Diözese Eisenstadt verweigert Grenzzaun auf Kirchengrund

22. April 2016 in Österreich


Bischof Zsifkovics: Geplanter Zaun bei Moschendorf widerspricht Evangelium und Anliegen des Papstes - Errichtung von Containern zur Unterbringung von Polizeibeamten jedoch genehmigt


Eisenstadt (kath.net/KAP) Die Diözese Eisenstadt will auf ihrem Grund keinen Grenzzaun: Der von der Landespolizeidirektion Burgenland geplante, mehrere Kilometer lange Zaun an der Grenze zu Ungarn wird deshalb mit einer Lücke bei Moschendorf entstehen. In einem "Kathpress" vorliegenden Brief der Liegenschaftsabteilung der Diözese an die betroffene Pfarre begründete Diözesanbischof Ägidius Zsfikovics (Foto) seine Entscheidung, das Ansuchen über die Zaunerrichtung auf zwei Grundstücken in Kirchenbesitz abzulehnen. Die Diözese hat in der Angelegenheit Aufsichts- und Zustimmungspflicht.

Der Zaun stehe laut Zsifkovics im Gegensatz sowohl zum Evangelium als auch zur klaren Botschaft von Papst Franziskus an Europa. Im Besonderen gelte diese für eine Diözese, "die jahrzehntelang im Schatten des Eisernen Vorhangs existierte und in den vergangenen Monaten keine Anstrengungen gescheut hat, um Menschen auf der Flucht die Türe zu öffnen, ihnen ein Dach über dem Kopf, Würde und Herzenswärme zu geben", wie es in dem Schreiben des Bischofs an die Pfarre wörtlich heißt.

Gegen eine ebenfalls von der Polizei beantragten Errichtung von Containern inklusive Sanitäranlagen zur Unterbringung von Polizeibeamten für reguläre Grenzkontrollaufgaben hatte die Diözese nichts einzuwenden. Diese sollen nun auf einem der Pfarre gehörenden Teil einer asphaltierten Fläche am Grenzübergang entstehen. Hier sei keine "Kollision mit christlichen Wertvorstellungen zu erkennen", so die Begründung des Bischofs.

Zuvor hatte sich bereits die Diözesanleitung mit der Frage befasst. "Wir haben beim schlimmsten Flüchtlingsansturm im vergangenen Jahr, als in eineinhalb Monaten an die 200.000 Menschen in Nickelsdorf über die Grenze kamen, quasi über Nacht in kirchlichen Gebäuden circa Tausend Notunterkünfte für erschöpfte Familien, für Frauen, Kinder und alte, geschwächte Menschen geschaffen. Und jetzt sollen wir auf kirchlichen Grundstücken Zäune aufstellen? Da spüre ich schon körperlich den reinsten Widerwillen", so der Bischof gegenüber der APA mit dem Hinweis auf das "Jahr der Barmherzigkeit" und den Heiligen Martin als Schutzheiligen der Diözese.

"Bin selbst am Eisernen Vorhang aufgewachsen"

"Ich bin selbst am Eisernen Vorhang aufgewachsen und weiß noch, was es für uns alle und für das Burgenland an Freiheit und Aufbruch bedeutete, als der Zaun endlich fiel", stellte Zsifkovics fest. Er habe wiederholt öffentlich gesagt, dass er neue Zäune für keine Lösung des Flüchtlingsproblems halte: "Wir müssen die heutigen Probleme an der Wurzel anpacken und das heißt: Schluss mit dem organisierten Schlepperwesen, Schluss mit Waffenlieferungen aus Europa, Schluss mit Krieg und gezielter Destabilisierung in Nahost, Schluss mit der rohstoffbasierten und landwirtschaftlichen Ausbeutung Afrikas durch europäische Konzerne! Alles andere sind Scheingefechte."

Er verstehe die Ängste der Menschen, die er ja rund um sich wahrnehme. "Aber ich wäre ein schlechter Bischof, wenn ich auf diese Ängste keine christlichen Antworten geben könnte. Und diese Antwort ist nicht der Zaun. Sondern notfalls das Loch im Zaun", sagte Zsifkovics laut dem Medienbüro der Diözese Eisenstadt. Der Eisenstädter Diözesanbischof ist auch Koordinator für Flüchtlingsfragen innerhalb der EU-Bischofskommission ComECE.

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