandem davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr verkündeten sie es. 37 Sie staunten über alle Maßen und sagten: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen“ (Mk 7,31-37).

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„Wir können in diesem ›Zeichen‹ den glühenden Wunsch Jesu sehen, im Menschen die vom Egoismus geschaffene Einsamkeit und mangelnde Kommunikation zu überwinden, um einer ›neuen Menschheit‹ ein Antlitz zu verleihen, der Menschheit des Hörens und des Wortes, des Dialogs, der Kommunikation, der Gemeinschaft mit Gott. Eine ›gute‹ Menschheit, so wie die ganze Schöpfung Gottes gut ist; eine Menschheit ohne Diskriminierungen, ohne Ausgrenzungen.“


Aus der Ansprache von Papst Benedikt XVI. an die Teilnehmer des XXIV. Internationalen Kongresses des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst, 20. November 2009:

Das Wort »Effata«, das am Anfang des Themas dieses Kongresses steht, ruft den bekannten Abschnitt aus dem Markusevangelium ins Gedächtnis (vgl. 7,31–37), der beispielhaft darstellt, wie der Herr an gehörlosen Personen handelt. Jesus nimmt einen taubstummen Mann beiseite, und nachdem er einige symbolische Handlungen vollzogen hat, blickt er zum Himmel auf und sagt zu dem Mann: »Effata!«; das heißt: »Öffne dich!« Sogleich – so berichtet der Evangelist – öffneten sich die Ohren des Mannes, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit, und er konnte richtig reden.

Das Handeln Jesu ist von liebevoller Fürsorge erfüllt und bringt tiefes Mitgefühl zum Ausdruck für den Mann, der vor ihm steht: Er zeigt ihm seine konkrete Fürsorge, nimmt ihn aus der lärmenden Menge heraus und läßt ihn mittels einiger bedeutungsschwerer Gesten seine Nähe und sein Verständnis spüren. Er legt ihm die Finger in die Ohren und berührt seine Zunge mit Speichel. Dann fordert er ihn auf, zusammen mit ihm selbst den inneren Blick, den Blick des Herzens, zum himmlischen Vater zu richten. Schließlich heilt er ihn und gibt ihn seiner Familie, seinen Angehörigen zurück. Und die erstaunte Menge kann nicht umhin zu rufen: »Er hat alles gut gemacht; er macht, daß die Tauben hören und die Stummen sprechen« (Mk 7,37).

Durch seine Art zu handeln, die die Liebe Gottes, des Vaters, offenbart, heilt Jesus nicht nur die physische Taubheit, sondern er weist darauf hin, daß es eine andere Form der Taubheit gibt, von der die Menschheit geheilt, ja von der sie gerettet werden muß: die Taubheit des Geistes, die immer höhere Barrieren errichtet gegen die Stimme Gottes und des Nächsten, besonders gegen den Hilfeschrei der Geringsten und der Leidenden, und die den Menschen in einem tiefen und verderblichen Egoismus verschließt.

In der Predigt im Rahmen meines Pastoralbesuchs in der Diözese Viterbo am vergangenen 6. September habe ich gesagt: »Wir können in diesem ›Zeichen‹ den glühenden Wunsch Jesu sehen, im Menschen die vom Egoismus geschaffene Einsamkeit und mangelnde Kommunikation zu überwinden, um einer ›neuen Menschheit‹ ein Antlitz zu verleihen, der Menschheit des Hörens und des Wortes, des Dialogs, der Kommunikation, der Gemeinschaft mit Gott. Eine ›gute‹ Menschheit, so wie die ganze Schöpfung Gottes gut ist; eine Menschheit ohne Diskriminierungen, ohne Ausgrenzungen – wie der Apostel Jakobus in seinem Brief mahnt (2,1–5) –, so daß die Welt wirklich für alle ein ›Raum der wahren Brüderlichkeit‹ ist …« (O.R. dt., Nr. 37, 11.9.2009, S. 7).

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