19 Juni 2018, 09:00
„Fernando, du musst öffentlich um Vergebung bitten!“
 
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Leiblicher Bruder des chilenischen Missbrauchspriesters Fernando Karadima fordert ihn dazu auf, angesichts des wegen Alters nahenden Todes öffentlich um Vergebung seiner Missbrauchstaten zu bitten.

Santiago de Chile (kath.net) Der chilenische Missbrauchspriester Fernando Karadima (Archivfoto), dessen Taten offenbar von der chilenischen Kirche vertuscht worden waren, wurde nun von seinem jüngeren leiblichen Bruder Oscar in einem Interview dazu aufgefordert, öffentlich um Vergebung für seine Taten zu bitten. Karadima, der 2011 von der Kirche des Missbrauchs Minderjähriger als schuldig befunden worden war und kirchlich gemaßgereglt wurde, hatte in der chilenischen Kirche eine tiefe Krise ausgelöst, in deren Folge nun auch mehrere Bischöfe zurückgetreten sind sowie Vorwürfe an Papst Franziskus gerichtet worden waren. Fernando Karadima, der inzwischen fast 88 Jahre alt ist, wurde von seinem Bruder ermahnt: „Fernando, du bist ein Mann, der bald sterben wird. Wie kannst du es wagen, so zu sterben, als ein hochmütiger Mann, der nicht um Vergebung bittet?“ Oscar Karadima äußerte dies nach Angaben von „Crux“ im Interview mit der chilenischen Zeitung „La Tercera“ auf die Frage, was er seinem Bruder sagen würde, wenn er ihn träfe. „Ich bitte dich [um diese öffentliche Entschuldigung] um Gottes und Mariens willen, über die du immer gesagt hast, dass du sie so sehr lieben würdest. Ich bitte dich um meines Vaters willen, um meiner Mutter und meiner zwei bereits toten Schwestern willen.“ Der Priester hat sich nach Worten seines jüngeren Bruders übrigens auch nicht bei seinen sieben noch lebenden Verwandten entschuldigt, obwohl diese nach Öffentlichwerden des Skandales schwer gelitten hatten.

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Der Familienvater Oscar Karadima war einer jener Personen gewesen, die sich vor kurzem unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Papst Franziskus im Vatikan zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der chilenischen Kirche getroffen hatten. „Crux“ berichtet weiter, dass Oscar Karadima keinerlei Zweifel an der Schuld seines Bruders hegt, und dass er obendrein auch von der Schuld des späteren Bischofs Juan Barros sowie drei weiteren Bischöfen überzeugt sei. Barros war bereits vor seiner Bischofsweihe vorgeworfen worden, dass er von Karadimas Missbrauchstaten gewusst, diese jedoch vertuscht habe. Einen neuerlichen Schub hatten die Vorgänge erhalten, als Papst Franziskus bei seinem Besuch in Chile im Januar 2018 die Vorwürfe gegen Barros gegenüber Journalisten noch abwiegelte und Barros trotz der öffentlichen Kritik etwa auch des Päpstlichen Missbrauchsberatert Sean Kardinal O'Malley zunächst weiter im Amt behielt, kath.net hat berichtet. Noch im April hatte sich der Papst zwar an die Katholiken Chiles mit einer Vergebungsbitte gewandt, Barros aber nicht suspendiert, kath.net hat berichtet. Erst als nahezu alle chilenischen Bischöfe dem Papst den Rücktritt angeboten hatten, nahm Franziskus Anfang Juni den Rücktritt von Barros und einigen weiteren Bischöfen an.

Der Priester Karadima ist bisher allerdings nicht laisiert. Er wurde von der Glaubenskongregation dazu aufgefordert, ein streng zurückgezogenes Leben des Gebetes und der Buße in einem Kloster zu führen, der Kontakt zu Jugendlichen ist ihm untersagt, ebenso die Zelebration von öffentlichen Messfeiern. Vorgeworfen wird ihm sexueller Missbrauch von männlichen Jugendlichen und Erwachsenen.

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