29 November 2018, 12:00
Prophetische Präsenz oder linke Politik?
 
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Der Ordenstag 2018 hat gezeigt, wo die Ordensgemeinschaften Österreichs ihre Hauptaufgabe sehen. Ein kath.net-Kommentar von Johannes Graf

Wien (kath.net/jg)
„Prophetische Präsenzen“ – das Motto des österreichischen Ordenstages 2018, der am 27. November in Wien stattgefunden hat, könnte kaum treffender gewählt worden sein. Das Leben der Ordensleute als Ganzhingabe an den lebendigen Gott hat in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft wie der österreichischen tatsächlich eine zutiefst prophetische Dimension.

In der konkreten Umsetzung bleibt davon dann leider wenig übrig – dafür gibt es sehr viel Politik. „Der Tenor der Vorträge: Orden müssten, wenn nötig, auch gegen den gesellschaftlichen und/oder politischen Mainstream auftreten“, schreibt die Katholische Presseagentur Österreichs.

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Asztrik Varszegi, der emeritierte Erzabt des ungarischen Benediktinerabtei Pannonhalma, betonte in seinem Vortrag, es gebe „Situationen für einen Christen, wo er sich anders benehmen muss, als von ihm erwartet wird“. Als Beispiel führt er dann die Aufnahme von Flüchtlingen durch die ungarischen Benediktiner im Jahr 2015 an. Das sei gegen den gesellschaftlichen Mainstream gewesen, der von der ungarischen Regierung vorgegeben wurde, schreibt kathpress.

Der zweite Hauptvortrag wurde von der ehemaligen ORF-Journalistin und Schriftstellerin Susanne Scholl gehalten, die sich jetzt bei der Initiative „Omas Gegen Rechts“ engagiert. Diese Gruppe sieht im Einsatz „gegen Rechts“ in erster Linie einen Einsatz gegen die von der ÖVP und FPÖ gestellte Regierung. „Wir leben in finsteren Zeiten“, sagte Scholl in Anspielung auf ein Zitat des kommunistischen Schriftstellers Bertolt Brecht – wie uns der kathpress-Artikel mitteilt.

Sie hätte nicht geglaubt, dass es in Österreich wieder dazu kommt, dass man die Demokratie, den Rechts- und Sozialstaat schützen muss. Diese sieht sie offenbar durch die Regierungsparteien gefährdet.

Scholl ist bewusst Jüdin, klärt uns der kathpress-Artikel auf, und „hätte es nicht für möglich gehalten, dass Antisemitismus heute in Österreich wieder so offen zum Tragen komme“. Ob das vielleicht auch etwas mit den muslimischen Flüchtlingen zu tun haben könnte, die ihr Vorredner so großzügig aufnehmen will? Es ist bekannt, dass Antisemitismus aus verschiedenen Gründen in muslimischen Ländern weit verbreitet ist und mit den Einwanderern aus diesen Gebieten nach Europa kommt. „Und ich will nicht, dass meine Kinder in Angst leben und möglicherweise das Land verlassen müssen“, sagt Scholl weiter. Ein Wunsch, dem man sich nur anschließen kann.

Dies sind die wesentlichen inhaltlichen Programmpunkte des österreichischen Ordenstages 2018 und ist wohl symptomatisch nicht für die Orden sondern weite Bereiche der Kirche in Österreich und darüber hinaus. Was bleibt übrig, wenn der Glaube, die Sakramente, die Verkündigung wegfallen? Es bleibt die Hilfe für die Armen, Schwachen und Entrechteten der Gesellschaft. Die Kirche hat sich von der ersten Stunde an dieser Aufgabe gewidmet und war in Europa über Jahrhunderte die führende Einrichtung in diesem Bereich. Nicht wenige Orden wurden gegründet, um das körperliche und materielle Elend der Menschen zu lindern.

Die Werke der Nächstenliebe entspringen im christlichen Verständnis aus der Gottesliebe. Die Liebe zu Gott ist das erste Gebot, die Nächstenliebe ist damit untrennbar verbunden, aber erst das zweite. Davon war beim Ordenstag offenbar wenig zu hören. Sobald die Verbindung zu Gott fehlt, wird aus dem sozialen Engagement zunehmend Politik. Ein Naheverhältnis zu linker Politik ergibt sich zunächst aus dem Einsatz für die Schwachen einer Gesellschaft, wird aber erst möglich, wenn etwas um sich greift, was Kardinal Müller kürzlich treffend als „Atheismus in der Kirche“ bezeichnet hat.

Linke Politik ist – das sei jetzt einmal so holzschnittartig gesagt – häufig die Verkünderin innerweltlicher Heilsversprechen, sei es die ideale, klassenlose kommunistische Gesellschaft, die den „neuen Menschen“ hervorbringt oder die kleinbürgerliche Idylle sozialdemokratisch verwalteter Länder. Bürgerliche und konservative Politik ist in dieser Hinsicht skeptischer, wohl auch wegen des Wissens um die Unvollkommenheit des Menschen nach dem Sündenfall. Je mehr nun in der Kirche die Verkündigung des Glaubens in den Hintergrund tritt, desto attraktiver werden diesseitige Heilserwartungen.

Wer den Glauben und die Gottesbeziehung wieder in den Mittelpunkt rückt, wird den so genannten „Linkskatholiken“ schnell suspekt, wie die Kritik an Johannes Hartl vor wenigen Wochen gezeigt hat. Begeisterung für den Glauben wird dann schnell als „Fundamentalismus“ verunglimpft und wer die Gebote ernst nimmt, wird mit dem Vorwurf bedacht, sich zu einer „Elite des Glaubens“ zu zählen.


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