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08 August 2018, 12:02
Wider die ‚Selfmade-Religion’

Franziskus: der Gott nach eigenem Maß raubt die Freiheit und ist ein Vorwand, sich selbst ins Zentrum zu stellen. Das Goldene Kalb des Erfolgs, der Macht, des Reichtums. Von Armin Schwibach



Rom (kath.net/as) „Da sprach der Herr zu Mose: Geh, steig hinunter, denn dein Volk, das du aus dem Land Ägypten heraufgeführt hast, läuft ins Verderben. Schnell sind sie von dem Weg abgewichen, den ich ihnen vorgeschrieben habe. Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht, sich vor ihm niedergeworfen und ihm Opfer geschlachtet, wobei sie sagten: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt haben“ (Ex 32,7-8).

Papst Franziskus setzte bei der heutigen Generalaudienz in der Audienzaula "Paolo VI" vor rund 7000 Pilgern und Beuschern seine Katechesenreihe zu den Zehn Geboten fort. In der vierten Katechese vertiefte der Papst das Thema des Götzendienstes, das sehr wichtig sei.

Das Götzenbild schlechthin sei das Goldene Kalb im Buch Exodus. Das Volk Israel mache die Erfahrung der Wüste, des Orts bedrohlicher Unsicherheit, wo Mangel an Wasser, Nahrung und Schutz herrsche. Die Wüste sei ein Bild für das Leben, das über keine sicheren Garantien verfüge. Diese Unsicherheit erzeuge Ängste, die die Grundbedürfnisse beträfen. So fordere das Volk einen sichtbaren Gott.

Wenn der Bezugspunkt fehle, suche sich die menschliche Natur Ersatz in einer „Selfmade-Religion“. Wir schafften uns einen Gott nach eigenem Maß, und der Götze ist ein Vorwand, „sich selbst ins Zentrum der Wirklichkeit zu setzen“ (Lumen fidei, 13).

Das Goldene Kalb versinnbildliche Erfolg, Macht, Reichtum – die ewigen Versuchungen und Wünsche, welche Freiheit vortäuschten, stattdessen aber versklavten. Der Götzendienst entspringe letztlich unserer Unfähigkeit, in Gott unser Vertrauen und unsere Sicherheiten zu setzen.

Die eigene Schwäche anzuerkennen sei die Bedingung, sich dem zu öffnen, der wirklich stark sei. So bestehe die Freiheit des Menschen darin, es zuzulassen, dass der wahre Gott der einzige Herr sei. „Ihn erkennen wir im gekreuzigten Christus, der unser schwaches Menschsein gänzlich auf sich genommen hat, um es mit Liebe und Kraft zu erfüllen“.

In ihm offenbare sich das Antlitz des wahren Gottes, die Herrlichkeit der Liebe und nicht jene es glänzenden Trugs. Unsere Heilung komme von dem, der arm geworden sei, der das Scheitern angenommen habe, der auf sich unsere Schwäche genommen habe, um sie mit Liebe und Kraft zu erfüllen. Christus komme, um uns die Vaterschaft Gottes zu offenbaren. In Christus sei unsere Schwäche kein Fluch mehr, sondern der Ort der Begegnung mit dem Vater und Quelle einer neuen Kraft aus der Höhe.


Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Gerne heiße ich die Pilger aus den Ländern deutscher Sprache willkommen. Diese Urlaubszeit lädt uns ein, die Schönheit der Schöpfung Gottes zu bewundern und im Gebet unsere Beziehung zum Herrn wachsen zu lassen. Gott allein kann den Wünschen unseres Herzens echte Tiefe schenken. Der Heilige Geist erfülle euch mit seiner Freude. Schönen Aufenthalt in Rom.