14 Juni 2019, 15:35
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Bischof Voderholzer beim Pontifikalamt zur Eröffnung des Kongresses „Freude am Glauben“ in Ingolstadt: Lassen Sie sich nicht einreden, die Liebe zum überlieferten Glauben in seiner ganzen Fülle und Schönheit sei un-mutig oder un-visionär.

Ingolstadt (kath.net)
kath.net dokumentiert die Predigt von Bischof Voderholzer beim Pontifikalamt zur Eröffnung des Kongresses „Freude am Glauben“ in Ingolstadt:

Statio:

Liebe Mitbrüder im Bischofs-, Priester und Diakonenamt,
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, hier im Münster zur Schönen Unserer Lieben Frau in Ingolstadt und wo immer Sie über Fernsehen oder Internet mit uns verbunden sind!

Wir sind an einem altehrwürdigen Ort versammelt, dessen Geschichte uns tief mit der Geschichte der Erneuerung von Glaube und Kirche verbindet.

Über viele Jahre war diese Kirche zugleich Pfarr- und Universitätskirche, denn Ingolstadt war erster Sitz der ersten bayerischen Landesuniversität, ehe sie im Jahr 1800 vor Napoleon nach Landshut fliehen musste und schließlich 1825 nach München weiterzog, die Ludwig-Maximilians-Universität. Die Hochschultradition wird neuerdings wieder von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt fortgesetzt.Auf der Rückseite des wunderbaren Hochaltars, der anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Universität 1572 gestiftet wurde, ist ein Bild der Patronin der theologischen Wissenschaft zu sehen, der heiligen Katharina von Alexandria, wie sie der versammelten heidnischen Professorenschaft gegenübersteht und mit ihrer vom Licht des Glaubens erleuchteten Vernunft die Größe und Schönheit des Glaubens erschließt.

Hier in dieser Kirche wirkte Johannes Eck, der katholische Diskussionspartner Martin Luthers, und er liegt auch hier begraben. Hier predigte der heilige Petrus Canisius, der 1549 mit den ersten Jesuiten in Ingolstadt ankam und der zu Recht den Titel „zweiter Apostel Deutschlands“ zugesprochen bekommen hat.

Er gründete hier nicht zuletzt auch die „Marianische Kongregation“ zur Vertiefung der Spiritualität und zur Formung von Menschen aus dem Geist des Evangeliums und unter dem Patronat der Gottesmutter zur Gestaltung von Welt und Gesellschaft.

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So hat unser Kongress „Freude am Glauben“ große Patrone und Fürsprecher und wir nehmen die Bitte um ein gutes Gelingen herein in diese heilige Feier.

Predigt im Wortlaut:

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Das Messformular „Maria, Mutter der Schönen Liebe“ sieht als Evangelium die Verkündigungsperikope vor, die uns der Herr Diakon gerade wieder neu vorgetragen hat.
Es ist uns aus dem Ave-Maria und dem Angelus-Gebet zutiefst vertraut.

Dieses Evangelium ist nicht nur, zusammen mit der entsprechenden Überlieferung des Matthäus-Evangelisten, der biblische Beleg für die jungfräuliche, geist-gewirkte Empfängnis des messianischen Gottessohnes, es ist auch das ideale Evangelium für die Eröffnung des Kongresses „Freude am Glauben“ und es führt uns hinein in die Mitte auch des Kirchenverständnisses und der sakramentalen Struktur der Kirche.

Der Gruß des Engels, den wir im Deutschen, gemäß dem lateinischen „Ave Maria“, mit „Gegrüßet seist du Maria“ zu sprechen gewohnt sind, heißt im griechischen Original „chaire“, wörtlich: „Freue Dich“, „Freue Dich, Maria!“ Das ist nicht unwichtig, sondern verbindet die Berufung der Gottesmutter mit der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel.

Der Engel Gabriel grüßt nämlich Maria mit denselben Worten, mit denen einst der Prophet Zefanja das als „Tochter Zion“ personifizierte Israel aufgemuntert und zur Freude aufgerufen hatte: „Freue dich, Tochter Zion… der Herr ist in deiner Mitte.“

Die Bible de Jérusalem, die vielleicht beste Übersetzung der Bibel in die Landessprachen, empfiehlt denn auch diese wörtliche Übertragung: „Freue Dich, Maria.“ Und in manchen französischen Gemeinschaften wird das Ave Maria gebetet als „Réjouie-toi Marie“. Auch im Englischen übersetzt die Jerusalemer Bibel: „Rejoice, Marie.“ Freue Dich, Maria.

Unser Evangelium will uns damit sagen: Maria, die Frau aus Nazareth, ist der heilige Rest Israels in Person, die Tochter Zion. Sie ist der wahre Tempel, der Ort, den Gott sich zur Wohnstatt gemacht hat. Auf sie schaut der große und heilige Gott, dem doch alles gehört und der trotzdem angewiesen sein will auf ein gläubiges Herz, das sich ihm öffnet und zur Verfügung stellt.

Im Dom zu Regensburg, meiner Kathedrale, haben wir, wie Sie vielleicht wissen, eine mittelalterliche Verkündigungsgruppe, und der Engel Gabriel, der seine Botschaft auf einem schwungvollen Spruchband bei sich hat, strahlt über das ganze Gesicht; viele Besucher kommen eigens in den Dom, um ihn zu sehen, den „lachenden Engel“, den Inbegriff der Freude und frohmachenden Botschaft.

„Chaire!“ Freue dich Maria, und an Ostern singen wir: Freue dich mit ihr, erlöste Christenheit. Freut Euch im Glauben, auch ihr Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses, die wir alle wie Maria mitwirken dürfen am Heil und an der Erlösung; freut euch, denn der Glaube ist nicht eine Last, sondern Quelle des Trostes und der Freude!
Diese gesamtbiblische Einordnung der Verkündigungsperikope führt uns freilich noch tiefer in die Zusammenhänge unseres Glaubens hinein.

Mit dem Thema „Tochter Zion“ ist nämlich ein wesentliches Element der biblischen Überlieferung angesprochen, eine Theologie der Frau, ohne die das Alte und auch das Neue Testament nicht zu verstehen sind.

Die Offenbarung Gottes, sie zeichnet sich nämlich nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift ein in die geschöpfliche Beziehung des Gegenübers von Mann und Frau. Das Hohelied der Liebe ist nur der Höhepunkt der Glaubensüberzeugung, dass in der ehelichen Gemeinschaft von Mann und Frau die angemessenste Analogie für das Verhältnis Gottes zu seinem Volk Israel gegeben ist. Die natürliche und unvertauschbare Zuordnung und Komplementarität von Mann und Frau wird im Zusammenhang des Glaubens gnadenhaft überhöht und zur Darstellung der Heilswirklichkeit erhoben. Jesus stellt sich in diese aus dem Glauben Israels herkommende Tradition und offenbart sich selbst als der Bräutigam des Volkes, bei dessen Anwesenheit doch nicht gefastet werden darf (vgl. Mk 2, 19).

Die Theologie des Ehesakramentes beruht auf dieser Glaubenseinsicht, ist doch die Ehe von einem getauften Mann und einer getauften Frau Sakrament, heiliges Zeichen, Darstellung der Liebe Christi zu seiner Kirche (vgl. Eph 4, 24).
Und auch die Zuordnung des Weihesakramentes zum männlichen Geschlecht beruht auf dieser ins Licht des Glaubens erhobenen natürlichen Zeichenhaftigkeit. Der Priester repräsentiert in seiner ganzen Person Christus als „Bräutigam“ der Kirche.

Hier geht es nicht um die Darstellung der naturalen Fruchtbarkeit der stetig sich abwechselnden Jahreszeiten.
Jesus hat bewusst nur Männer als Apostel berufen, als Stammväter des neuen Israel, die ihn dann zu vergegenwärtigen hatten auch im christlichen Kult.

Das hat nichts zu tun damit, dass man sich in der Antike weibliches Priestertum nicht vorstellen konnte. Im Gegenteil: Die Religionen und Kulte Griechenlands und Roms kannten vor allem ein weibliches Priestertum. Ihr Dienst war oft verbunden mit der Tempelprostitution als Darstellung der Fruchtbarkeit der Erde im ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen.

Davon setzt sich gerade die in der Bibel bezeugte Offenbarung ab mit ihrem Verweis auf die Geschichtsmächtigkeit Gottes, der nicht durch die naturale Fruchtbarkeit wirkt, sondern durch Menschen, die auf ihn hören, durch ein Volk, das er sich als Eigentum erwählt hat und das in der gesamten biblischen Überlieferung weiblich konnotiert ist, als Tochter Zion, die in Maria eine individuelle, von Gott in besonderer Weise begnadete Person wird.

Die Glaubensüberzeugung von der Schöpfung des Menschen im Gegenüber von Mann und Frau, Geschlechterpolarität und ihre Positivität, ist somit so etwas wie die Grammatik der heilsgeschichtlichen Offenbarung. Sie ist nicht nur Ausdruck des Wesens des Menschen, sondern auch die Bildseite der Sakramentalität der Kirche. Das schließt selbstverständlich nicht aus, dass die Kirche und alle ihre Glieder jedem Menschen mit Hochachtung begegnen, ganz gleich, welche biologischen oder psychischen Besonderheiten er hinsichtlich seines Geschlechtes aufweist. Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes.
Die grundsätzliche Infragestellung der in der Schöpfung gegebenen Bezogenheit von Mann und Frau aufeinander hat aber nicht nur erhebliche anthropologische Folgen, sondern auch theologische, insbesondere sakramenten-theologische.

Deshalb ist das letzte Woche veröffentlichte Schreiben der römischen Bildungskongregation mit dem Titel „Als Mann und Frau schuf er sie. Für einen Weg des Dialogs über die Genderfrage“ so außerordentlich wichtig. Es war ja seit langem angekündigt gewesen und fasst die wichtigsten Lehraussagen von Papst Franziskus zu dieser für das Menschenbild wichtigen Frage zusammen. Ich hoffe, dass es bald auch in deutscher Übersetzung vorliegt.

Dass es die Bildungskongregation ist, die das erste der angekündigten Dokumente zu dieser Frage veröffentlicht, hängt mit der von Papst Franziskus schon oft kritisierten „ideologischen Kolonisierung“ zusammen, durch die gerade über den Weg der Erziehung der Kinder und Jugendlichen die Schöpfungswirklichkeit untergraben wird.

Wörtlich heißt es in diesem Dokument mit Papst Franziskus:
Die Gender-Ideologie „fördert Erziehungspläne und eine Ausrichtung der Gesetzgebung, welche eine persönliche Identität und affektive Intimität fördern, die von der biologischen Verschiedenheit zwischen Mann und Frau radikal abgekoppelt sind. Die menschliche Identität wird einer individualistischen Wahlfreiheit ausgeliefert, die sich im Laufe der Zeit auch ändern kann.“
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Münster in Ingolstadt ist der Gottesmutter der Schönen Liebe geweiht.

Auch dieses Patrozinium verbindet Altes und Neues Testament. Denn das Wort von der Mutter der schönen Liebe stammt aus dem Buch Jesus Sirach und ist dort der Sophia, der göttlichen Weisheit in den Mund gelegt (vgl. Sirach, 24, 18).
In Maria, so hat es die christliche Tradition erkannt, ist die Mutter der schönen Liebe als unsere Schwester und Mutter geschichtliche Realität geworden. Ihrer Fürsprache vertrauen wir auch diese Tage des Kongresses Freude am Glauben 2019 an. Dreimal Wunderbare Gottesmutter! Bitte für uns!
Amen.

kath.net dokumentiert auch das
Grußwort zur Eröffnung des Kongresses „Freude am Glauben“ in Ingolstadt am Freitag, 14. Juni 2019


Lieber Herr Professor Gindert mit allen Veranstaltern und Organisatoren des Kongresses „Freude am Glauben“!

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer, meine sehr verehrten Damen und Herren!

Nachdem wir gerade drüben im Münster zur Schönen Unserer Lieben Frau die Eucharistie gefeiert haben, grüße ich Sie alle – auch im Namen des Ortsbischofs Gregor Maria Hanke von Eichstätt – sehr herzlich hier im Stadttheater Ingolstadt.

Ich danke allen für die Veranstaltung Verantwortlichen und Ihnen allen, die Sie gekommen sind.
Der Kongress „Freude am Glauben“ ist ein wichtiges Forum des Austausches und der Begegnung, vor allem aber des gemeinsamen Ringens und Vertiefens des Glaubens im Blick auf seine Bedeutung, die Gesellschaft, das Zusammenleben der Menschen zu gestalten und Zukunft zu eröffnen.

Ich habe diesen Kongress immer als einen Ort erlebt, wo der Glaube in seiner unverkürzten Größe und Schönheit angenommen und als Quelle der Freude und der Erneuerung von Kirche und Gesellschaft in den Blick genommen wird.

Mit Ihrem Motto „Ohne Gott – keine Zukunft“ stellen Sie die Gottesfrage ins Zentrum und machen zu Recht deutlich, dass die immer notwendige Erneuerung der Kirche nicht von einer Änderung von Strukturen zu erwarten ist, sondern von Bekehrung, von Hinkehr zu Gott, vom Hören auf sein Wort und von der Bemühung um Heiligkeit.

Lassen Sie sich nicht einreden, die Liebe zum überlieferten Glauben in seiner ganzen Fülle und Schönheit sei un-mutig oder un-visionär. Wer mit wachen Sinnen die Zeitläufte beobachtet, sieht doch sofort, wozu es heute wirklich Mut braucht.

Der Ende letzten Jahres verstorbene Philosoph Robert Spaemann hat in einem Aufsatz mit dem Titel „Christliche Spiritualität und pluralistische Normalität“
ausgeführt:„Dass die christliche Existenz in der Welt die Existenz von Fremdlingen ist, diese neutestamentliche Sicht wird uns heute wieder unmittelbar erfahrbar. Innensicht und Außensicht des Christentums, insbesondere des kirchlichen Christentums, sind immer schwerer miteinander zu vermitteln. Wer heute glaubt, dass er sein Dasein in erster Linie nicht dem Spiel der Umstände, angefangen vom Urknall bis heute, sondern einer genau auf dieses Dasein zielenden ewigen Absicht verdankt, wer glaubt, dass sich einmal in der Geschichte des Universums, nämlich vor 2000 Jahren, an einem wenig prominenten Ort dieses Planeten das schlechthin Inkommensurable ereignet hat, nämlich das Auftauchen des Ursprungs aller Dinge mitten unter diesen Dingen in Raum und Zeit, wer glaubt, dass der Mensch Jesus von Nazareth von einer Jungfrau geboren wurde und dass sein Grab nach drei Tagen leer war, ohne dass jemand den Leichnam entfernt hatte, wer glaubt, dass bestimmte Stücke Brot sich von anderen darin unterscheiden, dass sie in Wirklichkeit der auferstandene Leib dieses Menschen sind, wer sein irdisches Leben als bloßen Auftakt eines ewigen Lebens betrachtet, so dass die Leiden dieser Zeit, wie Paulus sagt, kaum der Rede wert sind im Vergleich zu dem, was uns danach erwartet (Röm 8,18), wer glaubt, dass trotzdem in dieser kurzen Zeit die endgültige Entscheidung darüber fällt, ob dieses künftige Leben ein Leben bei Gott oder aber getrennt von Gott, also ewiger Tod beziehungsweise ewiges Feuer sein wird, und dass wir deshalb unser Heil, wie der gleiche Paulus sagt, in ‚Furcht und Zittern‘ wirken müssen (Phil 2,13), wer die Verfassung der geschichtlichen Menschheit für das Resultat eines anfänglichen Unfalls hält, in dem der Mensch die Chance verspielte, dem evolutionären Zirkel von Geborenwerden, Selbstbehauptung auf Kosten anderer und Sterben zu entrinnen, wer glaubt, dass der zweite Hauptsatz der Thermodynamik im kosmischen Prozess nicht das letzte Wort behält, sondern dass die Macht der ewigen Liebe aus dem Untergang der gegenwärtigen Welt eine neue Welt entstehen lassen wird, wer nicht nur an ein Fortleben nach dem Tod, sondern an eine Auferstehung des Fleisches glaubt – wer all dies glaubt, der ist in unserer Zivilisation ein Außenseiter und gehört einer ziemlich kleinen kognitiven Minderheit an.

Zwar ist das, was er glaubt, nicht im Geringsten unvernünftig, aber es widerspricht massiv dem Common sense des gegenwärtigen Zeitalters.“

Wir tun gut daran, diese Analyse zu beherzigen, damit wir nicht mutlos werden, damit wir nicht der Versuchung erliegen, zu meinen, mit Abstrichen am Glauben könnte das Problem gelöst werden; sondern damit wir uns nur umso mehr im Glauben stärken lassen und stärken.
Das Schicksal einer Gesellschaft, darauf hat der englische Kulturtheoretiker Arnold Joseph Toynbee hingewiesen, hängt immer wieder gerade von „schöpferischen Minderheiten“ und Einzelpersonen ab, von schöpferischen Minderheiten, die sich nicht an der Tagesmode orientieren oder sich von der Schwerkraft bestimmen lassen, sondern nach der Wahrheit suchen und dafür einstehen.

Dies sagt uns auch unser Herr Jesus Christus, wenn er die Christen in der Bergpredigt „Salz der Erde“ nennt und „Licht für die Welt“.
Ich wünsche dem Kongress „Freude am Glauben“ 2019 viel Heiligen Geist und von daher gutes Gelingen!

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