14 März 2018, 16:00
Und ich bin so wütend auf Gott ...
 
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Warst du schon einmal so richtig enttäuscht von Gott? Ich fühle mich so - Die Jugendkolumne von kath.net - Diese Woche ein Beitrag von Lucia Kirchgasser

Salzburg (kath.net)
Warst du schon einmal so richtig enttäuscht von Gott? Und ich meine nicht so eine kleine Enttäuschung, weil nach einem Stoßgebet kein Parkplatz frei war, sondern so richtig enttäuscht. Wenn plötzlich alles, das du geglaubt hast, ins Wanken gerät. Wenn das so tiefe Vertrauen, an dem du nie gezweifelt hast, plötzlich gebrochen ist.
Ich fühle mich so. Gebrochen.

Der Weg, den ich bisher mit Gott gegangen bin, war, wie bei allen, ein ständiger Wechsel von tiefen Tälern und grünen Auen, aber dieses Mal hat mich das Tal in einen Sumpf geführt – in den langsam tödlichen Sumpf von Bitterkeit, Entmutigung und stechendem Misstrauen.

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Ich bin zwar jemand der oft an sich selbst verzweifelt, aber an Gott hab ich seit meiner Bekehrung nie gezweifelt – nicht an seiner Existenz, nicht daran, dass er gut ist, nicht daran, dass er mich liebt und nur das Beste für mich will.

Aber heute tue ich es. Die vergangenen Tage haben mich regelrecht zerschmettert. Nicht weil das, was mir passiert ist, an sich so schlimm gewesen wäre oder Gott so fern. Nein, Gott war nicht fern, aber fremd unendlich fremd.

Auf jedes noch so kleine Gebet nur ein weiterer Schlag– buchstäblich.
Die Ereignisse der letzten Woche haben eine Narbe in meinem Gesicht hinterlassen, aber noch viel tiefer ist die Spur, die in meinem Herzen zurückbleibt.

Ich erkenne mich selbst nicht wieder. Und ich bin so wütend auf Gott und seine Passivität. Ich sehe nicht, dass da ein starker rechter Arm wäre, der rettet und befreit. Ich sehe keine Liebe, Güte und Erbarmen.

Aber ich will es wohl gerade auch einfach nicht sehen. Das bringen Sümpfe anscheinend so mit sich – dichten Nebel, der das Bild der Realität verzerrt, bis man nichts mehr klar erkennen kann, wie es wirklich ist.

Wenn ich ehrlich bin, muss ich mir wohl eingestehen, dass ich getäuscht worden bin und zugelassen habe, dass die Stimme des Widersachers in schmerzhaft durchwachten Nächten mein Herz vergiftet.

Aber keine noch so giftige Lüge ist stärker als die Wahrheit. Ich will sie suchen! Ich stehe wieder auf! Keine Ahnung wie genau, aber ich gebe dem Teufel nicht den Triumph, liegen zu bleiben und Staub zu fressen, so wie er.

Ich rechne nicht mit einem fröhlichen Spaziergang, der auf mich wartet, aber ich weiß, letzten Endes wird mich die Wahrheit befreien und zurück nach Hause in den Arm des Vaters führen. Es wird Sinn machen. Ich werde meinen Frieden mit dem, was war, finden. Es wird nicht immer so sein wie jetzt.

Aber so schwer wie heute ist mir die Entscheidung, das zu glauben, noch nie gefallen. Der erste Schritt aus dem Selbstmitleid tut richtig weh, aber ich mache ihn. Ich entscheide mich dafür, da jetzt herauszusteigen, denn wie schon in den Klageliedern steht „An mein Elend, meine Unrast denken ist Gift und Wermut für mich“ (Klg 3,19) Ich will keine Bitterkeit, ich will mich nicht von Gott und damit vom Leben entfernen. Ich will mich entscheiden, dankbar zu sein, am Glauben festzuhalten! Ich höre jetzt auf damit, zurückzuschauen, und strecke mich aus nach dem Leben, nach Auferstehung und Hoffnung. Ich strecke mich aus nach der Liebe, die alles neu macht und am Ende immer siegt.

„..darauf will ich hoffen: Die Huld des Herrn ist nicht erschöpft, ja, sein Erbarmen ist noch nicht zu Ende. Neu erwacht es jeden Morgen, groß ist seine Treue.“. (Klg 3,22-23)

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