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11 Oktober 2018, 09:00
Synoden-Teilnehmer wollen direkt an Jugend gerichtete Botschaft

Nach Sprachen unterteilte "circuli minori" regen Änderungen im Arbeitsdokument an - Sämtliche 14 Texte, davon einer auf Deutsch, vom Vatikan im Wortlaut veröffentlicht

Vatikanstadt (kath.net/KAP) Die in Rom bei der Weltbischofssynode zum Jugend-Thema versammelten kirchlichen Leitungsverantwortlichen fordern eine Botschaft, die direkt an Jugendliche gerichtet ist. Die Bischofssynode solle eine "Botschaft an die Jugend der Welt" ausarbeiten. Mehrere Synodenkleingruppen - nach Sprachen unterteilte "circuli minori" - hatten dies am Dienstag in ihren Zwischenberichten angeregt. Bei den Texten handelt es sich um die ersten ausformulierten Synodenvorschlägen. Sämtliche 14 Texte, davon einer auf Deutsch, wurden vom Vatikan im Wortlaut veröffentlicht.

Am 6. und 8. Oktober waren die Teilnehmer der Synode "Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung" in 14 Sprachgruppen geteilt worden, um den ersten Teil des Arbeitsdokuments (Instrumentum laboris) zu reflektieren. Am 9. Oktober legte der Berichterstatter jeder Gruppe - für die Deutschprachigen ist es Bischof Stephan Oster aus Passau - eine Zusammenfassung der Anliegen jeder Gruppe vor. Für den ersten Teil des Arbeitsdokuments werden jetzt insgesamt 316 Änderungen ("modi") vorgenommen.

Eine der zentralen Forderungen der Synodenväter ist, dass die Versammlung einen gemeinsamen Nenner findet und in der Folge direkt die Jugendlichen anspricht. Die anglophone Gruppe B schlug vor, dass die Informations-Kommission wöchentlich ein Video von weniger als drei Minuten produzieren sollte, begleitet von einem Text von weniger als 400 Wörtern. Die gleiche Gruppe möchte, dass die Synode - zusätzlich zum Schlussdokument - eine "Botschaft an die Jugend der Welt" richtet, die sowohl "inspirierend als auch missionarisch" ist.

Nach Ansicht der italienischen Gruppe A soll es sich um "eine direkt an die jungen Menschen gerichtete, kurze und prägnante" Botschaft handeln. Eine andere Gruppe, und zwar die "Spanischsprachige B", ging in die gleiche Richtung und schlug vor, dass das Abschlussdokument "agiler, (...) attraktiver für junge Menschen und Jugendliche, sein sollte, mit einer dynamischeren und interaktiveren Sprache". "Das Abschlussdokument muss inspirierend sein", argumentierte die spanischsprachige Gruppe A.

"Viel zu eurozentrisch"

Im Blick auf den ersten Teil des Instrumentum laboris, der sich der Beschreibung der aktuellen Situation junger Menschen in den verschiedenen Regionen widmet, sahen die Mitglieder der Synodalversammlung vor allem die doch sehr starke Unterschiedlichkeit. E sei eine Vielfalt der Kontexte feststellbar, hieß es dazu. Es gebe "eine große Vielfalt an Lebensbedingungen, Bildungsvoraussetzungen, Arbeitswelten", so die Gruppe der "Französischsprachigen C". Die "Spanischsprachigen A" - ebenso wie die "Englischsprachigen D" - äußerten ihrerseits Unbehagen. Das Dokument sei "sehr eurozentrisch", monierten sie. Die spanischsprachige Gruppe B wiederum merkte an, dass die Realität totalitärer Regime vergessen werde. Darüber betonte viele Gruppen das zu wenig beachtete Schicksal der jungen Migranten.

Beklagt wird von vielen Gruppen eine in der Kirche beobachtbare "digitale Demenz", die von der Jugend trenne.

Verlust der Glaubwürdigkeit der Kirche

Gruppenübereinstimmung herrscht, was die "Krise der Glaubensvermittlung" betrifft. "Junge Menschen sehen die Kirche als ihnen gegenüber gleichgültig, inkompetent und unbeweglich", so die "Spanischsprachigen B". Für die englischsprachige Gruppe A wurde "Vertrauen gebrochen", insbesondere durch die "schrecklichen Verbrechen und Sünden" des sexuellen Missbrauchs. "Eine Kirche, die kein Vertrauen hervorruft, kann nicht fähig sein, junge Menschen zu erreichen", betonte die anglophone Gruppe C.

Die Synodalen brachten bereits einige Ideen für Reformen ein. Für die spanischsprachige Gruppe A ist es wichtig, "Zeichen der Glaubwürdigkeit" zu geben. Die Synode müsse sich offen mit der Missbrauchsfrage auseinandersetzen, beharrt die englischsprachige Gruppe A. Es sei dringend, dass "die ganze Kirche eine Haltung der Bekehrung einnimmt", plädierte die italienische Gruppe A.

In Bezug auf junge Menschen müsse die Kirche "empathischer" sein, ein Wort, das in den Zusammenfassungen mehrerer Gruppen auftaucht. Die Kirche müsse "trotz ihrer Fehler" junge Menschen begleiten, betonte die spanischsprachige Gruppe A. Die italienischsprachige Gruppe B will beim Ansprechen der Jugend "Klarheit, tiefe Menschlichkeit und Empathie".

Jugendliche unter ungeheurem Druck
Auf den ungeheuren Druck, unter dem die Jugendlichen stehen, wies die deutschsprachige Gruppe - mit Kardinal Christoph Schönborn und Jugendbischof Stephan Turnovszky - hin. Es solle dazu ins Arbeitsdokument "ein eigener Abschnitt eingefügt werden: z.B. zum Druck durch Schule und Ausbildung, durch die Kirche, durch die Erwartung der Eltern, der Familien, der Gesellschaft, Druck durch die Selbstinszenierung in sozialen Medien, durch die Moden der Gesellschaft, durch die Peer-Group oder auch Druck, der entsteht, wenn sich ein Jugendlicher als Katholik bekennt.
"Uns scheint, dass es Jugendlichen heute schwerer fällt, sie selbst zu werden - und nicht so zu werden, wie sie meinen unter dem Druck von außen sein zu müssen. (...) Wir glauben, dass die digitale Wirklichkeit in ihren positiven Möglichkeiten aber auch in ihren destruktiven Gefahren noch konkreter beschrieben werden soll (z.B. Einstiegsalter in das Betrachten harter Pornografie und Gewalt bei Jungen ist durchschnittlich 11 Jahre). Wir sind dankbar, dass viele Jugendliche Pluralismus und Multikulturalität positiv verstehen, wir glauben aber, dass es auch nicht wenige Jugendliche gibt, die sich dem verschließen aus Angst vor dem Verlust von Identität", heißt es wörtlich.
Die Kirche müsse akzeptieren, dass die Pfarre nicht mehr der Ort für Suchende sei. Sie sei "kein Ort mehr für das Glaubensleben junger Menschen", was "als Herausforderung für die Suche nach anderen oder neuen Orten und Gemeinschaftsformen in und außerhalb von Pfarreien" zu sehen sei, so die Zwölfergruppe mit Bischöfen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und der Tschechischen Republik.

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