12 März 2018, 07:00
Theologe Kuschel greift kirchlichen Missions-Fokus an
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Mission'
Emeritierter Tübinger Theologe Kuschel behauptet: "Wer Mission will, will weder Dialog noch Toleranz, der will in letzter Konsequenz das Verschwinden des Glaubens des je Anderen"

Salzburg (kath.net/KAP/red) Mit unglaublich scharfen Worten hat der emeritierte Tübinger Theologe Karl-Josef Kuschel den Missionsauftrag der Kirche bei einem Vortrag in Salzburg attackiert: "Wer Mission will, will weder Dialog noch Toleranz, der will in letzter Konsequenz das Verschwinden des Glaubens des je Anderen und die weltweite Durchsetzung der eigenen als der einzig 'wahren Religion'", behauptete Kuschel bei einem Vortrag am Freitag in Salzburg. Der Dialog stelle in diesem Zusammenhang ein bloßes Instrument der Missionierung dar und sei nicht als Gespräch auf Augenhöhe zu werten.

Werbung
syrien2


Kuschel äußerte sich im Rahmen der Tagung "Das Dialogische Prinzip - Aktualität über 100 Jahre", die am 8.-9. März an der Universität Salzburg stattfand. Referenten waren neben Kuschel u.a. der frühere Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und die deutsche Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann.

"Der interreligiöse Dialog bleibt Herausforderung der Religionen", so Kuschel weiter. Ein "bloßer Austausch von Sachinformationen" werde diesem Anspruch nicht gerecht. "Echte Religionsgespräche" seien vielmehr "das Gegenteil von Scheingesprächen, die in zwei Monologen bestehen". Er forderte deshalb einen "echten Dialog der Religionen", "eine echte Zwiesprache und zwar von aufgeschlossener Person zu aufgeschlossener Person." Die Frage nach der Wahrheit sollte dabei nicht ausgeklammert werden, es gehe schließlich darum, "aus der Perspektive des jeweils eigenen legitimen Glaubenszeugnisses heraus die Existenz des anderen vor Gott mit zu denken".

Ein Dialog unter den monotheistischen Religionen müsse dabei zugleich von einer "theozentrischen Selbstrelativierung" geleitet sein, denn: "Auch wer als Jude, Christ oder Muslim die Wahrheit seines Glaubens bezeugt und bezeugen muss, weiß zugleich, keine Religion die ganze Wahrheit hat." In dieser Erkenntnis liege der Beginn eines "interreligiösen Lernens": Das Sehen des anderen mit den Augen des Glaubens müsse daher erklärtes Ziel eines echten Dialoges zwischen den Religionen sein.

Karl-Josef Kuschel lehrte bis 2013 Theologie der Kultur und des interreligiösen Dialogs an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Seit 2012 ist er Kuratoriumsmitglied der "Stiftung Weltethos". 2015 wurde er in den Stiftungsrat des Börsenvereins zur Vergabe des jährlichen Friedenspreises des Deutschen Buchhandels berufen. Er ist zudem Präsident der Internationalen Hermann-Hesse-Gesellschaft.

Symbolbild: Fragezeichen und Kreuz




Mit Material der KAP -
Copyright 2018 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!











Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram
meist kommentierte Artikel

Vatikan bestätigt Wucherpfennig als Frankfurter Hochschulrektor (66)

"Kirche muss sich sagen lassen, dass sie eine Täterorganisation ist" (48)

Opfer sagt, er musste sich vor Bischof Janssen nackt ausziehen (43)

Du sollst nicht falsch aussagen gegen deinen Nächsten (39)

'Auf ihrer rechten Hand oder ihrer Stirn ein Kennzeichen anzubringen' (34)

Italiens Bischöfe wollen Vaterunser-Bitte ändern (30)

Neues Buch stellt Viganòs Memorandum als Angriff auf Franziskus dar (30)

NEU! - kath.net-WhatsApp-Newsletter - NEWS und MISSION (26)

Wucherpfennig: 'Ich habe nicht widerrufen' (24)

Bischof Overbeck möchte Sexualmoral "weiterentwickeln" (22)

Niemand braucht einen esoterischen Sinnstifterverein und Sozialkonzern (22)

Diözese Linz - Zölibat Ade? (21)

Agatha Christies Beitrag zur Rettung der Tridentinischen Messe (21)

McCarrick-Skandal: US-Bischöfe wagen keine Forderung an Vatikan (19)

Viganò: „Seid mutige Hirten und keine ängstlichen Schafe!“ (13)