13 Februar 2018, 12:00
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Das Memento Mori des Aschermittwochs relativiert das Irdische, setzt einen drastischen Gegenakzent gegen die Todesverdrängung - Diakrisis am Dienstag von Gudrun Trausmuth

Linz (kath.net)
Maskenzeit. „Als was gehst Du?“ „Was bist Du?“, waren klassische Faschingsfragen der Kindheit. Sind die ersten Verkleidungen vielleicht noch dem Ehrgeiz der kreativen Mütter oder Großmütter geschuldet, emanzipieren sich die jungen Faschingsfeiernden relativ schnell. Aus herzigen Marienkäfern werden erst überzeugte rosa Prinzessinnen, dann kecke Pippi Langstrümpfe, die drolligen Kasperl mutieren über schlagkräftige Ritter nur zu schnell zu wilden Piraten. Und dann beginnt für die Jugendlichen auch bald die ganzjährige Versuchung der unsichtbaren Masken, des Gesichtswechsels, je nach Situation, Peergroup, Gesprächspartner und dem Bild, das man vermitteln möchte …

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Zurück zum Fasching: Kurz und signalhaft jemand anderer sein, das reizt sichtlich nicht nur Kinder, auch viele Erwachsene wechseln einmal im Jahr gerne sichtbar die Rolle – und sei es nur symbolisch mit einer Clownnase. Die durchaus sympathische Heiterkeit und Freiheitserfahrung des Spiels werden durch die großräumig verordnete und organisierte Ausgelassenheit der Faschingstage allerdings ins Schrille und Orgiastische gesteigert. In ihren Extremen ist es eine veritable Faschingsindustrie , die zahllose Menschen mitzieht, welche mit „Leilei“ und „Helau“ signalisiert bekommen, dass nun gefälligst gelacht werden darf/ soll/ muss!

Das hat dann mit dem Kreativen und Entlastenden des Verkleidens und des Rollenwechsels nur mehr wenig zu tun und ist vielleicht im Sinne eines gesellschaftlichen Katalysators zu sehen: Das große Theater des Relativierens verkündet mit systematischen Grenzüberschreitungen und in holprigen Reimen zwei Tage lang, dass das alles nicht so ernst zu nehmen sei.

Ja, und dann der Aschermittwoch, in diesem Jahr vom Konsumgebot des gleichzeitigen Valentinstags mit roten Herzchen zugeklebt und noch schwerer freizulegen als sonst schon unter den Resten der Faschingspracht. Jener Aschentag, den man in seiner grauen bleiernen Schwere so gerne überspringen würde… Dann das harte und zugleich wunderbare „Memento homo, quia pulvis es, et in pulverem reverteris.“ - Im herben, nüchternen Glanz der Wahrheit und in erschütternder Vollmacht, stellt die Kirche den Menschen in seine Wirklichkeit zurück, ordnet sie ihn ein, gibt sie ihm neu seinen Platz in der Schöpfung. Auch hier wird relativiert, aber nicht im Gelächter, sondern in einer ernsten Erinnerung: „Gedenke, dass Du Staub bist…!“ Karriere, Besitz, Gesundheit – alle irdische Wichtigkeit wird durch die Souveränität eines Satzes seiner Bedeutsamkeit plötzlich schwankend, verliert seinen absoluten Anspruch.

Der barocke Vanitas-Gedanke, den Andreas Gryphius (1616-1664) in großer Meisterschaft ausgestaltet hat, ist uns heute fremd, der Tod zwar unabänderlich wie eh und je, aber gut verdrängt. Oder aber der Tod wird in der Hand des Menschen zu grausamstem Nihilismus domestiziert – der Satz des „Sterbens in Würde“ ist ambivalent geworden im Mund der Euthanasiegesellschaften …

Der Schweizer Dichter Gottfried Keller (1819-1890) hatte im Gefolge der Vorlesungen von Ludwig Feuerbach den Glaubens an die Unsterblichkeit verloren (Im „Grünen Heinrich“ vergleicht Keller Feuerbach mit „einem Zaubervogel, der in einsamem Busche sitzt und den Gott aus der Brust von Tausenden hinweg sang“) und verkündete in seinem Werk wiederholt, dass das Leben erst aus der Perspektive des sicheren und endgültigen Todes „sinnlich“ und „glühend“ werde. - Vielleicht ist das Rastlose und Unersättliche, das Übersteigerte in Menge, Farbe und Geschwindigkeit, das bemüht Alterslose und Unrhythmische, das viele Leben prägt, so ein - im Letzten verzweifelter - Versuch, das Leben „sinnlich“ und „glühend“ zu machen, bis zum Ende.

Das Memento Mori des Aschermittwochs relativiert das Irdische, setzt einen drastischen Gegenakzent gegen die Todesverdrängung. Wir beugen uns unter die Wucht eines Satzes, nehmen mit dem Aschenkreuz auf der Stirn unsere Endlichkeit zeichenhaft an. Doch unser Weg und unsere Hoffnung gehen über die Gewissheit des Todes hinaus. Die Relativierung ist keine absolute, sondern will uns mahnen, der unsichtbaren, geistlichen Welt, den ersten Platz einzuräumen, immer wieder von Neuem: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ Der Blick auf das unausweichliche dunkle Tor des Todes, ist zugleich jener auf die Ewigkeit, die uns dahinter erwartet. Den Titel eines großen Werkes der hl. Edith Stein zitierend: wir haben ein „endliches“ und ein „ewiges Sein“. Und nach dem Tod gibt es eben jene „Große Scheidung“, die C.S. Lewis in seinem gleichnamigen Werk so einmalig verständlich macht.

Die Perspektive unseres Lebens sollte jene unserer Ewigkeit sein, unser Weg sollte vom Ziel her, dem Himmel, gedacht und gelebt werden. Daran müssen wir uns immer wieder erinnern lassen, damit wir der ewigen Freude gewachsen sind, wenn dann alle Masken unseres Lebens fallen, die des Faschingsdienstags und auch alle anderen …







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