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30 November 2018, 12:00
Die große Prüfung für die Kirche

Attentat auf den hl. Papst Johannes Paul II.: „Die Kirche des Herrn hat am 13. Mai 1981 ein dramatisches Zeichen erhalten, in welcher historischen Entscheidungsphase sie sich befindet.“ Gastbeitrag von Pastor Frank Unterhalt
Paderborn (kath.net) Die Kirche des Herrn hat am 13. Mai 1981 ein dramatisches Zeichen erhalten, in welcher historischen Entscheidungsphase sie sich befindet. Im Attentat auf den hl. Papst Johannes Paul II. kann sie ein erschütterndes Bild der großen Prüfung erkennen, die sie nun treu und mutig bestehen muss.

Der frontale Angriff auf den Heiligen Vater galt ja nicht nur diesem selbst, sondern dem gesamten mystischen Leib Christi auf Erden. Nach der Lehre des hl. Augustinus ist der Papst „figura ecclesiae“ und repräsentiert die ganze Kirche (vgl. Epistulae 53,2). Vor diesem Hintergrund muss sie verstehen, dass sie mitten in einer apokalyptischen Auseinandersetzung steht, in der es um alles geht. Das wird noch deutlicher, wenn wir die genauen Umstände des Attentats betrachten. Die Schüsse fielen exakt um 17:17 Uhr. Hiermit ist ein unmissverständlicher Fingerzeig gegeben auf das Gründungsjahr der Freimaurerei im Jahr 1717. Der hl. Maximilian Maria Kolbe erlebte ihren Aufmarsch auf dem Petersplatz in Rom anno 1917. Den erklärten Plan der Freimaurer las der Apostel der Immaculata auf der entsprechenden Fahne: „Satan muss im Vatikan regieren, der Papst wird sein Sklave sein“ (kath.net am 14.8.2018).

In dieser Perspektive zeigt die Attacke auf die Spitze der Katholischen Kirche den feindlichen Versuch, sie vollständig zu überwinden. Der Anschlag in Rom hat offensichtlich das Ziel verfolgt, das von Gott bestimmte Fundament der Kirche zu entfernen, um es durch eine andere „Leitung“ zu ersetzen.

Wie prophetisch klingen da die Worte aus dem Mund des hl. Papst Johannes Paul II. selbst, die er wenige Monate vorher gesprochen hatte: „Wir leben in einer Zeit, in der man eine radikale Konfrontation spürt und erfährt, die sich überall durchsetzt […] Glaube und Unglaube; Evangelium und Anti-Evangelium; Kirche und Anti-Kirche; Gott und Anti-Gott, wenn wir dies so sagen können“ (Ansprache vom 2.11.1980).

Die Umstände des dramatischen Geschehens enthüllen noch mehr. Der Angriff auf den Heiligen Vater ereignete sich just an jenem Tag, an dem er eine wichtige Verlautbarung veröffentlichen wollte. Darauf hat Papst Benedikt XVI. anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Päpstlichen Institutes „Johannes Paul II.“ für Studien über Ehe und Familie hingewiesen: „Am 13. Mai 1981 erlitt mein geliebter Vorgänger Johannes Paul II. auf dem Petersplatz das bekannte schwere Attentat gerade während der Audienz, bei der er die Errichtung eures Instituts hätte ankündigen sollen“ (Ansprache vom 11.5.2006).

Die Zusammenhänge machen deutlich, an welcher Front der Kampf zwischen Licht und Finsternis besonders verläuft. Carlo Kardinal Caffarra, von 1981 bis 1995 der erste Präsident des besagten Institutes, hat in diesem Kontext einen Brief von Schwester Lucia aus Fatima erhalten, in dem Folgendes steht: „Die letzte Schlacht zwischen dem Herrn und der Herrschaft Satans wird um die Ehe und Familie geschlagen […] Jeder, der sich für die Heiligkeit der Ehe und Familie einsetzt, wird in jeder Hinsicht bekämpft und abgelehnt werden, weil das die entscheidende Frage ist“ (kath.net am 24.6.2015). Kardinal Caffarra hat seine Verantwortung vor Gott kraftvoll wahrgenommen und mit dem Unterzeichnen der Dubia die Wahrheit bezeugt. Im Licht der Botschaft von Fatima hat er die Dimension der großen Prüfung erkannt.

Das Attentat auf den hl. Papst Johannes Paul II. ereignete sich ja genau am Jahrestag der ersten Erscheinung der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria in Fatima. Den Angriff konnte der Heilige Vater – menschlich gesprochen – nicht überleben. Die drei Einschüsse aus unmittelbarer Nähe mussten aus irdischer Sicht eigentlich tödlich enden. Er sank mit blutiger Soutane (Foto und Video siehe unten) im Papamobil zusammen und hatte sich einer fünfstündigen Notoperation zu unterziehen. Der Feind schien gesiegt zu haben.

Doch der Heilige Vater überlebte das Attentat! Er sah sofort die Verbindung zur Botschaft von Fatima und pilgerte am 13. Mai 1982 ins Heiligtum der himmlischen Mutter der Kirche, um sich für die wundervolle Rettung bei ihr zu bedanken. Mit dem Wahlspruch „Totus tuus“ hatte er sich ihr ganz anvertraut. Er ließ eine der drei Kugeln in die goldene Krone der Madonna von Fatima einfügen.

Da nun die große Prüfung für die ganze Kirche gekommen ist, muss sie dringend den sicheren Zufluchtsort aufsuchen, den die Siegerin in allen Schlachten Gottes den Menschen von dort aus mit der erbetenen Weihe bereitet hat: „Mein Unbeflecktes Herz wird deine Zuflucht sein und der Weg, der dich zu Gott führen wird.“

Pastor Frank Unterhalt arbeitet im Pastoralverbund Brilon/Erzbistum Paderborn. Er ist Sprecher des Paderborner Priesterkreises „Communio veritatis“.

Amateurvideodokument: Das Attentat auf Papst Johannes Paul II. 1981 (engl.)




Foto am Rand des Weltjugendtags Krakau 2016: Die Soutane, die der hl. Papst Johannes Paul II. trug, als ihn ein Attentäter mit mehreren Kugeln traf




Video: Das Attentats-Shirt von Papst Johannes Paul II.