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16 September 2019, 11:15
Marx und Rom ODER: Am deutschen Wesen soll die Weltkirche genesen

Marx droht in einem Brief den Präfekten der Kongregation für die Bischöfe - „Wir haben Ihre Schreiben mit diesem Partner besprochen. Die Unruhe ist groß“ - In München liegen die Nerven blank. Die Freunde von Marx in Rom werden weniger
München (kath.net/rn)
Die Beziehung zwischen dem Münchner Kardinal Reinhard Marx und Rom steht auf der Kippe und die Nerven liegen in München offensichtlich blank. Dies zeigt ein kath.net vorliegender Brief des Kardinals an Kardinal Ouellet, dem Präfekten der Kongregation für die Bischöfe, vom 12. September 2019. In dem Brief, der unter dem Aktenzeichen „PA V 1456/19“ nach Rom geschickt wurde, unterstellt Marx Ouellet, dass dieser schlecht über den synodalen Weg informiert gewesen sei.

„Vielleicht wäre ein Gespräch vor der Versendung dieser Schriftstücke hilfreich gewesen. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte auf ihrer Frühjahrs-Vollversammlung ohne Gegenstimmen entschieden, einen Synodalen Weg zu beschreiten und dafür keine der im kanonischen Recht vorgesehenen Formen einer Synode zu wählen. Sie wissen das aus unseren Protokollen“, schreibt Marx.

Der Erzbischof meint dann in dem Brief, dass der synodale Weg eine Art „Beratung eigener Art“ sei, die vom kanonischen Recht nicht erfasst werde. Der Synodale Weg wird von ihm als ein „Prozess sui generis“ bezeichnet. Der Kardinal möchte, dass der Satzungsentwurf deshalb auf keinen Fall „durch die Brille kirchenrechtlich verfasster Instrumente“ wie eines Plenarkonzils gelesen und interpretiert werde. Klar ist, dass Marx & einige deutsche Bischöfe mit diesem Verbal-Trick den umstrittenen Prozess damit gegen Kritik schützen möchten.

Brisant ist auch eine weitere Behauptung von Marx. So meint der Erzbischof von München, dass der Päpstliche Rat, der den Entwurf zum Synodalen Prozess kritisiert hat, einen Entwurf hatte, der längst überholt sei. Marx behauptet, dass die Entwürfe im Juli und August weiterentwickelt wurden. Dies soll sich laut dem Marx-Brief besonders in den Bestimmungen bemerkbar gemacht haben, die auf die die Frage der Beschlussfassung eingehen. Laut kath.net vorliegenden Informationen aus dem Umfeld der DBK hat es allerdings in den Sommermonaten überhaupt keine relevanten Änderungen im Entwurf gegeben. Zur Einordnung der Chronologie: Das Gutachten des Päpstlichen Rats der Gesetzestexte stammt vom 1. August 2019, das Schreiben von Ouellet wurde am 4. September den Deutschen Bischöfen zugestellt.

Den Schwarzen Peter möchte Marx aufgrund des zu erwartenden anti-römischen Ergebnis des "synodalen Prozesses" offensichtlich an Papst Franziskus weiterreichen. So schreibt er: „Beschlüsse in weltkirchlich regelungsbedürftigen Fragen werden wir - im Sinne von Voten - dem Heiligen Vater zur Kenntnisnahme und zu weiteren Schritten nach seinem eigenen Ermessen übermitteln.“

Und mit einer gehörigen Portion deutschen Überheblichkeit im Sinne vom „Am deutschen Wesen soll die Weltkirche genesen“ geht es dann weiter: „Wir hoffen, dass Ergebnisse einer Meinungsbildung in unserem Land auch für die Leitung der Weltkirche und für andere Bischofskonferenzen im Einzelfall hilfreich sind.“

Den geplanten de-facto-Angriff durch deutsche Bischöfe auf die Lehre der Kirche rechtfertigt Marx dann im Brief mit den sexuellen Missbrauchsfällen in der Kirche. Dazu beruft er sich auf Wissenschaftler, die die Vermutung geäußert haben, dass es in der Kirche „systemische, negative Einflussfaktoren“ gebe, die solchen Missbrauch begünstigen. Marx meint dann, dass die Themen der Synode Themen seien, die angeblich „zahllose Gläubige“ in Deutschland als erörterungsbedürftig ansehen.

Konträr zu den Plänen der Deutschen Bischofskonferenz behauptet Marx dann, dass diese die Mahnung des Papstes, den sensus ecclesiae zu bewahren und immer als Teil der Gesamtkirche zu handeln, entsprechen wollen. Marx erinnert dann, dass man das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZDK) zum Partner habe. Dies könne laut dem Münchner Erzbischof eigentlich keinen überraschen, der den Katholizismus in „unserem Land“ kenne und weiß, dass in der Kirche eine starke Partizipation der Laien von allen dringend erwartet werde. „Wir haben Ihre Schreiben mit diesem Partner besprochen. Die Unruhe ist groß“, droht Marx dann sogar Kardinal Ouellet.

Und Marx kündigt an, dass er diese „verschiedenen Aspekte“ bald einmal in Ruhe mit diesem besprechen möchte. „Dann werden sich bestimmt viele Missverständnisse, von denen Sie sich haben leiten lassen, noch aufklären lassen“, stellt er Ouellet sogar abschließend als uniformiert dar.

Marx wird in den nächsten Tagen in Rom erwartet. Klar ist, dass die Freunde des Münchner Erzbischofs in Rom immer weniger werden. Die Präpotenz von Marx, der durchaus auch sehr lautstark mit der römischen Kurie umspringt, gilt im Vatikan als offenes Geheimnis. Auch gegenüber dem Papst soll Marx schon sehr ungehalten und laut aufgetreten sein.

Ein Mysterium ist in Rom, warum Papst Franziskus trotz des eigentümlichen Verhaltens des Münchner Erzbischofs immer noch an Marx im engsten Kardinalsrat festhält. Die Antwort eines Vatikanexperten aus Rom, der nicht genannt werden möchte, ist sehr einfach: Es geht ums liebe Geld.

Der Vatikan hat massive Geldprobleme und zuletzt unter Papst Franziskus deutliche Mehrschulden aufgebaut. Nach dem Desaster mit McCarrick nehmen die Spendengelder aus den USA, die den Vatikan bis jetzt massiv gestützt haben, ab. Neben den USA bleibt nur mehr die reiche deutsche Kirche als relevanter Finanzhelfer des Vatikans übrig.

Was bisher auch kaum bekannt war: Das Schreiben von Papst Franziskus vom Juni an die deutschen Katholiken, in dem Franziskus deutliche Kritik am synodalen Weg übte, stammt – entgegen so manchen Erklärungs- und Relativierungsversuchen – direkt aus der Feder des Papstes. Nicht einmal im Staatssekretariat soll man im Vorfeld gewusst von dem Schreiben haben.

Wie es jetzt mit Marx & Co und Rom weitergeht ist unklar. Marx dürfte in den nächsten Tagen mit massivem Druck in Rom versuchen, noch das Debakel zu verhindern. Doch für Marx, der als gesundheitlich angeschlagen gilt, sind die „römischen Aktien“ im Sinkflug. Falls der deutsche Kirchenrechtler Schüller recht hat, ist der synodale Weg von Marx & Co. ohnedies erledigt.

Pressefoto: Reinhard Kardinal Marx