11 Juni 2019, 10:45
Papst Franziskus plant 2020 Reise in den Irak
 
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In Ansprache vor Vertretern katholischer Nahost-Hilfswerke zugleich scharfe Kritik am Waffenhandel Europas bei zeitgleicher Verweigerung der Aufnahme von Flüchtlingsbooten

Vatikanstadt (kath.net/KAP) Papst Franziskus ist fest entschlossen, im kommenden Jahr den Irak zu besuchen. Dies betonte er am Montag im Vatikan bei einer Begegnung mit den Teilnehmenden der Vollversammlung der katholischen Hilfswerke für die Ostkirchen (ROACO). Im Hinblick auf den Irak begleite ihn der beständige Gedanke, dass dieses Land der friedlichen Beteiligung aller - auch der religiösen Gemeinschaften - am Aufbau des Gemeinwohls bedürfe und nicht in die Spannungen zurückfallen solle, die auf die Konflikte der Regionalmächte zurückzuführen sind.

Mit tiefer Trauer denke er an das Drama Syriens und an die "dunklen Wolken" über einigen noch instabilen Regionen des Landes, wo das Risiko einer noch größeren humanitären Krise bestehe, sagte der Papst weiter. Es gebe den lauten Ruf der Menschen, denen es an Nahrungsmitteln und Medikamenten fehle, den Schrei der Waisenkinder, der Verletzten und der Witwen. Auch wenn die Menschen diesen Schrei nicht hören wollen, Gott höre ihn. Dass Länder von Frieden redeten und gleichzeitig Waffen verkauften, um Kriege zu führen, sei "Heuchelei" und erwecke den "Zorn Gottes".

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Scharf kritisierte der Papst in diesem Zusammenhang die Abweisung von Bootsflüchtlingen in Europa. Die Schreie von massenhaft auf Schiffen zusammengedrängten Flüchtlingen würden nicht gehört, Waffenhandel floriere hingegen, sagte das Kirchenoberhaupt. Flüchtlinge "auf der Suche nach Hoffnung wissen nicht, welche Häfen sie aufnehmen könnten, in einem Europa, welches jedoch die Häfen für Schiffe öffnet, die teure und hoch entwickelte Waffensysteme laden wollen", so der Papst. Konkretere Bezüge, etwa zur Lage in Italien, machte das Kirchenoberhaupt nicht. Waffenhandel könne verheerende Folgen haben, "die nicht einmal Kinder verschonen", so Franziskus.
Papst Franziskus kam auch auf die Situation in der Ukraine zu sprechen. Er hoffe, dass die Bevölkerung dort wieder den Frieden finden könne. Er habe versucht, mit seiner Hilfsinitiative, an der sich viele kirchliche Einrichtungen beteiligt hätten, die durch den Konflikt verursachten Wunden zu lindern.

Hoffnung für die jungen Generationen

Als Hoffnungszeichen nannte der Papst indes die Tätigkeit der kirchlichen Hilfswerke im Sinn der Nächstenliebe. Diese Tätigkeit zeige das Gesicht der Kirche und trage dazu bei, sie lebendig zu machen, vor allem aber nähre sie die Hoffnung der jungen Generationen. Die jungen Menschen hätten ein Recht darauf, dass ihnen das "faszinierende und anspruchsvolle" Wort Christi verkündet wird. Franziskus appellierte zudem an die kirchlichen Hilfswerke, ihr Engagement zu verstärken, damit die jungen Menschen in den Ländern des Nahen Ostens und Osteuropas frei von ideologischen Zwängen, mit offenem Geist und in Wertschätzung ihrer nationalen und kirchlichen Wurzeln eine Zukunft des Friedens und des Wohlstandes aufbauen könnten.
Als positives Beispiel führte der Papst die jungen Menschen Äthiopiens und Eritreas an, die nach dem ersehnten Frieden zwischen den beiden ostafrikanischen Ländern die Waffen beiseitelassen konnten. Ebenso ein Hoffnungszeichen sei die Einigung mehrerer Kirchen in Jerusalem zur Restaurierung der Grabes- und Auferstehungskirche.
Die jungen Menschen verspürten generell den Ruf zu jener ehrlichen und respektvollen Geschwisterlichkeit, die das in Abu Dhabi im Februar gemeinsam mit dem Großimam von Al-Azhar, Ahmed al-Tayyeb, unterzeichnete Dokument kennzeichne, so Papst Franziskus weiter. Er appellierte an die Verantwortlichen der in der ROACO versammelten Hilfswerke, ihn bei der Verbreitung dieser "guten Allianz für die Zukunft der Menschheit" zu unterstützen.
Unis "Laboratorien des Miteinanders"

Abschließend erinnerte der Papst in besonderer Weise an die Bedeutung der Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen im Libanon und in anderen nahöstlichen Ländern, die "authentische Laboratorien des Miteinanders und Schulen der Humanität" seien.

Am Dienstag feiert der Präfekt der vatikanischen Ostkirchenkongregation und Präsident der ROACO, Kardinal Leonardo Sandri, mit den Vertretern der Hilfswerke die Heilige Messe. In den nächsten Tagen werden u.a. der Apostolische Nuntius in Israel und Apostolische Delegat in Jerusalem, Erzbischof Leopoldo Girelli, der Franziskaner-Kustos des Heiligen Landes, P. Francesco Patton, der Apostolische Nuntius in Syrien, Kardinal Mario Zenari, und sein Amtskollege in der Ukraine, Erzbischof Claudio Gugerotti, bei der ROACO-Vollversammlung referieren.

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