04 August 2018, 08:00
8000 Kirchen in den letzten 7 Monaten geschlossen
 
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Laut Verfügung der Regierung von Ruanda mussten die Gebäude aus hygienischen und sicherheitsbedingten Gründen schliessen.

Kigali (kath.net/ Fides)
Infolge einer Regierungsverordnung wurden in den letzten 7 Monaten 8000 Kirchen geschlossen. Die Entscheidung die Anzahl der sowohl christlichen als auch muslimischen Kultorte im Land zu verringern sieht die Schließung der Kirchen vor, die keine ausreichenden Hygiene-und Sicherheitsbedingungen haben, um ihre Funktion weiter ausüben zu können. Dies wurde von der regierungsfreundlichen Agentur Kigali Today Press bekannt gegeben. Die katholischen wie protestantischen Christen (90% der Bevölkerung) klagen die Regierung an, mit dem neuen Gesetz die Schließung von Kirchen und Moscheen zu rechtfertigen.

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„Kirchen schließen, Kriterien festsetzen, wer Geistlicher werden darf – ist das wirklich die richtige Lösung für das Religionsproblem in Afrika?“, fragt P. Donald Zagore, Theologe der Afrikanischen Missionsgesellschaft; er erklärt, dass es eine Lösung gebe, aber dazu sei es notwendig aufmerksam zu verfolgen, welche Auswirkungen eine derartige Entscheidung auf das Grundwesen der religiösen Dynamiken haben könnte. „Die Religion funktioniert anders als jegliche Partei oder politische Vereinigung. Ordnung in die Unordnung bringen zu wollen ist eins; etwas anderes ist es, bewusst oder unbewusst den prophetischen Charakter der Religion zu kappen, der sich jeder Logik und jedem akademischen Imperativ entzieht.

Akademische und intellektuelle Bildung ist zweifellos notwendig, aber in der Religion ist dies keine Voraussetzung. Einzige Vorbedingung ist der Glaube. Gott ruft zu seinem Dienst Männer und Frauen auf, nicht unbedingt intelligent oder graduiert sein müssen, sondern Männer und Frauen, die von ihrem Glauben überzeugt und bereit sind ihn zu leben und zu bezeugen, auch um den Preis ihres eigenen Lebens. Wir sollten uns auch folgende Frage stellen: Wird die Regierung Ruandas – wenn sie erst einmal die Kriterien für die theologische Ausbildung festgesetzt haben wird – aufhören aus der Religion ihr business zu machen? Schlüsselfrage ist: Warum ist der Handel mit den Religionen in Afrika so populär und so lukrativ? Auch wenn die religiösen Betrüger eine Gefahr bleiben, die bekämpft werden muss, so sind doch die Betrogenen das wahre Problem. Warum werden unsere Leute im Namen der Religion missbraucht und beraubt?“

Die Religionsfreiheit ist als ein Recht in der Verfassung von Ruanda in Art. 37 aus dem Jahr 2003 verankert; allerdings wurde laut World Monitor Watch jeglicher Bezug zur christlichen Religion aus der Verfassungs-Preambel gestrichen. Bei den Genozid- Gedenkfeiern darf kein Priester oder Pastor sprechen (es sei denn, die Veranstaltung wird von einer Kirche organisiert); in den Verwaltungsbüros sind Zusammenkünfte zum Gebet untersagt.

„Um etwas Klarheit zu schaffen – bemerkt P. Donald – muss man über 2 grundlegende Dinge nachdenken: Einerseits müssen wir zugeben, dass unser Volk sich hinter diesen „Billig-Pastoren“ versteckt, in der Hoffnung, dass diese ihnen helfen den Übergriffen der Politiker und deren unstillbarem Machthunger ein Ende zu machen, der die Menschen weiter im Elend schmachten lässt.“

„Andererseits – fährt der Priester fort – gibt es da ein afrikanisches Verständnis von Gott und der Religion, das nicht besonders gesund ist und bereinigt werden sollte. In der oftmals zu emotionalen Dynamik des Spiritualismus wird Gott als die Exclusiv-Quelle für Wunder und Lösungsfindung interpretiert. Diese Auffassung lässt Gott nicht weit entfernt sein vom Vergleich mit einem Scharlatan. Solange der Afrikaner nicht begreift, dass Gott weder ein Zauberer noch ein Marabu ist, und sich nicht im Klaren darüber wird, dass Gott trotz seiner Allmächtigkeit das Leben der Menschen nicht zu verändern vermag, solange sie selbst nicht ihren Beitrag dazu leisten, werden sie weiter vollgestopft mit Ideologien leben und ständig 'beraubt' werden. Der Schlüssel zum Heil ist ein afrikanisches religiöses Massen-Bewusstsein mit einer rationalen und hermeneutischen Struktur,“ schließt P. Zagore.

Regierungsquellen zufolge wurde die Schließung der Kultorte verhängt, da es gemessen an der Einwohnerzahl zu viele Kirchen gebe; nicht in Betracht gezogen wurde dabei die große Fragmentierung der Dörfer in Ruanda, die von nur wenigen Personen bewohnt sind. Sehr oft liegen diese Dörfer viele Kilometer voneinander entfernt; aufgrund mangelnder Infrastrukturen, die die Wohngebiete verbinden könnten, baut jedes Dorf seine eigene Kirche um zu vermeiden, dass die Bürger 20km oder mehr laufen müssen, wenn sie zur Messe gehen wollen.

Kürzlich wurde eine Kirche sogar während eines Hochzeitsgottesdienstes geschlossen, heißt es im christlichen World Monitor Watch-Portal; die Hochzeitsgäste wurden gebeten den Gottesdienst zu verlassen. Einer anderen christlichen Gemeinde wurde die Abhaltung des Gottesdienstes in einem Schulhof verboten, der hierzu bestimmt wurde, weil es in der Nähe keine Kirchen gibt. Begründung für das Verbot: Die Eingangstür ist aus Holz und nicht aus Metall.

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