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09 Oktober 2018, 12:00
Die Macht des Heiligen in der Katholischen Kirche

Wie komme ich dazu solches weiterhin zu behaupten? Für viele in unseren Tagen ist sie ja die Anstalt des Unheils schlechthin. Gedanken während eines Englandurlaubs vor den Steinen von Stonehenge von Helmut Müller.

Stonehenge (kath.net) Staunend stehen wir vor den Steinen Stonehenges in Südengland. Was mag Menschen vor 5 Jahrtausenden bewegt haben tonnenschwere Steine hunderte von Meilen mit primitivsten Mitteln hier hin bewegt, mühevoll bearbeitet und akribisch in den Lauf der Sonne eingebaut zu haben? Alles in unerhörter Exaktheit und mühseliger Arbeit. Was waren die Triebfedern? Niemand weiß es.

Vermutlich „die Macht des Heiligen“ (Hans Joas). In den Tageslesungen der letzten Tage aus dem Buch Job begegnet uns eine andere Macht und leider auch in der Tagespresse über den Missbrauchsskandal in der Katholischen Kirche: die Macht des Unheils, angerichtet von Menschen, die die Macht des Heiligen auch für uns Heutige repräsentieren sollten. Selbst als das Buch Job geschrieben wurde, standen die Steine Stonehenges schon tausende Jahre.

Die Sehnsucht in einer mannigfach heillos erlebten Welt, Heil zu erfahren war damals wie heute – erst recht wenn man von Unheil betroffen ist – riesengroß. Jahrhunderte lang pilgerten offenbar Menschen sogar aus Mitteleuropa nach Stonehenge, wie heute auch noch nach Lourdes um „heil“ an Leib und Seele zu werden.

Die Aspirin Werbung unserer Tage mit „etwas weniger Schmerz auf dieser Welt“ täuscht ebenso über die eigentliche Daseinsnot hinweg, wie die Kreditkarte in der Brieftasche, mit der sich dieselbe in elementaren Fällen leicht beheben lässt. Die Sehnsucht aus einem Unheil heraus nach der „Macht des Heiligen“, die die Steine von Stonehenge bewegt hat, wird da leicht übersehen, auch von Tausenden, die sich aus Fernost, wie wir in unserem Englandurlaub, touristisch nach Stonehenge bewegen lassen.

Verbreiten dann Menschen, die eigentlich für die „Macht des Heiligen“ stehen sollten unbeschreibliches Unheil, erscheint die Welt tatsächlich so heillos wie sie sich seit Menschengedenken immer wieder zeigt. Aber selbst in dieser Welt blitzt das „Heilige“, man muss in diesen Tagen fast sagen - sogar - in der Katholischen Kirche auf, wie wir im Glaubensbekenntnis an die „eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“ bekennen: Trotz des Missbrauchsskandals, der offensichtlich weltumspannend auch Australien heimgesucht hat, ist in diesen Tagen der ehemalige australische Außenminister Bill Hayden und bekennende Atheist in die katholische Kirche eingetreten, nicht meilenweit gepilgert, sondern zum vielleicht nächsten Taufbecken einer katholischen Kirche: „In meinem Herzen und in meiner Seele war ein nagender Schmerz über die Frage nach dem Sinn des Lebens und meiner Rolle darin.“ (http://kath.net/news/65203)

Der ihn taufende Erzbischof meinte: „Es ist ein weiterer außergewöhnlicher Moment spät im Leben eines Mannes, der eine außergewöhnliche Lebensreise hatte.“ Ist das nicht ein Zeichen für die Macht des Heiligen in der Katholischen Kirche, die viele geradezu als die Anstalt des Unheils schlechthin erleben?

kath.net-Buchtipp
Zeitgerecht statt zeitgemäß
Spurensuche nach dem Geist der Zeit im Zeitgeist
Von Helmut Müller
Hardcover, 180 Seiten 2018 Bonifatius-Verlag ISBN 978-3-89710-790-8 Preis Österreich: 15.40 EUR

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