28 Dezember 2018, 08:45
"Und das Licht leuchtet in der Finsternis ..."
 
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"Wir können davon ausgehen, dass die Zeiten für uns Christen noch finsterer werden" - Gedanken zum Tag des hl. Apostel Johannes, zum brutalen Verbrechen in Wien an fünf Ordensbrüdern und zur Bombendrohung im Stephansdom - Von Eva-Maria Hobiger

Wien (kath.net)
Der Stress der kurzen drei Adventwochen, die so rasch wie ein Lidschlag verflogen, gehört der Vergangenheit an. Wir haben die Christmette gefeiert und sind endlich dort angekommen, wonach wir uns in den letzten Wochen so sehr gesehnt haben. Die Kirche, die in mystisches Dunkel gehüllt war, nur von wenigen Kerzen erhellt, erstrahlte plötzlich in hellem Lichterglanz, die Orgel brauste auf und wir haben die Botschaft des Engels gehört: Euch ist heute der Retter geboren!

Die Heilige Messe am Abend des Christtages strahlt Ruhe aus in der Gewissheit des Heils, ja, das ewige Wort des lebendigen Gottes ist Fleisch geworden, wirklich und lebendig in unserer Welt. Dann folgte der Tag des hl. Stephanus, der die Idylle der Weihnachstage kurz unterbricht, er führt uns drastisch vor Augen, dass es sich bei unserem Glauben nicht um ein frommes Märchen handelt, diese Wahrheit ist so real, dass Stephanus sein noch sehr junges Leben dafür hingibt. Ihm werden viele folgen, sie werden ihr Leben verlieren, um es zu gewinnen und um allen künftigen Generationen als Zeugen zu dienen.

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Nun aber sind alle Geschenke ausgepackt, alle Festmähler gekocht, alle Besucher wurden empfangen, sogar der Weihnachtsblues, der manche unserer Freunde oder Verwandten, die nicht – mehr – wissen, was sie eigentlich in diesen Tagen feiern, punktgenau am Heiligen Abend befällt und die Freude ihrer Mitmenschen zumindest einschränkt, ist im Abklingen.
Es kehrt wieder Ruhe in unseren Häusern ein. Heute ist der Tag des heiligen Johannes, des Lieblingsjüngers des Herrn. Er ist der Apostel, der uns die schönsten Worte über Jesus geschenkt hat, in seinem Evangelium, in seinen Briefen und in der Geheimen Offenbarung, in der er uns aufgrund einer überwältigenden Erfahrung die Geheimnisse des Himmels erschließt. Er versichert uns gleich mehrfach, dass er uns keine Märchen erzählt: „Was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens.“ Johannes allein durfte am Abend vor dem Leiden seines Meisters an dessen Herzen ruhen. Weil er der Jüngste war? Oder vielleicht aber weil er der Sensibelste war und so seinem Meister ganz besonders nahe stand?

Schneller als Petrus lief er zum leeren Grab, aber er zauderte, einzutreten, er schickte Petrus vor, erst dann wagte er sich auch hinein, „er sah und glaubte“. Was sah Johannes im Grab? War es das Grabtuch, das heute in Turin aufbewahrt wird, war es das Schweißtuch, das wir in Manoppello sehen dürfen?

Um das Fest nachklingen zu lassen, besuche ich die Mittagsmesse im Wiener Stephansdom. Ich höre diese wunderbaren Schriftstellen, für die wir wohl in diesen Tagen der Weihnachtsoktav besonders empfindlich sind, sie tragen unser Herz und unsere Seele förmlich empor, sie berühren uns und lassen die Freude der Heiligen Nacht noch einmal voll erstehen. Ja, wir Christen wissen, wem wir glauben, wir kennen den Sinn und das Ziel unseres Lebens. Gott selbst ist in unsere Welt eingetreten, Er hat die Barriere durchbrochen, die uns von der Transzendenz trennt, für uns hat er sie geöffnet. Diese Gedanken beschäftigen mich noch, als die Fürbitten gelesen werden, aber plötzlich finden sie ein jähes Ende. Ein Polizist stürmt nach vorne zum Altarraum und schon verkündet der Lektor: Der Dom muss evakuiert werden! Wieder einmal (wie oft eigentlich schon?) zwingt eine Bombendrohung zum Abbruch der Heiligen Messe und zur Räumung des Domes. Die Menschen verlassen ruhig und ohne Panik die Kirche und zerstreuen sich, aber die Verstörung über diesen abrupten Abbruch des Gottesdienstes steht in ihren Gesichtern. Ihr Geist ist noch nicht ganz außerhalb der Kirchenmauern angekommen, er verweilt noch als Opfergabe am Altar.

Für fünf Glaubensbrüder kam es nur wenig später noch viel, viel schlimmer an diesem Tag, sie wurden Opfer eines brutalen Verbrechens. In einer Wiener Kirche wurden fünf Ordensmänner überfallen, stundenlang gequält und verletzt.
Hochverehrter, heiliger Apostel Johannes, Du schreibst für uns am Beginn Deines Evangeliums: „Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst“. An einem Tag wie diesen können wir Deine Worte noch besser verstehen. Wie könnte die Finsternis dieser Welt erfassen, dass der Allmächtige Gott zu uns kam als ein wehrloses Kind, ausgeliefert, ein Ursymbol der Gewaltlosigkeit, aber gerade dadurch der Träger der Friedensbotschaft? Wir können davon ausgehen, dass die Zeiten für uns Christen noch finsterer werden, noch kälter, noch furchterregender, vielleicht gehen wir Zeiten entgegen, wo von manchen von uns das Beispiel des heiligen Stephanus gefordert werden wird.

Du, heiliger Apostel, so wie damals ruhst du sicher auch jetzt am Herzen Jesu, erbitte für uns die Gnade, uns immer an Deine Worte zu erinnern, nämlich dass durch Weihnachten das wahre Licht in diese Welt kam und wir Seine Herrlichkeit geschaut haben!

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