14 März 2019, 08:00
„Im Kontext des gegenwärtigen Skandals überwiegen die Knabenschänder“
 
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Diese sind aber „ebenso homosexuell wie Mädchenschänder heterosexuell sind“. Offene Antwort auf den Fastenhirtenbrief des Limburger Bischofs Bätzing. Gastbeitrag von Bernhard Mihm

Limburg-Paderborn (kath.net) Hochwürdigster Herr Bischof Dr. Bätzing! Dieser Brief kommt zwar aus Paderborn, der Absender hat aber einen Diözesan-Limburger Hintergrund. Zwei Drittel meines Lebens habe ich in Frankfurt am Main verbracht, hier war ich fast ein Vierteljahrhundert lang politisch tätig: als Schuldezernent, Fraktionsvorsitzender und Stadtverordnetenvorsteher. Als katholischer Laie habe ich mich verbandsbezogen engagiert, zuletzt als Präsident und Vizepräsident der katholischen Akademikerarbeit Deutschlands. Ich war Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und, als ich dort einige Jahre lebte, stellvertretender Sprecher des Diözesanrates der Diözese Fulda. Auf Grund meiner Erfahrungen im ZdK wurde ich Mitgründer des Forums deutscher Katholiken und bin Mitglied des Kuratoriums der Kongresse „Freude am Glauben“

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Ich stelle mich Ihnen deshalb so vor, um glaubhaft zu machen, dass ich Ihr Hirtenwort zur diesjährigen Fastenzeit „Damit die Welt glaubt“ aufmerksam und mit sentire cum ecclesia zur Kenntnis genommen habe.

Dass Sie den sogenannten „Missbrauchsskandal“ zu einem Ansatzpunkt Ihrer Überlegungen gemacht haben, kann ich verstehen. Dennoch füge ich diesem Verstehen hinzu, dass wir Katholiken, ob Bischof, Priester oder Laie, nicht dazu beitragen sollten, den Blick auf die Kirche und deren stiftungsgemäße Verfassung auf diesen Skandal zu verengen. Denn die Kirche ist und bleibt heilig, so sündig wir Einzelne auch immer sein mögen. Sie ist Volk und nicht Sekte, aber ebenso ist sie mystischer Leib Christi und Zeichen Gottes unter den Völkern. Auch diese Aspekte sind in nicht arroganter, aber von Gott verbürgter Selbstsicherheit vorzutragen.

Beim Lesen Ihres Hirtenbriefes fiel mir auf, wie selbstverständlich und unkritisch Sie die sogenannte „MHG-Studie“ zugrundelegen. Dabei hat etwa Manfred Lütz (Psychiater und Klinikleiter) deren Mängel kompetent nachgewiesen. Die Probleme, die mit dem Missbrauchsskandal zu Tage getreten sind, können primär nicht soziologisch und psychologisch, sondern nur theologisch und spirituell erkannt und bewältigt werden. Bereits vor einigen Wochen habe ich in einem Leserbrief an die FAZ-Rhein-Main-Zeitung auf die verderblichen Folgen der verbreiteten Verlieblichung des Gottesbildes hingewiesen, die den Gott Jesu Christi nur noch als barmherzig erkennt und verkündet, wie das auch eine Wendung in Ihrem Hirtenwort nahelegt, seine Gerechtigkeit aber „verrät“ (Walter Hoeres) und die Menschen über Gottes Fähigkeit zum Zorn hinwegtäuscht. Ich beziehe mich auf den Freiburger Fundamentaltheologen Joseph Schumacher, der gemahnt hat, das heute penetrante Verschweigen des doppelten Ausgangs für das irdische Leben – Himmel oder Hölle – sei geeignet, „Seelsorge an der Wurzel zu paralysieren“. Ich füge hinzu: das gilt auch für die Selbstheiligung der Priester. Der Karnevalsschlager „Wir kommen alle, alle in den Himmel“ ist zum Kirchenlied gemacht worden. Da hat das Übel seine hauptsächliche Wurzel!

Die von Ihnen positiv konnotierten „Anfragen an die katholische Sexualmoral“ halte ich für völlig überflüssig, ja kontraproduktiv. Ein bekannter Schul- und Studentenseelsorger in Ihrer früheren Diözese Trier. Edmund Dillinger, pflegte den jungen Leuten eine der Mathematik nachgebildete Formel vorzutragen: „Geschlechtsverkehr minus Ehe gleich Unzucht“. Ja, so schlicht ist die Wahrheit. Und so schlicht sollten wir sie den Menschen wieder einprägen – gelegen oder ungelegen. Das gilt für Homosexuelle immer, aber für Heterosexuelle ebenso wortwörtlich. Was eine neue, wohlwollendere Sicht auf die Homosexualität helfen soll, erschließt sich mir nicht. Im Kontext des gegenwärtigen Skandals überwiegen die Knabenschänder. Die aber sind ebenso homosexuell wie Mädchenschänder heterosexuell sind. Nicht zeitgeistgerechte Liberalisierung ist Gebot der Stunde, sondern Bekehrung zum heiligen Ernst katholischer Sittenlehre!

Dann erübrigen sich auch alle Debatten um „Strukturen“ in der Kirche. Diese Debatten holen doch nur jene „antiautoritären“ und „emanzipatorischen“ Zuckungen einer Kulturrevolution nach, deren schlimme Folgen in der Gesellschaft zu besichtigen sind.

Bernhard Mihm

Foto: Symbolbild

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