06 März 2018, 08:30
Nach Kuciak-Mord: Bischofspredigten sorgen für Aufsehen
 
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Pressburger Erzbischof und Zvolensky Weihbischof Forgac finden bei Begräbnismessen für ermordeten slowakischen Enthüllungsjournalisten und dessen Verlobte deutliche Worte - Medien sehen in Forgac-Predigt offene Kampfansage an Premier Fico

Bratislava (kath.net/KAP) Die Predigten des Pressburger Erzbischofs Stanislav Zvolensky und von Weihbischof Marek Forgac bei den Begräbnissen des ermordeten Journalisten Jan Kuciak und dessen Verlobter, der Archäologin Martina Kusnirova, haben in der Slowakei ein starkes Echo hervorgerufen. Vor allem die Ansprache des Kosicer Weihbischofs Forgacs wird von den Medien als offene Kampfansage an Ministerpräsident Robert Fico aufgefasst.

Wenn der Mörder geglaubt habe, Jan Kuciak zum Schweigen zu bringen, habe er das genaue Gegenteil bewirkt, sagte der Bischofskonferenz-Vorsitzende Zvolensky bei der Beisetzung des Enthüllungsjournalisten am Samstag in dessen Heimatgemeinde Stiavnik; mehrere Hundert Menschen nahmen teil. Wer die Sünde dieses Mordes begangen habe "und wer damit etwas gemein hat", müsse "augenblicklich Reue zeigen", fügte der Pressburger Erzbischof hinzu.

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Er betrachte den "Angriff auf den Journalisten als Angriff auf die Freiheit unseres Landes, unserer irdischen Heimat", so Zvolensky, der auch slowakischer "Medienbischof" ist. "Bei allen Meinungsverschiedenheiten" sei "die Arbeit der Journalisten zu achten". Die Wahrheit "zu suchen, zu schreiben und zu sagen" sei "ein schwerer, nicht selten undankbarer Dienst". Daher sei es die "Pflicht und das erhabene Privileg der Journalisten im Land, Wächter von Freiheit und Demokratie zu sein". Wer immer nach ihrem Leben greife, greife nach der Freiheit der Slowakei - "und dies dürfen wir keinesfalls zulassen", fand Zvolensky klare Worte.

An die Politiker gewendet fragte der Vorsitzende der Slowakischen Bischofskonferenz, wie jene mit ihrer Macht umgingen, "denen diese von den Menschen anvertraut wurde". Die Antwort auf diese Frage werde "ganz wesentlich von der Art abhängen, wie der tragische Todesfall von Jan und Martina aufgeklärt wird". Gemeinsam müsse "so gesprochen und gehandelt werden, dass das Böse, die Korruption, der Hass, die Morde, die Lügen, der Betrug und die Untreue in unserem Leben zurückgewiesen werden", sagte Erzbischof Zvolensky.

Tags zuvor wurde das Begräbnis von Martina Kusnirkova in deren Heimatort Gregorovce bei Presov vom Weihbischof der Erzdiözese Kosice, Marek Forgac, geleitet. In seiner Predigt unterschied der langjährige geistliche Leiter des Universitätsseelsorgezentrums Kosice zwischen drei Formen des Bösen: Die erste sei die Personifizierung des Bösen im Mörder. Wer imstande sei, "von Angesicht zu Angesicht ein unschuldiges junges Leben zu vernichten", der sei selber "der Teufel". Dann gebe es "das institutionalisierte Böse", das von "verbrecherischen Gruppierungen" verübt werde. In Anspielung an die der Bluttat verdächtigten italienischen Ndrangheta, deren Netzwerk Kusnirkovas Bräutigam Jan Kuciak nachgespürt hat, rief Bischof Forgac "den guten Herrgott" an, er möge das Land und speziell "unsere Ostslowakei vor einem solchen organisierten Bösen" schützen.

Landesweite Aufmerksamkeit erregten jedoch die Ausführungen des Lizentiaten der Psychologie über das dritte Böse - "das diffuse, mitunter schwer definierbare Böse in der Atmosphäre", die das Klima für das sich immer weiter ausbreitende institutionalisierte Verbrechen schaffe. Wenn es in der slowakischen Gesellschaft Führungspersönlichkeiten gebe, "die mit ihren Aktivitäten, Kontakten, Freunden, mit ihrer Tätigkeit oder auch Untätigkeit" einer solchen Vermehrung des Bösen Vorschub leisteten, so müssten diese Führungspersönlichkeiten "die indirekte Verantwortung dafür übernehmen, dass jetzt zwei junge Menschen gestorben sind".

Forgacs Kritik an der Regierung gipfelte in seinem Urteil, wenn Ministerpräsident Robert Fico sein Versprechen einer Aufklärung des Verbrechens mit einer Million auf den Tisch gelegter Euro unterstreiche, so sei dies ein "arger Zynismus, wo doch das Geschehene aus Liebe zum Geld geschehen" sei. In Zeiten wie diesen brauche die Slowakei "nicht den Blick auf Geldbündel auf dem Tisch, sondern auf charaktervolle Menschen, die fähig und bereit sind, für das Geschehene direkte, auch indirekte Verantwortung zu übernehmen und in Demut die Bühne zu verlassen". Dies sei "einem Führer, einem Vater, einem Mann und einem Christen" angemessen.

Ficos Zurückweisung der Aufforderung Präsident Kiskas, angesichts der offensichtlich entstandenen Staatskrise die Regierung umzubilden oder Neuwahlen auszurufen, kann auch als Antwort auf die Predigt von Bischof Forgac verstanden werden. In einer Rede vor Journalisten am Sonntagabend erklärte der Regierungschef, ein Umbau der Regierung wäre eine Leugnung der Ergebnisse von Parlamentswahlen. Die Worte des Präsidenten, wenngleich es bei dem Verbrechen um ein "Zufallsmotiv" gegangen sei, spiegle es doch den "Stand der Gesellschaft", hätten ihn schockiert und er stimme "mit dieser Ansicht nicht überein".

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Foto: Symbolbild


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