Imam bedauert Verzicht auf Halbmond-Logo im BR

26. Juni 2015 in Deutschland


Imam Benjamin Idriz kann die ganze Aufregung um den Halbmond nicht verstehen. «Ich glaube kaum, dass etwas Ähnliches passiert wäre, wenn es um Symbole anderer Religionen gehen würde.» - Kritiker hatten heftig protestiert


München (kath.net/KNA) Der Penzberger Imam Benjamin Idriz hat bedauert, dass das Bayerische Fernsehen nach Protesten ein Ramadan-Logo mit Halbmond nicht mehr ausstrahlt. Wichtig sei aber, dass am Programm selbst nichts geändert werde, sagte der 42-Jährige am Donnerstag dem Internportal «süddeutsche.de». Dennoch könne er die ganze Aufregung um den Halbmond nicht verstehen. «Ich glaube kaum, dass etwas Ähnliches passiert wäre, wenn es um Symbole anderer Religionen gehen würde.» - Im Rahmen des Themenschwerpunkts Ramadan war das Logo die ersten Tage auf dem Bildschirm zu sehen. Kritiker liefen jedoch im Internet dagegen Sturm.

Leider gebe es in der Gesellschaft antiislamische Tendenzen und Netzwerke, die diese Form der Menschenfeindlichkeit schürten und steuerten, beklagte Idriz. Der bayerische Verfassungsschutz habe dazu eine eigene Kategorie des islamfeindlichen Extremismus eingeführt, erinnerte der Imam. Über Internetblogs könnten solche Machenschaften dann durchaus Lawinen von Protesten und Hassmails auslösen. Ob das auch in diesem Fall dahinterstehe, wisse er nicht. Idriz hofft jedoch, dass man sich beim Bayerischen Rundfunk (BR) der Problematik voll bewusst sei.

Der Halbmond ist laut dem Imam ein Teil des muslimischen Lebens. Im Koran sei er einfach ein Symbol für die Zeit, den Monat, und erinnere daran, «dass Gott der Herr von Zeit und Ewigkeit ist». Zugleich hält es Idriz für vollkommen in Ordnung, wenn künftig auch bei einem christlichen Gottesdienst etwa ein Kreuz eingeblendet wäre oder bei einer jüdischen Feier ein Davidstern oder ein Leuchter. Er selbst habe das Logo im Rahmen der Berichterstattung über den Ramadan als «sehr gelungen» empfunden.

Weiter plädierte der Imam dafür, dass das Bayerische Fernsehen zwar die bayerische Tradition pflegen solle, aber sich auch für Muslime weiter öffnen möge. «Das Programm zum Ramadan ist ein sehr guter Ansatz - schade, dass jetzt diese Missstimmung hereingebracht wurde.» Vorstellen kann sich Idriz auch ein «Wort zum Freitag» durch einen Imam, weil darin Muslimen und Nichtmuslimen erklärt werden könne, was Islam wirklich sei und was nicht.

Das Bayerische Fernsehen überträgt am 17. Juli aus der Penzberger Moschee von Idriz das Festgebet zum Ende des Ramadan. Seine Gemeinde sehe dies als ein Zeichen der Anerkennung. Für alle Muslime sei dieser Termin der wichtigste Anlass, in die Moschee zu gehen, vergleichbar mit einem Weihnachtsgottesdienst bei Christen.

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